Nachruf

Er war Kult in Poing: Gemeinde trauert um „Oldies“-Legende

+
Mehr als 27 Jahre war Sigi Pirker Wirt der Poinger Kult-Kneipe „Oldies“. Jetzt ist er mit 68 Jahren gestorben. 

Sigi Pirker ist tot. Er führte über 27 Jahre lang das „Oldies“ in Poing. Er war Wirt, Berufsmusiker, Psychologe und Unikum in Einem. 

Poing – Mit dem Begriff „Kult“ wird ja gerne und schnell mal um sich geworfen. In Zeiten von Social Media steigt jemand schon in höhere Sphären auf, nur weil er/sie ein paar Tausend Follower auf Instagram oder Hunderte „Gefällt mir“-Klicks auf Facebook hat. Echte Legenden aber haben sich ihren Kultstatus erarbeitet. Im wahren Leben. Über viele, viele Jahre hinweg. Die „Gefällt mir“-Angaben sind Gespräche im großen und kleinen Kreis, sind unbezahlbare Erlebnisse vor Live-Publikum, sind der echte Beifall und Applaus. Kultstatus können diejenigen erwerben, die ihr Ding bis zum Schluss durchziehen. Und ja, zu einem Merkmal von Legenden kann leider auch gehören, dass sie zu früh sterben. So wie Sigi Pirker.

Am 6. März 1988 hat er, mit 37 Jahren, das „Oldies“ an der Ecke Neufarner/Hauptstraße in Poing eröffnet. Über 27 Jahre später, am 30. Dezember 2015, stieg eine fulminante Abschiedsparty – aus gesundheitlichen Gründen musste „der Sigi“, wie ihn alle nannten und kannten, seine Kneipe aufgeben. Jenes Lokal, das er zusammen mit seinem Bruder Ernst geführt hat. Jenes Lokal, in dem alle Generationen zusammengekommen sind. Jene Kneipe, die getrost als „Boazn“ bezeichnet werden darf – im liebevollen Sinne.

Bei Sigi und Ernst waren gesellschaftliche Schichten und Etiketten egal: Im „Oldies“ waren alle willkommen, an der Theke waren alle gleich. Sigi war oft ihr Psychologe. Hörte sich Probleme und Geschichten an, spendete zum Trost nicht nur sein Ohr und einen Rat, sondern spendierte auch mal einen Schnaps. „Mein Papa war Wirt durch und durch“, sagt Tochter Nadine, die selbst mitgearbeitet hat, ebenso wie Mama Irene. In den ersten Jahren stand Sigi sieben Tage die Woche jeden Abend hinterm Tresen, später hat er sich mit seinem Bruder Ernst die Wochenenden aufgeteilt.

Überhaupt die Pirker-Brüder: Vor dem „Oldies“ haben die beiden in den 1970er-Jahren die Münchner Partyband „The Birm“ gegründet und sind als Berufsmusiker durch die Lande getourt. Im Winter in den Skigebieten von Deutschland, Österreich und der Schweiz, im Sommer oft in Spanien. Sigi am Bass und Gesang, Ernst an E-Gitarre und Gesang, dazu noch Mitstreiter. Wilde Jahre.

1986 hat sich die Band aufgelöst, danach heiratete der gelernte Elektriker Sigi Pirker seine Frau Irene und zog zu ihr nach Pliening. Zwei Jahre später eröffnete er mit Bruder Ernst das „Oldies“ in Poing. Der Name war Programm: In der Kneipe lief alte Musik, Oldies eben, anfangs spielten Sigi und Ernst ab und zu noch live – wie damals bei „The Birm“ coverten sie Rockklassiker.

Schnell sprach sich herum, dass in Poing an der Ecke Neufarner/Hauptstraße was los ist. Das war es fürwahr, bis zum 30. Dezember 2015. Das alte „Oldies“ war Kult – ebenso wie Wirt Sigi, der am 4. Januar im Alter von 68 Jahren nach schwerer Krebserkrankung gestorben ist. Übrigens: Seit ein paar Monaten ist das „Oldies“ wieder offen, unter der neuen Leitung von René Tiefnig.

Die Trauerfeier für Sigi Pirker mit anschließender Urnenbeisetzung findet am Samstag, 19. Januar, auf dem Poinger Gemeindefriedhof statt. Beginn in der dortigen Aussegnungshalle ist um 12 Uhr. 

Auch interessant

Mehr zum Thema:

Meistgelesen

Wirt verliert Hand - und sein Gasthaus: Jetzt sprechen die Verpächter und räumen mit Gerüchten auf
Wirt verliert Hand - und sein Gasthaus: Jetzt sprechen die Verpächter und räumen mit Gerüchten auf
B12: BMW prallt frontal gegen Lkw: Retter versuchen Fahrer minutenlang zu reanimieren - vergeblich
B12: BMW prallt frontal gegen Lkw: Retter versuchen Fahrer minutenlang zu reanimieren - vergeblich
Manche Patienten sind empört: Zahnärztin übernimmt Praxis - und gibt ihr pikanten Namen
Manche Patienten sind empört: Zahnärztin übernimmt Praxis - und gibt ihr pikanten Namen
Tragisches Ende: Spezialisten finden Vermisste im Ammersee
Tragisches Ende: Spezialisten finden Vermisste im Ammersee

Kommentare