Presserat: Rüge für tz

München - Der Beschwerdeausschuss des Deutschen Presserats hat tz-online eine Rüge ausgesprochen.

A. Zusammenfassung des Sachverhalts

TZ Online veröffentlicht am 12.04.2012 einen Beitrag unter der Überschrift "Mai-Playmate sauniert gern in der Therme Erding". In der Veröffentlichung, die unter der Rubrik "Region" eingestellt wurde, wird mitgeteilt, dass das Playmate der Playboy-Ausgabe von Mai 2012 aus Dingolfing in Niederbayern komme und gerne in der Therme Erding sauniere. Im Anschluss an den Beitrag erscheint eine Fotostrecke mit dem Titel "Streifzug durch die Therme Erding" mit insgesamt 95 Fotos.

Der Beschwerdeführer sieht Schleichwerbung für den Playboy und die Therme Erding.

Der Chefredakteur betont, dass man für die Veröffentlichung kein Geld erhalten habe. Wie viele andere Medien veröffentliche man auch gelegentlich Beiträge, in denen auf neue Ausgaben von Zeitschriften und deren Inhalt hingewiesen werde. Dies sei ein typisches Verhalten von Medien. Gerade bei solchen Medien, die sehr stark von Society -Themen lebten, werde dies von vielen Tageszeitungen bzw. deren Onlineauftritten so gehandhabt. Bei der TZ passiere dies immer nur im zeitlichen Zusammenhang mit der Erstveröffentlichung der fraglichen Zeitschrift. Im konkreten Fall komme noch hinzu, dass auch ein Anknüpfungspunkt zur Person des Playmates bestehe. Sie stamme aus Niederbayern und besuche nach eigenen Angaben gerne die Therme Erding. Der Artikel über das Playmate sei ergänzt worden durch ein Fotostrecke über die Therme Erding, die aus 95 Fotos bestehe. Diese Fotostrecke werde regelmäßig in Artikel eingebettet, in denen es um die Therme gehe. In ähnlicher Form würde die Strecke auch bei anderen redaktionellen Beiträgen über die Therme eingebaut. Die Fotos stammten von der Therme selbst. Der begleitende Text stelle lediglich eine objektive Beschreibung des Angebots der größten Sauna- und Wellnesslanschaft Europas dar. Geld habe man für diese Verröffentlichung niemals erhalten. Man sei der Auffassung, dass die Bebilderung von Artikeln die sich mit der Therme Erding befassten, durch die hier in Frage stehenden Fotos nicht als Schleichwerbung angesehen werden können.

B. Erwägungen des Beschwerdeausschusses

Der Beschwerdeausschuss sieht in der Veröffentlichung unter dem Titel "Mai-Playmate sauniert gern in der Therme Erding!" eine Verletzung des in Ziffer 7 Pressekodex festgehaltenen Grundsatzes der klaren Trennung von Redaktion und Werbung. Die Mitglieder stellten zwar fest, dass grundsätzlich Inhalte anderer Medien zum Gegenstand einer Berichterstattung gemacht werden können. Dies gilt auch für den Playboy und seine "Playmate des Monats"-Aktion. Im konkreten Fall geht es allerdings zu weit, wenn aufgrund der Tatsache, dass das Playmate des Monats in der Therme Erding sauniert, der Berichterstattung eine 95 Bilder umfassende Fotostrecke über die Therme beigestellt wird. Mit dieser ausführlichen Illustration des Angebots der Therme wird die Grenze zwischen einer Berichterstattung von öffentlichem Interesse und Schleichwebung (RL 7.2) deutlich überschritten. Die Veröffentlichung der Fotostrecke ist nicht mehr vom Leserinteresse gedeckt. Sie erweckt vielmehr den Eindruck, einer Anzeigenveröffentlichung mit PR-Fotos.

C. Ergebnis

Der Beschwerdeausschuss erklärt die Beschwerde wegen eines Verstoßes gegen die Ziffer 7 des Pressekodex für begründet. Presseethisch bewerte der Ausschuss deb Verstoß gegen die publizistischen Grundsätze als so schwerwiegend, dass er gemäß § 12 Beschwerdeordnung eine öffentliche Rüge ausspricht. Die Redaktion wird gebeten, die Rüge gemäß Ziffer 16 Pressekodex zeitnah zu veröffentlichen.

Die Entscheidungen über die Begründetheit der Beschwerde sowie über die Wahl der Maßnahme ergehen einstimmig.

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