Bluttat in Unterföhring

Polizei bangt um junge Kollegin - Warum schoss der Mann?

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Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins am Tatort.

Schlägerei in der S-Bahn. Das passiert oft. In vielen Großstädten, in Berlin, in München. An sich ein Routineeinsatz. Doch er endet in einer Schießerei. Denn einer der Randalierer kann sich die Dienstwaffe eines Beamten greifen.

Unterföhring - Hubschrauber, Blaulicht. Sperrbänder. Schüsse sind gefallen. Großeinsatz der Polizei am Bahnhof Unterföhring bei München. Der erste Gedanke wie so oft in diesen Zeiten: War es Terror? Doch die Polizei kann zumindest das ausschließen. Es war eine zunächst gewöhnliche Schlägerei in der S-Bahn, die eskaliert. Bilanz: vier Verletzte, darunter eine lebensgefährlich verletzte Polizeibeamtin.

Gegen 8.20 Uhr am Dienstagmorgen gehen mehrere Notrufe bei der Polizei ein. Fahrgäste berichten von einer Schlägerei in der S-Bahn. Erst einmal ein Routineeinsatz. Eine Streife rückt aus. Am Bahnsteig kommt es zur Konfrontation. Einer der Randalierer schubst einen Polizeibeamten, versucht, ihn ins Gleisbett zu stoßen. Es gibt eine Rangelei, beide gehen zu Boden.

Dabei geschieht etwas Ungewöhnliches: Einer der Randalierer greift die Waffe des Beamten. „Bei der Rangelei am Boden ist es dem Täter gelungen, sich der Dienstwaffe des Kollegen zu bemächtigen“, berichtet Polizeisprecher Marcus da Gloria Martins. Die Beamtin schießt auf den Mann, trifft ihn. Er schießt auf sie - sie wird am Kopf getroffen, wie da Gloria Martins sagt. Die 26-Jährige schwebt in Lebensgefahr. Der Täter feuert weiter, wahrscheinlich von ihm werden zwei Passanten getroffen. Sie erleiden Durchschüsse am Arm und am Bein.

Einmal mehr wird damit ein Bahnhof Schauplatz einer schlimmen Gewalttat. Erst vor einem Jahr hatte ein Amokläufer am S-Bahnhof Grafing bei München einen Menschen getötet und drei verletzt. In Berlin attackierten kürzlich drei Jugendliche einen Mann, der sie für ihr rüpelhaftes Verhalten rügte. 2009 starb am Münchner S-Bahnhof Solln der Geschäftsmann Dominik Brunner, als er sich schützend vor Kinder stellte und in einer Schlägerei mit Jugendlichen verstrickt wurde.

Täter stammt aus dem Oberland und ist ohne Wohnsitz

Was nun sind die Gründe in Unterföhring, wer ist der Mann, der hier schoss? Er sei nicht im klassischen Sinne polizeibekannt, sagt da Gloria Martins, aber er habe der Polizei schon einmal Arbeit bereitet. Aus dem Oberland stammend. Ohne Wohnsitz. Zum Zeitpunkt der Tat wohl nicht betrunken - jedenfalls nicht schwer. Der Ausweis, der am Tatort gefunden wurde, stammte NICHT von ihm.

Eine Reihe von Zeugen beobachten das Geschehen. Provisorisch wird eine Stelle für sie eingerichtet - es geht nicht nur um ihre Aussage. „Wichtig ist, dass jeder Zeuge der Tat von Profis angeschaut wird, wie es ihm geht.“

Schießerei in Unterföhring: Bilder

Die scheinbar immer allgegenwärtigere Gewalt zermürbt viele. „Ich habe ein mulmiges Gefühl“, sagt Ursula L. die nicht mit ganzem Namen genannt werden möchte. Sie ist trotz der Meldungen im Radio zu ihrem Termin in einer Physiopraxis nahe dem Bahnhof gefahren. „An Terror habe ich nicht gedacht. Aber ich habe mir Sorgen gemacht“, sagt sie. „Das zeigt, wie schnell es einen treffen kann. Aber die Polizei ist ja da.

Rund 200 Beamten waren zeitweise im Einsatz. Denn der Täter konnte zunächst fliehen. Wenig später allerdings stellen ihn an einem nahegelegenen Bürogebäude Kräfte der Münchner Polizei und der Bundespolizei. Er sei durch die Schussverletzung bereits gehandicapt gewesen, sagt da Gloria Martins. Damit hat die 26-jährige Polizistin womöglich Schlimmeres verhindert.

Nun bangen die Kollegen um das Leben der Frau. „Der Zustand der Kollegin ist sehr ernst“, sagt da Gloria Martins. „Das macht uns als Münchner Polizei sehr betroffen. Das macht sicher auch viele Münchnerinnen und Münchner sehr betroffen.“

Das alles - warum? Der Anlass der Schlägerei ist unklar. Aber man darf vermuten: Wahrscheinlich vergleichsweise eher nichtig.

dpa


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