Vorfall im Phönix-Bad Ottobrunn

... und ich soll ein Exhibitionist sein? Verfahren gegen 89-Jährigen eingestellt

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Weist jegliche Vorwürfe zurück: Karl Krautmann sagt, er habe keinerlei sexuellen Absichten mehr.  

Er soll seine Hose im Ottobrunner Bad runter gelassen haben. Darum stand ein Senior (89) vor Gericht. Der Mann ist fassungslos: Er habe sicher keine sexuelle Absichten mehr.

Ottobrunn – Sein ganzes Leben lang hat Karl Kraumann (89) brav gearbeitet und nie eine Straftat begangen. Und jetzt das. Fassungslos steht der pensionierte Ingenieur gestern im Amtsgericht. Er schüttelt den Kopf, breitet die Arme aus und sagt: „So etwas habe ich noch nie erlebt.“ Denn in seinem hohen Alter musste der Senior aus Ottobrunn in München noch einen Strafprozess über sich ergehen lassen.

Eine Frau (60) hatte ihn angezeigt, weil er sich angeblich im Ottobrunner Phönix-Bad entblößt hatte. Doch Kraumann weist diese Vorwürfe von sich. „Ich finde das weit hergeholt, was die Dame behauptet.“ Er? Ein Exhibitionist? Darüber muss er fast lachen. „Ich bitte Sie“, sagt er. „Alle sexuellen Absichten sind bei mir längst vorbei. Ich habe genug Spaß in meinem Leben gehabt und war dreimal verheiratet.“

Der gleiche Ablauf - seit 27 Jahren

Seit Jahren ist Kraumann nun Witwer. Und hält sich durch Schwimmen fit. So auch am 20. Februar. „Ich besuche das Bad seit 27 Jahren und habe immer denselben Ablauf.“ Erst schwimmt der 89-Jährige ein paar Bahnen. Danach nutzt er den Massage-Strahl und entspannt dann auf einer Liege. „Das tut meinem Ischias-Nerv gut“, sagt er. Dabei will eine Besucherin beobachtet haben, wie er seine Hose heruntergezogen hat – und ging zur Polizei. Ein Beamter verhörte die Zeugin. Sie erstattete zunächst Anzeige, zog diese aber später zurück, als sie von dem hohen Alter des Rentners erfuhr. Damit wäre der Fall schon eingestellt worden.

Die Staatsanwaltschaft sah aber ein öffentliches Interesse und setzte den Prozess durch. Mit Gehstock und in Begleitung seines Anwalts Wilfried Sydow musste der Ottobrunner deshalb vor Gericht erscheinen. Laut Anklage hatte er „die Badehose nach unten gezogen“ und an sich „herumgespielt“, so die Vorwürfe der Staatsanwältin. 

„Vielleicht ist meine Hose durch den Wasserstrahl etwas heruntergerutscht“

„Vielleicht ist meine Hose durch den Wasserstrahl etwas heruntergerutscht“, sagte er. „Aber das spielte sich unter gekräuseltem Wasser ab. Man müsste sich schon intensiv dafür interessieren, um da etwas zu erkennen.“ Rund 30 Minuten wurde der Senior befragt. In allen Details. Dann räumte Verteidiger Sydow letzte Zweifel aus: „Können Sie noch eine Erektion bekommen?“ Das hatte die Zeugin behauptet. Doch Kraumann sagte: „Nein. Das letzte Mal vor fünf oder sechs Jahren.“

Amtsrichterin Külb hielt den Fall für „juristisch vertrackt“ und stellte den Prozess schließlich gegen eine Geldauflage ein: Der Senior muss 500 Euro an eine Hilfsorganisation für Frauen zahlen und darf nun wieder in Ruhe schwimmen gehen. Die Richterin: „Ich möchte Ihnen wirklich raten, die Badehose anzulassen. Alles andere erzeugt Missverständnisse.“  

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