Haus aufgekauft

Dieser Restaurant-Wirt fürchtet um seine Existenz

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Fürchtet um seine Existenz: Antonella Mura vor dem Hochhaus; im Edgeschoss hat er seine Pizzeria.

Seit 34 Jahren gibt es das „Porto Pino“ in der Alexander-Pachmann-Straße in Lohhof. Das Restaurant ist das Lebensprojekt von Wirt Antonello Mura (39). Jetzt hat Investor Rainer Beck das Haus gekauft – und dort macht sich Sorge breit.

Unterschleißheim– Die Miete für Muras Restaurant will Beck angeblich von 2800 auf 4600 Euro erhöhen und dann zusätzlich jedes Jahr um zehn Prozent. Inzwischen sei er aufgefordert worden, bis zum 30. November auszuziehen. „So eine Miete, wie sich Beck vorstellt, kann ich mit Pizza nicht bezahlen“, sagt Antonello Mura. Dem Wirt und seiner Familie steht eine ungewisse Zukunft bevor, doch seine Stammgäste halten weiterhin zum „Porto Pino“. Einer begleitet Mura sogar zum Anwalt.

Massive Pachterhöhung steht im Raum

Es wäre nicht das erste Mal, dass die Firma Beck in Konflikt mit Mietern gerät. Beim Mieterverein München kennt man das Prozedere: „Erst kauft er eine Immobilie, dann versucht er die alten Mieter zu vertreiben, denn so wird das Haus am wertvollsten“, sagt eine Sprecherin des Mietervereins.

Antonello Mura hatte kürzlich besonderen Besuch in seinem Restaurant. Rainer Beck, der neue Verpächter, kam zum Essen. Der Wirt hatte ein mulmiges Gefühl. Doch beim Abendessen habe sich Beck kompromissbereit gezeigt. Mura möge doch bitte einen eigenen Vorschlag zur zukünftigen Pacht machen, bat Beck. Den schickte dieser dem neuen Hausbesitzer: „Auf 30 Prozent hätte ich mich eingelassen und auch auf fünf Prozent Mietsteigerung alle zwei Jahre.“ Am Telefon habe Beck dem Vorschlag eine klare Absage erteilt. Der Wirt berichtet, man habe im außerdem angekündigt, dass er „große Probleme“ bekommen würde, sollte er nicht bis zum 30. November ausziehen.

Das Lokal ist sein Lebenswerk

Das kommt für den Gastwirt allerdings nicht in Frage. Seit 1983 gibt es das italienische Restaurant „Porto Pino“ in der Alexander-Pachmann-Straße 1. Erst arbeitete Antonello Mura beim vorherigen Wirt, bis er das Lokal vor zehn Jahren selbst übernahm. Sein Lebensprojekt, in das Mura auch einiges investierte. Den Kredit für die Renovierung zahlt er heute noch ab. Verliert er nun das Restaurant, wäre das der Ruin für seine Familie.

Einige Mieter im Hochhaus sind schon ausgezogen: Wer seine Wohnung möglichst schnell verlässt, bekommt, so erzählt einer der Bewohner, das mit einer Geldprämie versüßt, angeblich zahlt Beck jedem, der vor Weihnachten geht, 6000 Euro. Das ist laut Mietervereins zwar legal, verfolge aber nur den Zweck, möglichst viel Profit zu erwirtschaften. Wer sich wehrt, der müsse teils jahrelange Bauarbeiten über sich ergehen lassen und „sehr, sehr lange durchhalten“.

Investor Beck weist Vorwürfe zurück

Antonello Mura weiß nicht, wie es weitergehen soll: „Es wäre unser Ende, wenn wir hier raus müssen.“

Mit den Vorgängen konfrontiert, sprach Rainer Beck gestern gegenüber dem Münchner Merkur von „Hetze“ gegen ihn. Mit den Gewerben im Haus sei er lediglich in Verhandlungen. Zahlen will er nicht nennen. Beck verweist aber auf das Kosmetikstudio im Haus: Dort habe er die Miete nur um 20 Prozent erhöht. Wenn das auch für ihn gelten könnte, wäre das für Antonello Mura ein Grund zur Hoffnung.

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