„Eher fauler Täter“

Polizei erstellt Täter-Profil und ist sich sicher: Feuerteufel wird wieder zuschlagen

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Gegen ein Flammenmeer kämpfen die Feuerwehrkräfte am Karfreitag im Wald bei Keferloh.  

Es war nicht der letzte Waldbrand: Die Polizei geht davon aus, dass der Feuerteufel wieder zuschlägt. Sein Profil wird immer klarer. Was wir wissen:

Landkreis – Die Serie der Waldbrände im Landkreis München wird weitergehen. Davon geht die Polizei aus. Sie spricht von einem „möglichen Brandstifter“, der in den kommenden Tagen erneut Feuer legen wird. Und der offensichtlich verantwortlich ist für die fünf Brände der vergangenen zwei Wochen. Die Einsatzkräfte von Polizei und Feuerwehr sind in ständiger Alarmbereitschaft.

Keine heiße Spur

Brandfahndung, Hubschrauber-Einsatz, zivile Streifen, Befragungen und Kontrollen: Viel hat die Polizei schon getan, um die Serie aufzuklären,zu der auch die beiden Brände vom Ostermontag gehören. An diesem Tag hatte es zunächst in Taufkirchen und später in Unterhaching gebrannt. Eine heiße Spur aber gebe es bisher nicht, teilt ein Polizeisprecher mit.

Und doch ergeben sich nach und nach Parallelen, die ein gewisses Bild ergeben: In Brand gesteckt werden keine Bäume, sondern Reitgras, das bis zu einem Meter hoch bevorzugt auf Waldlichtungen wächst. Es entflammt leicht, solange es dürr und trocken ist. Die Brennbarkeit geht allerdings deutlich zurück, wenn sich zwischen die alten Halme frisches Grün mischt. Dieser Wechsel der Vegetation wird vermutlich in zwei Wochen abgeschlossen sein – und könnte dann, so vermutet die Polizei, auch das Ende der Brandserie zu Folge haben.

Täter zündet Reitgras an

Der Täter verwendet offensichtlich keinen Brandbeschleuniger, sondern ein Feuerzeug. Dass er zudem Lichtungen mit Reitgras bevorzugt, lässt die Polizei annehmen, dass er den Schaden in Grenzen halten möchte. „Man könnte sagen, es ist ein eher fauler Täter, der sich von einer Energie her auf einem eher unteren Niveau bewegt“, sagt der Polizeisprecher. Warum der Unbekannte in den vergangenen Wochen Feuer gelegt hatund vermutlich auch für die 13 Brände im Jahr 2017 im Landkreis verantwortlich ist – bleibt bislang offen. In der forensischen Psychiatrie aber gelten Brandstifter entweder als Menschen, die ganz bewusst jemandem Schaden zufügen möchten, oder aber Feuer legen, um für sich selbst ein Machtgefühl zu erlangen.

Machtgefühl entscheidend

Dabei entsteht ein solches Machtgefühl nicht nur beim Legen des Feuers. Sondern es findet auch Nahrung in der Hilflosigkeit aller Betroffenen, die nicht wissen, ob, wann und wo es das nächste Mal brennen wird. In genau dieser Lage befinden sich die Feuerwehren im Landkreis. Robert Paul, Kommandant der Feuerwehr Hohenbrunn, beschreibt es so: „Wir sind alle etwas angespannt, weil wir nicht wissen, was auf uns zukommt.“ Jeder Tag könnte einen neuen Alarm, einen weiteren Einsatz bringen.

Um den Brandstifter zu finden, hat die Polizei nun auch Fahndungsplakate aufgehängt und eine Belohnung von 5000 Euro ausgerufen. 4000 Euro davon stammen von der „Agrar Grasbrunn GmbH“, die zu einem Zweig der Unternehmerfamilie von Finck gehört. Wie deren Geschäftsführer Hubertus Löffler sagt, hat das Unternehmen allein durch Brände im vergangenen Jahr einen Schaden von rund 20 000 Euro erlitten. Und auch von der jüngsten Brandserie ist das Unternehmen betroffen. Eine frustrierende Situation. Löffler hofft jetzt erst einmal auf einen Wetterumschwung: Am morgigen Donnerstag soll es regnen. „Das ist gut“, sagt er.

Zeugenaufruf

Wer Hinweise zu den Waldbränden am Osterwochenende im Landkreis München geben kann, wendet sich an das Polizeipräsidium in München, unter Tel. 089/291 00. Hinweise nimmt auch jede andere Polizeidienststelle entgegen.

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