Aber die Erdinger Fachverkäufer kennen sich aus

Plastik-frei beim Metzger einkaufen: Mit diesem Trick umgehen die Verkäufer die Hygiene-Regeln

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Ganz ohne Plastik geht’s nicht: Im Markthaus Schachtl verpackt Susanne Stein den Aufschnitt in Kunststofffolie, dann können die Kunden ihre Wurst in die mitgebrachte Plastikbox legen. Hinter die Theke darf die Box nicht. 

Plastiksparen liegt im Trend – auch in der Metzgerei: Einige Kunden bringen heutzutage ihre Plastikdose für Wurst und Fleisch selbst mit. Aber nicht alle Erdinger Metzger erfüllen diesen Wunsch ohne Bedenken.

Erding – Tonnenweise Müll landet jedes Jahr im Meer. Die Folge: Seevögel sterben an Handyteilen im Magen, und Schildkröten verwechseln Plastiktüten mit Quallen. Deshalb versuchen immer mehr Menschen, auf Plastik zu verzichten, zum Beispiel beim Metzger. Sie bringen ihre eigene Tupperdose mit und wollen sie befüllen lassen – aber das geht nicht so einfach, sagt Beatrix Auer (48), Verkäuferin in der Metzgerei Lobermeier in Erding. Das Problem: das Lebensmittelgesetz.

„Wir dürfen die Tupperboxen nicht über die Theke nehmen“, sagt sie. Denn dahinter beginne der Hygienebereich, allerdings hat sie da einen Trick: „Wir nehmen einfach eine Gabel und balancieren die Wurst in die Box, das geht schon.“ Und beim Fleisch? „Könnte man das genauso machen.“ Somit geht’s theoretisch ganz plastikfrei in der Metzgerei. „Wir merken schon, dass die Leute seit ein, zwei Jahren wieder vermehrt drauf achten, dass sie nicht so viel Abfall produzieren“, sagt sie und ergänzt: „Solange die Tupperbox gespült ist, kann doch nichts verkehrt laufen.“

In der Metzgerei Boneberger am Kleinen Platz bekommen die Kunden zumindest einen Imbiss ohne zusätzliche Plastikverpackung: Die Gulaschsuppe zum Beispiel füllt Filialleiterin Kathleen Heinke (39) direkt in die Plastikdose. Diese steht natürlich auf der Theke: „Wenn der Kunde das so wünscht, dann machen wir das so“, sagt sie.

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Und beim Aufschnitt für die Plastiksparer? Da nimmt Heinke eine kleine Plastikfolie, mit zehn mal fünf Zentimetern „Die wiegt quasi nichts, wenn ich sie auf unsere Waage lege“: Auf die Folie kommen die Wurstscheiben, danach legt Heinke den Stapel auf die Theke, von dort aus balanciert sie der Kunde in seine Box – und spart sich damit die zusätzliche Plastiktüte. „Es kommen circa zwei bis drei Kunden am Tag, die kein Plastik wollen und eine Box dabeihaben.“

Luise Graml von der Wursttheke vom Supermarkt Feneberg in Erding ist nicht so oft mit diesen Plastik-Extrawünschen konfrontiert. „In dem halben Jahr, seitdem ich hier arbeite, war erst einer da, der seine Wurst in die eigene Box wollte.“ Sie ist ganz froh darüber, denn: „Manchmal weiß man nicht so genau, wo die Leute ihre Dosen stehen gelassen haben.“ Vor ihrer Zeit in der Metzgerei hat sie in einer Bäckerei gearbeitet und erzählt: „Bei manchen Stoffsackerl hab ich mir gedacht, da würd ich meine Semmeln nicht reinlegen.“

Leberkässemmel in der Papier- statt in der Plastiktüte, das gibt es im Markthaus Schachtl: „Manche Kunden verzichten da auch auf die Alufolie, weil sie die Semmel gleich essen“, sagt Verkäuferin Susanne Stein (49). Auch bei anderen Imbissspeisen können die Kunden Plastik sparen, sagt ihr Bruder und Metzgermeister Peter Schachtl (44): „Da dürfen wir die Plastikbox auch über die Theke nehmen, hat mir das Landratsamt gesagt, denn da ist die Keimgefahr nicht so groß, die Lebensmittel sind ja gekocht.“

Imbiss geht im Markthaus also ganz ohne Plastik, Wurst und Fleisch kaufen nicht. „Da nehmen wir ein bisschen Butterbrotpapier, das ist auch eine Kunststofffolie, packen die Wurst ein und der Kunde packt sie dann in seine Tupperbox.“ Eine plastikfreie Metzgerei kann sich Schachtl nicht vorstellen: „Ich sehe da keine Zukunft in den Tupperboxen, die Kunden erwarten in der Metzgerei einfach sichere Lebensmittel.“ Der Kampf gegen das Plastik müsse woanders ausgefochten werden.

Die Regeln für Plastikboxen

Plastiksparen in der Metzgerei ist wegen der Hygienevorschriften gar nicht so einfach: Wenn der Kunde seine eigenen Behältnisse mitnimmt, dürfen diese nicht hinter die Theke gelangen, teilt das Landratsamt Erding mit. Denn bei den mitgebrachten Boxen sei nicht klar, wo diese gereinigt und gelagert wurden. Der Metzger dürfte sie nur hinter die Theke stellen, wenn er die Fläche danach desinfizieren würde.

Beim warmen Imbiss – zum Beispiel Leberkäse und Gulaschsuppe – geht es nicht so streng zu: Ein Verbot, Mehrwegbehältnisse zu befüllen, besteht nicht. Hier müssen die Metzger nur die allgemeinen Hygienevorschriften einhalten.

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