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„Riesenpotenzial“: Landwirt will PV-Anlage über Hopfenpflanzen - Aiwanger begeistert

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Schwarze Röhren über Grünem Gold: In einem Pilotprojekt will Landwirt Josef Wimmer (vorne, 4. v. r.) über seinem Hopfen neuartige Photovoltaikanlagen installieren. Das Vorhaben weckt auch Interesse bei Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (vorne, 4. v. l.), einigen seiner FW-Parteifreunden sowie Vertretern aus Land- und Energiewirtschaft.
Schwarze Röhren über Grünem Gold: In einem Pilotprojekt will Landwirt Josef Wimmer (vorne, 4. v. r.) über seinem Hopfen neuartige Photovoltaikanlagen installieren. Das Vorhaben weckt auch Interesse bei Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger (vorne, 4. v. l.), einigen seiner FW-Parteifreunden sowie Vertretern aus Land- und Energiewirtschaft. © LORENZ

Flächen landwirtschaftlich nutzen oder mit PV-Anlagen zubauen? Neue Technik soll beides parallel möglich machen. Ein Hallertauer Hopfenpflanzer wagt den Feldversuch.

Osseltshausen – Der Hallertauer Hopfenbauer als wichtiger Stromerzeuger der Region per hochmoderner Photovoltaikanlagen über dem Grünen Gold – wie realistisch ist das? Josef Wimmer aus Osseltshausen (Markt Au) will es wissen und wird nach rund vier Jahren schwierigen Förderungsgesuchen nun ab diesem Herbst die ersten Module installieren können.

Er wird sie teilweise aus eigener Tasche bezahlen. Für Bayerns Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger, der am Dienstag gemeinsam mit Vertretern in die Hallertau gekommen war und dort mit regionalen Parteifreunden sowie der Land- und Energiewirtschaft zusammentraf, sollten solche PV-Anlagen über Hopfengärten schnellstmöglich in die Massenproduktion gehen.

Photovoltaik-Anlage über Hopfenpflanzen: Landwirt wagt Feldversuch

Wimmer, Hopfenpflanzer mit Leib und Seele, ist beim Termin vor Ort sichtlich erleichtert: „Jetzt geht’s endlich los, nach einigen Jahren Warten.“ Im Herbst sollen nämlich die ersten Solarmodule über ein Areal, das einen halben Hektar groß ist, angebracht werden – allerdings nur in einer Höhe von gut drei Metern. Der Nachteil: Der Hopfen kann dann nur begrenzt in die Höhe wachsen und somit weniger Ertrag bringen. Der Vorteil: Weniger Arbeitsaufwand und doch möglicherweise Mehreinnahmen aus der Stromerzeugung.

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Im Frühjahr 2023 soll dann die deutliche größere PV-Anlage mit einer Höhe von sieben Metern über einem knapp einen Hektar großen Hopfengarten installiert werden – allerdings nicht, ohne zuvor die Hopfenpfähle zu verstärken und den Abstand zwischen den Stangen aus statischen Gründen zu verringern.

Neuartige Photovoltaikanlage ist durchlässig für Wasser und Licht

Die größte Innovation sind wohl aber die sogenannten Solar-Tubes, die ein wenig wie dunkle Leuchtstoffröhren aussehen und relativ neu auf dem Markt sind. Ihr Vorteil: Durch die Ritzen kann Niederschlagswasser ablaufen, sodass der Garten nicht austrocknet. Wie sehr sich der Hopfen allerdings unter der neuen Beschattung wohlfühlen wird, weiß aktuell noch keiner ganz genau.

Diesbezüglich müsse einfach abgewartet und viel getestet werden, wie auch Jürgen Gallina von der Augsburger Firma tubesolar betonte. Auf jeden Fall seien solche Agri-Photovoltaikanlagen zukunftsweisend für eine effektive Doppelbewirtschaftung, in diesem Falle eben mit Hopfen. Machbar seien solche Anlagen aber beispielsweise auch für Erdbeerfelder.

Da die Hopfengärten laut Bernhard Gruber von der AgrarEnergie GmbH abseits der Saison erodieren, sei eine ganzjährliche Beschattung durch die PV-Anlagen ein deutlicher Vorteil. Um herauszufinden, welche Solarmodelle für das Grüne Gold am besten sind und gleichzeitig am meisten Strom generieren, sollen über den Hopfengärten von Josef Wimmer über ein Zeitfenster von drei Jahren unterschiedliche Module ausprobiert werden. „Wir brauchen ein enges Monitoring für den Hopfen. Denn was passiert, wenn es zu feucht wird – wachsen dann die Pilze oder der Hopfen besser?“ Das ist laut Bernhard Gruber die große Frage.

Wirtschaftsminister Aiwanger sieht „Riesenpotenzial“

Für Hubert Aiwanger steckt in solchen Hopfen-PV-Anlagen ein „Riesenpotenzial“, das zügig ausgebaut werden sollte. Seine Rechnung: Würden sämtliche bayerische Hopfengärten „überdacht“ werden, könnte damit nahezu so viel Energie wie mit dem Kernkraftwerk Isar 2 gewonnen werden. Was für den Wirtschaftsminister zudem reizvoll ist: „Damit würde eine Maß Bier sozusagen CO2-negativ werden – also eine Art Solar-Bier“, so Aiwanger. Was es freilich bräuchte, seien Investoren, die die Gunst der Stunde jetzt nutzen würden.

Landwirt Josef Wimmer, der zwar die kleine Anlage aus eigener Tasche finanzieren konnte, kennt das Problem der Finanzierung aber nur zu gut. „Die Banken wollen natürlich eine Sicherheit haben“, sagte Wimmer, weshalb die zweite Anlage letztlich nur über eine Bürgschaft leistbar gewesen sei.
Richard Lorenz

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