Alkohol nur noch für Autofahrer

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Sixpack vor Tanke: Allzuoft versorgen sich Jugendliche an Tankstellen mit Alkohol. Das soll aufhören.

Fürstenfeldbruck - Die Initiative der Stadt Bruck gegen Alkohol-Verkauf an Tankstellen zeigt erste Wirkung. Am Abend und an Sonntagen wird weniger Bier und Schnaps ausgegeben. In den Tankstellen aber herrscht Entsetzen. Betreiber fürchten, Leute entlassen zu müssen.

Wer am vergangenen Sonntag oder am Freitag Abend nach 20 Uhr an einer der Tankstellen in Bruck Bier kaufen wollte, hatte Pech: Die Verkäufer wiesen auf einen Brief hin, den OB Sepp Kellerer geschrieben hatte, und verweigerten den Verkauf von Alkohol an Leute, die nicht als Reisende gelten konnten, also nicht mit dem Auto vorfuhren oder als Beifahrer kamen. Nichts zu trinken bekamen damit alle diejenigen, die zu Fuß oder mit dem Rad auftauchten, egal wie alt sie sind.

Mit dem Brief will die Stadt Bruck lediglich auf die schon länger geltende, unlängst aber konkretisierte bundesweite Rechtslage hinweisen. Sie will damit gegen Alkoholmissbrauch ankämpfen, auch wenn die aktualisierten Vorschriften für die Zeit außerhalb des Ladenschlusses noch andere Folgen haben. „Mir ist es ein großes Anliegen, dass auch in unserer Heimatstadt dem Alkoholmissbrauch entgegengewirkt wird“, schreibt OB Kellerer an die Brucker Tankstellen-Betreiber.

Es gebe nun mal den Trend, dass sich insbesondere junge Menschen an Tankstellen nach dem allgemeinen Ladenschluss mit Alkoholika eindecken. „Diese Unsitte macht uns Sorge, da sie nicht nur eine Gefährdung der Gesundheit der Betreffenden zur Folge hat, sondern auch zu Ruhestörungen, Handgreiflichkeiten und Sachbeschädigungen durch Betrunkene führt“, heißt es in dem Brief. Der OB weist darauf hin, das Verstöße mit einer Geldbuße von bis zu 500 Euro geahndet werden können. Die muss allerdings nicht der Pächter zahlen, sondern der jeweils verantwortliche Kassierer.

In einigen Tankstellen herrscht nun blankes Entsetzen. Allerdings nicht unbedingt wegen der Alkoholregelung, wie die Pächter behaupten, sondern wegen der Begleitumstände, sprich wegen der Fußgänger und Radler, die nichts mehr bekommen sollen. Thomas Tienemann von der AEZ-Tankstelle: „Ich werde an Sonntagen wahrscheinlich nicht mehr öffnen.“ Er hat sogar einen Anwalt deswegen konsultiert. Viel Mut hat der ihm aber nicht gemacht. Das Hauptgeschäft an Sonn- und Feiertagen aber besteht nun mal nicht aus Treibstoff.

Die Pächterin einer Markentankstelle gibt einen Umsatzeinbruch von 50 Prozent an. Das habe einschneidende Konsequenzen. „Wir müssen unsere Personalstrukutur anpassen“, sagt die Pächterin. Heißt im Klartext: Entlassungen - eine Drohung, die mehrere Pächter aussprechen.

Eine andere Pächterin hat noch ein weiteres Problem ausgemacht: eine höhere Diebstahlrate. „Die nehmen sich dann, was sie nicht bekommen.“ Sie müsse überprüfen, ob der Kunde wirklich mit dem Auto da ist. Dafür muss sie den Laden verlassen, was nicht ungefährlich ist. „Das könnte Trickbetrüger auf den Plan rufen.“

Kampflos wollen die Betreiber nicht aufgeben.

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