Prost! Gemeinderat trinkt Imprägniermittel

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Peter Moossmann meint: Die Imprägnierlösung ist harmlos.  

Anzing - Von wegen trockene Gemeinderatssitzung: In Anzing ging es ausnahmweise einmal feucht-fröhlich zu. 2. Bürgermeister Peter Moossmann (CSU) schaute besonders tief ins Glas - er trank Imprägnierlösung.

Harmlos und völlig ungiftig sei das neue Imprägnierungsmittel, mit dem später in der Imprägnierkabine von XXXLutz Anzinger Polstermöbel behandelt werden sollen. Ein Vertreter der Lieferfirma aus Hargelsberg bei Linz (Oberösterreich) unterstrich diese Aussage demonstrativ. Er schenkte sich ein Glas mit der Flüssigkeit ein und trank es aus. Peter Moossmann (CSU) zögerte keine Sekunde und konterte: „Das will ich auch probieren!“ „Das schmeckt nach gar nix!“ meinte der Vizebürgermeister, „das ist völlig geschmacksneutral!“ Ab diesem Zeitpunkt war in der Sitzung des Anzinger Gemeinderates klar, dass der Punkt „Imprägnierungsanlage“ nicht abgelehnt werden würde.

Das Gremium hatte darüber zu entscheiden, ob der Möbelgigant XXXLutz auf dem knapp 60 000 Quadratmeter großem Areal zwischen dem Lager von Lidl, der A94 im Norden und der Straße von Anzing nach Poing eine Lagerhalle mit allerhand Zubehör errichten darf.

Das Thema wurde bereits im Bauausschuss vorberaten, dort hatten sich zwei Knackpunkte ergeben: Die Imprägnierungsanlage und die Werbung der Firma.

In beiden Punkten haben die Vertreter des Möbelgiganten bis zur Gemeinderatssitzung fleißig ihre Hausaufgaben gemacht. „Die Buchstaben des Schriftzuges sind nicht Leuchtschrift, sie sollen nur angestrahlt werden“, zitierte Bürgermeister Franz Finauer aus dem geänderten Antrag. Außerdem wird die Beleuchtung um 22 Uhr ausgeschaltet. Eine Maßnahme, mit der sich das Gremium bei nur zwei Gegenstimmen der Grünen zufrieden gab.

Bei der Imprägnierungsanlage zauberten die Vertreter des Möbelhauses ein völlig neues Mittel aus dem Ärmel. „Wir verwenden nicht wie ursprünglich beabsichtigt ‚Textilimprägnierung FI-2477-Danguard Stoffschutz‘ sondern „IFT-Textil-Fleckschutzmittel‘ als Schutzmittel“, klärte ein Chemiker auf. Das Mittel bestehe zu 95 Prozent aus Wasser, auch die restlichen fünf Prozent seien ein Produkt auf Paraffinbasis und harmlos. Es hat keine Gefahrenklasse, sei unbrennbar und es gibt dafür deshalb auch keine gesetzlichen Auflagen. Nur rund fünf Prozent aller Polstergarnituren und Sitzmöbel werden mit diesem Mittel eingesprüht. Alle übrigen sind bereits vom Hersteller entsprechend vorbehandelt.

Das Mittel muss nicht in Wannen gelagert werden, bei seiner Verarbeitung wird auf Absauganlagen verzichtet, die Angestellten kommen ohne Schutzmasken aus. „Es ist ein ganz neues Imprägnierungsmittel, für das der Hersteller in Oberösterreich einen Umweltpreis erhalten hat“, betonte der Sachbearbeiter und zeigte das Dokument vor. Trotz der Wende zum Positiven und der formellen Zustimmung bei zwei Gegenstimmen (Bündnis 90/Grüne) konnte das gemeindliche Einvernehmen nicht erteilt werden. „Es fehlt noch die Erklärung des Landratsamtes zur Planreife wenn die 15. Flächennutzungsplanänderung vorliegt und die sichere Erschließung des Bauvorhabens“, klärte der Bürgermeister auf. Es seien formell auch noch abschließende Gespräche mit ein paar Grundstückseignern zu führen, sodass die Verbindungsstraße zwischen der Straße nach Poing und dem Lidl-Lager realisiert werden kann.

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