Prozess um Millionen-Teppich: Urteil gefallen

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Dieser Perser ist angeblich der teuerste Teppich der Welt.

Augsburg - Ihr Perser wurde auf mickrige 900 Euro geschätzt, später brachte der Teppich Millionen ein. Eine Starnbergerin verklagte den Auktionator auf Schadenersatz. Heute fiel das Urteil.

Es war ein Familienerbstück, von dem sich eine ältere Dame hatte trennen wollen. Um noch ein bisschen was für den betagten Perserteppich zu bekommen, verkaufte die Frau ihn an einen Augsburger Auktionator. Der hatte den Teppich auf 900 Euro geschätzt. Später wurde das gute Stück für mehrere Millionen versteigert. In einem Prozess wollte die Frau Schadenersatz einklagen. Und zwar nicht zu knapp.

Nun ist im Streit um den angeblich teuersten Teppich der Welt ein Urteil gefallen. Der Augsburger Auktionator muss keinen Schadenersatz zahlen. Die 2. Zivilkammer des Landgerichts Augsburg wies am Freitag die Klage der früheren Besitzerin ab. Die ältere Dame hatte von dem Auktionshaus knapp 350.000 Euro gefordert, weil es den Wert des geerbten Perserteppichs aus dem 17. Jahrhundert nicht erkannt hatte. Der Auktionator hatte das Stück auf 900 Euro geschätzt. Später brachte der Läufer der Besitzerin bei der Versteigerung in Augsburg immerhin 19.700 Euro. Doch wenige Monate später erzielte er im Londoner Auktionshaus Christie's die Rekordsumme von umgerechnet 7,2 Millionen Euro.

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Der Wert des 338 mal 153 Zentimeter großen Teppichs ergab sich aus seinem Alter, der Herkunft aus der persischen Provinz Kerman und der hohen Zahl der Knoten. Vor allem aber die Tatsache, dass er sich einst im Besitz der Comtesse de Béhague (1870-1939) befunden haben soll, steigerte seinen Wert. Das hatte der Augsburger Auktionator nicht erkannt - doch das Gericht sah hier keine Pflichtverletzung.

Auch ein Auktionator habe Sorgfaltspflichten, stellte das Gericht klar. Doch die Herkunft aus dem Besitz der Comtesse sei für ein regionales Auktionshaus kaum herauszufinden gewesen, denn in den üblichen Fachbüchern finde sich der Teppich nicht. Das Haus sei auch nicht auf Teppiche spezialisiert, sondern ein Universalversteigerer. Das Gericht habe das Stück 15 bis 20 Minuten geprüft und Fachwerke zu Rate gezogen, sagte Gerichtssprecher Hermann Wagner. Mehr habe man von einem regionalen Auktionshaus nicht verlangen können.

Der Anwalt der früheren Besitzerin, Hannes Hartung, erwägt, Rechtsmittel einzulegen. Zunächst wolle er aber die Urteilsbegründung abwarten. Der wichtigste Vorwurf sei gewesen, dass der Auktionator selbst nicht wusste, was er versteigert, das aber seiner Kundin nicht gesagt habe. “Wenn das Landgericht zu unserem Hauptvorwurf nichts schreibt, muss man eine Berufung prüfen.“

Die Frau aus dem Raum Starnberg hatte den Augsburger Auktionator dafür verantwortlich gemacht, dass ihr viel Geld entgangen ist. Sie forderte von ihm den Preis, auf den Christie's den Teppich geschätzt hatte - das waren umgerechnet knapp 350.000 Euro.

Ein Defizit sah das Gericht zwar in der zu knappen Beschreibung von Qualität und Zustand des Teppichs im Versteigerungskatalog. Auch eine ausführlichere Beschreibung oder die Festsetzung eines höheren Mindestgebots in Augsburg hätte nicht unbedingt zu einem höheren Erlös geführt als die knapp 20.000 Euro.

dpa

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