Polizisten retten Frau aus der Amper

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Die Polizisten Benedikt Weber (26, links) und Alexander Pöckl (28) haben eine Frau (22) aus der eiskalten Amper gerettet und dabei ihr Leben riskiert.

Dachau - In einer dramatischen Rettungsaktion haben am Sonntag zwei Dachauer eine 22-jährige Frau aus der eiskalten Amper gerettet und dabei ihr Leben riskiert. Die Frau liegt auf der Intensivstation, wird aber vermutlich überleben.

Um 11.50 Uhr hatten Passanten die Rettungsleitstelle Fürstenfeldbruck alarmiert. Eine leblose Person treibe in der Amper, beim Dachauer Schwimmbad, Höhe altes Wehr, hieß es knapp. „Bei einer Wasserrettung wird die Einsatzstufe ,Wasser Not 1’ ausgerufen“, sagt der Leitstellen-Schichtleiter Michael Meyr. Das bedeutet, dass Feuerwehr, BRK und THW verständigt werden. Gleichzeitig rücken drei Streifen der Polizei Dachau aus.

In einem Wagen sitzen Alexander Pöckl (28) und Benedikt Weber (26). „Wir haben die Person Richtung Wehr treiben sehen und dachten, sie sei tot. Plötzlich schnappt sie nach Luft“, schildert Alexander Pöckl die ersten Sekunden am Einsatzort.

Jetzt muss es schnell gehen. Pöckl und Weber fackeln nicht lange: Sie legen Jacke und Waffengürtel ab und klettern über einen gut zwei Meter hohen Zaun, der die Straße von der Böschung trennt. Beide springen auf der Stelle ins Wasser „ohne groß nachzudenken“, wie sich Pöckl erinnert. „Erst im Wasser habe ich gemerkt: Mein Gott, ist das kalt.“ Die Beamten erkennen nun: Es ist eine junge Frau, die in der Amper treibt. Bald schwimmt der Körper in Richtung des großen Wehrs des Elektrizitätswerks Dachau. Den Rettern gelingt es, die Frau zu fassen.

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Am Stauwerk selbst verhindern Gitterstäbe, dass alle drei Personen in den Sog der Wassermassen gelangen. „Es war wahnsinnig anstrengend, die Frau über Wasser zu halten“, sagt Pöckl. Der 28-Jährige ist durchtrainiert. Er ist der Stürmer-Star der Fußballmannschaft des FSV Pfaffenhofen. Seine gute Konstitution ist in diesen Sekunden Gold wert. Gemeinsam mit dem Kollegen Weber schafft Pöckl es, dass die 22-Jährige nicht untergeht.

Nach etwa vier Minuten sind BRK und Feuerwehr vor Ort. „Bei derartigen Einsätzen kommen wir immer mit einem Fahrzeug, in dem sich ein Überlebensanzug befindet“, erklärt der Pressesprecher der Feuerwehr Dachau, Wolfgang Reichelt. Ein Kollege schlüpft hinein und kann so in den Fluss steigen. Der Feuerwehrmann wirft Pöckl und Weber ein Seil zu. Gemeinsam mit einem Mann vom Roten Kreuz, der vom Ufer aus mitzieht, können die Polizisten und die Frau an Land gezogen werden. Alle drei sind stark unterkühlt. Das BRK bringt sie in die Amper-Klinik. Die 22-Jährige kommt auf die Intensivstation, wird aber wohl überleben. Pöckl und Weber werden untersucht, nehmen eine heiße Dusche, bekommen trockene Kleidung und dürfen das Krankenhaus verlassen.

„Sie haben ihr eigenes Leben riskiert“, lobt der Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord, Hans-Peter Kammerer. Das wird nun auch Alexander Pöckl nach und nach klar. „Da kommen einem Minuten wie Stunden vor“, sagt er nur. Nach ersten Ermittlungen handelt es sich bei der Frau um eine Asiatin, die Streit mit ihrem Freund hatte. Aus Verzweiflung wollte sie sich das Leben nehmen. Zwei Schutzengel von der PI Dachau hatten etwas dagegen.

Von Thomas Zimmerly

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