Gesundheitszustand des Angeklagten kritisch

Prozess um Schüsse in Gericht droht zu platzen

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Bei der Schießerei wurde ein Staatsanwalt tödlich verwundet.

München - Sechs Schüsse feuerte der Mann im Gerichtssaal in Dachau ab. Ein Staatsanwalt erliegt wenig später seinen Verletzungen. Der Mordprozess gegen den Todesschützen droht nun zu platzen - der Angeklagte ist schwer krank.

Der Prozess um die tödlichen Schüsse im Dachauer Amtsgericht droht zu platzen. Der Grund ist die schwere Erkrankung des Angeklagten. Der Gesundheitszustand des Mannes sei kritisch, sagte eine Gerichtssprecherin am Donnerstag in München. Sie bestätigte damit Informationen des Bayerischen Rundfunks. Die zuständige Kammer des Landgerichts München prüfe derzeit, ob der Prozess am kommenden Dienstag ohne den 54 Jahre alten Angeklagten beginnen könne. Die Sprecherin geht davon aus, dass die Kammer ein solches Vorgehen nur mit Zustimmung aller Prozessbeteiligten beschließen würde. Der Verteidiger des mutmaßlichen Schützen lehnte dies aber bereits ab.

Der 54-Jährige soll am 11. Januar in einem Sitzungssaal des Dachauer Amtsgerichts sechs Schüsse auf einen Staatsanwalt und den Richtertisch abgefeuert haben. Der Unternehmer war wegen nicht bezahlter Sozialversicherungsbeiträge zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. Der 31 Jahre alte Staatsanwalt erlag später seinen Verletzungen. Richter, Protokollführer und Verteidigerin des 54-Jährigen blieben unverletzt.

Die Münchner Staatsanwaltschaft hatte Anfang April Anklage wegen Mordes und dreifachen versuchten Mordes gegen den 54-Jährigen erhoben. Der Prozess soll an diesem Dienstag (23. Oktober) beginnen. Die Attacke hatte bundesweit eine Debatte über schärfere Sicherheitsvorkehrungen in Justizgebäuden ausgelöst. In Bayern werden seitdem in Amts- und Landgerichten alle Besucher kontrolliert.

Der Verteidiger des mutmaßlichen Todesschützen sagte, dass ein Gutachter den 54-Jährigen für verhandlungsunfähig erklärt habe. „Mein Mandant ist schwer zuckerkrank und will nur noch in Würde sterben“, sagte Anwalt Maximilian Kaiser am Donnerstag auf dpa-Anfrage. Laut BR-Informationen hat der ursprünglich 160 Kilogramm schwere Mann seit seiner Inhaftierung etwa 80 Kilogramm abgenommen. Zudem sei ihm ein Bein amputiert worden. In einer Patientenverfügung soll er lebensverlängernde Maßnahmen abgelehnt haben.

Einem Prozessauftakt ohne seinen Mandanten werde er nicht zustimmen, sagte Anwalt Kaiser. Sollte die Kammer dennoch einen entsprechenden Beschluss fassen, werde er Beschwerde einlegen. Diese hätte eine aufschiebende Wirkung und der Prozess müsste verschoben werden.

dpa

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