Flugzeugwrack bei Freising entdeckt

Piloten-Tod nach 69 Jahren aufgeklärt

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Sondengänger Marco Grätz an der Fundstelle, im Hintergrund seine Ehefrau Pamela sowie Historiker Ernst Keller.

Fürholzen - In einem Luftgefecht nördlich von München wird 1944, ein Jahr vor Ende des Zweiten Weltkriegs, ein deutscher Pilot abgeschossen. 69 Jahre später finden Historiker bei Freising das Flugzeugwrack – und können Angehörige des Piloten ausfindig machen.

Sie fanden unzählige Bruchstücke, unter anderem das Typenschild der Motorhaube und ein Teil einer Sauerstoffflasche.

Der 24. April 1944, ein ganz normaler Tag. Aber was heißt schon normal in den Endzügen des Zweiten Weltkrieges. Ein Verbund von 14 alliierten B17-Bombern befindet sich auf dem Anflug Richtung Oberpfaffenhofen. Deshalb startete in Bad Wörishofen eine deutsche Jagdbomber-Staffel, um den Angriff aufzuhalten. Nördlich von München kommt es zum Luftkampf. Ein deutscher Jagdbomber des Typs Messerschmitt G6 wird abgeschossen. Augenzeugen sehen, wie das brennende Flugzeug nahe Fürholzen (Gemeinde Neufahrn, Landkreis Freising) in den Wald stürzt. Ein Pilot mit Fallschirm ist nicht zu sehen – und das ist ein Indiz dafür, dass den Piloten, wie sich herausstellte ein 19-Jähriger namens Kurt Schmidt, der Tod schon in der Luft ereilte.

Diesen Fall griff nun Marco Grätz (45) auf, der dem Verein Bayerischer Flugzeug-Historiker angehört. Für den Landkreis Freising gibt es eine Liste mit 27 bekannten Flugzeugabstürzen. Dem Absturz nördlich von Neufahrn geht Grätz näher nach. Es ist für ihn „ein Kick wie bei anderen Bungee-Springen“, bekennt er. Sein erster Versuch geht ins Leere, denn in den Büchern ist Massenhausen als Todesort vermerkt. Diese Ortschaft liegt gut einen Kilometer östlich von Fürholzen, ist durch einen Hügel getrennt und deshalb konnte dort niemand den Absturz sehen.

Der Flugzeughistoriker wendet sich an den Fürholzener Heimatforscher Ernst Keller (66), der schon einiges über den Fall wusste. Er kennt Berichte von Augenzeugen und hat einen Eintrag des damaligen Pfarrers Georg Kolb vorliegen. Im Wald zwischen den Orten Fürholzen und Massenhausen stoßen Grätz und Keller bald auf einen kleinen Krater. „Der Trichter im Boden und drei klein gewachsene Bäume waren ein Zeichen dafür, dass hier etwas im Boden war.“ Tatsächlich schlägt die Sonde des Flugzeughistorikers aus. Über 100 kleinere Teile graben die Forscher aus – sie gehören alle zu dem zerstörten Flugzeug. Das wichtigste Fundstück ist das Typenschild des Flugzeuges, auf dem noch heute die Ziffern zu erkennen sind. Mit dieser Nummer lässt sich der Name des Piloten herausfinden. So kommt raus, dass es sich bei dem Piloten um den damals 19 Jahre jungen Kurt Schmidt handelt. Grätz und Keller hoffen nun noch – als finalen Beweis des Todes – auf den Fund der Erkennungsmarke.

Durch den Fund ist nun auch geklärt, dass der damals 19-jährige Pilot Kurt Schmidt ums Leben kam. Die letzte Aufnahme zeigt ihn an Weihnachten 1943.

Ernst Keller wollte mehr über dieses Kriegsschicksal herausfinden. Deshalb wandte er sich an eine große Zeitung in Gera, die einen Aufruf startete. Noch am Tag der Veröffentlichung meldete sich Schwester Helene Dünger (77). Der abgeschossene Pilot hatte vier Geschwister. Neben Helene Dünger lebt noch eine weitere Schwester, Irmgard (85). Bruder Herbert starb im August 1944 an einem Wundstarrkrampf beim Nachhausetransport von einem Fronteinsatz. Der dritte Bruder Walter kam mit dem Leben nach dem Krieg nicht zurecht und brachte sich um.

Die Angehörigen reagierten emotional und dankbar, dass ihre seit fast 70 Jahren offenen Fragen nun beantwortet werden. Die Schwestern wollen noch heuer nach Fürholzen kommen, um an der Absturzstelle Kurt Schmidt zu gedenken. Im Krieger- und Soldatenverein Massenhausen gibt es nun Überlegungen, zum 70. Jahrestages einen Gedenkstein aufzustellen. Ernst Keller möchte so an dieses eine menschliche Schicksal des Krieges erinnern. „Bislang war die Sache im Ort kein Thema, alle gingen achtlos an der Absturzstelle vorbei“, sagt der Historiker.

Von Nico Bauer

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