Senior auf Rachefeldzug: Polizei überlistet Reifenstecher

Puchheim - Um einem Reifenstecher das Handwerk zu legen, griff die Polizei in Puchheim zu einer List. Sie parkte eine zivilen Dienstwagen in seinem Revier und legte sich auf die Lauer.

Fünf Reifen und viele Stunden auf Wache musste die zuständige Inspektion Gröbenzell investieren „Wir haben da ganz schönen Kräfteaufwand betrieben“, sagt Leiter Klaus Gründler. Aber schließlich erwischten die Beamten den Reifenstecher auf frischer Tat.

Er ist 72 Jahre alt und befindet sich offenbar auf einem privaten Rachefeldzug gegen parkende Autos, die den Verkehr in der Lagerstraße bremsen. Der Senior passiert diese Straße regelmäßig auf dem Weg zur Arbeit. Immer wieder stehe er dort im Stau, schimpft er. Daran seien einzig und allein die Autofahrer schuld, die ihre Wagen zwischen Bachstraße und Gröbenzeller Straße auf der Nordseite abstellen.

Das Parken in diesem Straßenabschnitt ist jedoch völlig legal. Ein Halteverbot ist auch von Bürgern ausdrücklich nicht gewünscht. Und zwar genau deshalb, weil geparkte Autos verhindern, dass dort gerast wird.

Also schritt der 72-Jährige im November 2011 zur Selbstjustiz. Handschriftlich verfasste er ein Drohschreiben, kopierte es, und klemmt es den betreffenden Wagen unter die Scheibenwischer. Die Fahrer wurden darin angewiesen, auf der anderen Straßenseite zu parken, da sie sonst den Verkehrfluß beeinträchtigen. Es folgte die Ankündigung: „Sollten sie weiterhin mit ihren egoistischen Verhalten die Gemeinschaft ärgern werden sie neue Luft oder sogar neue Reifen brauchen.“ Die Polizei kennt sieben dieser Zettel. Manche wurden noch mit Zusätzen versehen, etwa: „Sie parken hier schon seit fünf Tagen.“

Neun Reifen wurden insgesamt zerstochen, Sachschaden etwa 1700 Euro. Als andere Ermittlungen keinen Erfolg hatten, setzte die Polizei vor einigen Wochen alles auf eine Karte. Sie parkten ein ziviles Dienstfahrzeug in der gefährlichen Zone. Und tatsächlich schlug der Reifenstecher wieder zu.

Fünf Polizei-Dienstreifen mussten geopfert werden, bis der 72-Jährige endlich erwischt wurde. Vor den Augen der Beamten zerstach er zwei Reifen ihres Fahrzeuges. Und einen recht unfreundlichen Brief hinterließ er auch noch: „Hallo Egoist, Staumacher Luftverschmutzer, Unfallverursacher. Du bist eine Ratte.“

Bei der Vernehmung machte der 72-Jährige wortreich seinem Stau-Ärger Luft. Die Reifenstecherei leugnete er allerdings hartnäckig ab, obwohl Polizisten ihn inflagranti erwischt hatten.

Trotzdem wird gegen den Senior wegen versuchter Nötigung und Sachbeschädigung ermittelt. Es wird geprüft, ob er noch für weitere, bisher unbekannte Fälle als Täter in Frage kommt. Inspektionsleiter Klaus Gründler erwägt zudem, ihn aufgrund des Zettels am Polizeiauto wegen Beleidigung anzuzeigen. Immerhin hatte er angeordnet, dass der Wagen in der Lagerstraße abgestellt wird und könnte so die Schmäh-Worte auf dem Zettel auf sich beziehen.

Rubriklistenbild: © dpa

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