Politisches Erdbeben: Acht Stadträte verlassen Fraktion

Erich Irlstorfer

Freising - Die CSU-Fraktion im Freisinger Stadtrat wird sich spalten. Acht Stadträte werden die Fraktion verlassen, fünf davon außerdem aus der Partei austreten. Es ist ein politisches Erdbeben, das die Domstadt erschüttert.

Tobias Eschenbacher

„Absolut unehrenhaft“ - diese Kritik will sich der CSU-Ortsvorsitzende Erich Irlstorfer nicht verkneifen. Denn er ist „tief enttäuscht“. Anlass: Nach einem Gespräch zwischen dem CSU-Fraktionsvorsitzenden im Stadtrat, Tobias Eschenbacher, und dem CSU-Kreisvorsitzenden, MdL Florian Herrmann, habe ihm Herrmann als Resultat der Aussprache folgendes mitgeteilt: Eschenbacher und weitere sieben von insgesamt elf Fraktionsmitgliedern der CSU sind fest entschlossen, der Fraktion den Rücken zu kehren. Diese Bombe ließ Irlstorfer gestern Abend platzen. Und Eschenbacher bestätigt dies gegenüber dem FT: Man wolle sich aus den „Verstrickungen“ der Partei lösen. Nur so könne man „ordentliche Sachpolitik für Freising“ machen.

Namentlich handelt es sich bei den acht Stadträten um Eschenbacher, Florian Notter, Maria Lintl, Hans Hölzl, Oliver Pflüger, Reinhard Fiedler, Ludwig Kropp und Anton Frankl. Aus der CSU austreten werden Eschenbacher, Notter, Hölzl, Pflüger und Frankl. Der Rücktritt erfolgt zum heutigen Tag.

Florian Notter

Zwei Punkte seien es, so Irlstorfers Informationen, weshalb das eingetreten ist, was schon lange gemutmaßt wurde, an das aber so recht niemand geglaubt hatte: Zum einen würden die acht Stadträte, die sich jetzt von der Fraktion trennen, „nicht wollen, dass es so weiter geht wie unter dem derzeitigen OB“, wie es Irlstorfer ausdrückt. Im Klartext: Rudolf Schwaiger als OB-Kandidat der CSU, der sich im Nominierungsduell gegen Eschenbacher durchgesetzt hatte, will man offenbar nicht unterstützen. Zum anderen, so habe Herrmann berichtet, werde kritisiert, dass der Ortsverband zu viele Themen vorgebe, die Mitsprache der Fraktion zu gering sei.

Irlstorfer nimmt diese Kritik, auch wenn er sie nicht nachvollziehen könne, zur Kenntnis und bietet jetzt Eschenbacher die Übernahme des Parteivorsitzes in Freising an. Denn: Er wolle Eschenbacher nicht im Weg stehen, es gehe ihm nicht um den eigenen Posten, sondern um den Erfolg für die CSU und darum, dass Schwaiger OB wird.

Maria Lintl

Ob Eschenbacher das Angebot annehme und ob er dann von den CSU-Mitgliedern auch tatsächlich als Ortsvorsitzender gewählt werde, liege dann nicht in seiner Hand, so Irlstorfer. Eschenbachers Reaktion darauf ist eine klare Absage: „Über dieses Stadium sind wir doch schon weit hinaus.“

Irlstorfer sieht allerdings die Niederlage Eschenbachers bei der Kandidatenkür als eigentlichen Grund für die Abkehr des Oktetts von der Fraktion an und betont, Eschenbachers Handeln sei „ein klarer Wortbruch“. Denn während der Wochen und Monate vor der Nominierungsversammlung sei oft darüber gesprochen worden, wie sich der Unterlegene verhalten werde. Und beide Kandidaten hätten stets versichert, im Falle einer Niederlage den Sieger zu unterstützen. Aus diesem Grund wollte Irlstorfer auch nie etwas von einer Zerreißprobe hören.

Jetzt aber hat es die Fraktion aber doch zerrissen: Eschenbacher betont allerdings, dass die Kür Schwaigers zum OB-Bewerber nur ein Punkt sei. Bei manch einem habe auch die Haltung der bayerischen CSU zur Startbahn eine Rolle gespielt. Ob er nun doch als OB-Kandidat auf einer eigenen Liste antrete, ließ Eschenbacher noch offen. Das Verlassen der Fraktion habe „damit erstmal nichts zu tun“. Einer anderen Partei werde man sich nicht anschließen, so Eschenbacher, man werde eine eigene Fraktion bilden. Ansonsten verwies er auf eine Pressemitteilung, die man herausgeben werde.

auch interessant

Meistgelesen

Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Pflege zu teuer: Pensionär holt seine Frau wieder nach Hause
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Vermisster 23-Jähriger wieder aufgetaucht
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Schulbus auf Irrfahrt: Kinder in Panik
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen
Starnbergerin erkrankt dreimal an Legionellen

Kommentare