Messerattacke in Grafing

Das blutige Geständnis von Paul H.: „Ich wollte so viele wie möglich töten“

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Paul H. vor Gericht – er bereut seine Bluttat vom vergangenen Jahr.

An diese Bluttat wird sich Grafing noch lange erinnern. Im Mai 2016 griff Paul H. am Bahnhof in Grafing wahllos Menschen mit dem Messer an. Vor Gericht ist er geständig. Das Protokoll des Wahnsinns.

München - In seinem Wahn wurde er zum Mörder! Wahllos hatte Paul H. (28) im Mai 2016 am Grafinger Bahnhof versucht, alle Menschen um sich herum zu töten. Der psychisch kranke Mann fühlte sich von Islamisten bedroht und zückte frühmorgens ein Messer. Damit stach er vier Passanten nieder: Einer davon starb, die übrigen wurden schwer verletzt.

Seit Montag steht der Amokläufer vor Gericht – und gestand die Bluttat. „Es tut mir furchtbar leid. Was ich getan habe, ist ein absoluter Albtraum.“ Paul H. spricht leise und wirkt bedrückt. Er ist kein kalter Killer. Aber er geriet außer Kontrolle, als er seine Medikamente nicht nahm. Laut Anklage leidet er unter einer bipolaren Störung, musste schon öfter in Kliniken behandelt werden. So auch am 8. Mai, zwei Tage vor der Tat. Seiner Familie hatte er erzählt, dass bald der Krieg ausbrechen werde in Deutschland. Paul H. glaubte, dass die Welt „von Islamisten überrannt wird“. Sie ließen ihn einweisen.

Paul H. flüchtet aus einer Klinik - strandet in Grafing

Doch nur einen Tag später flüchtete Paul H. – gegen den Rat der Ärzte. Er wollte sich nach Portugal absetzen. Von Gießen fuhr er aber nur bis München. Verwirrt kam er nachts am Hauptbahnhof an, lief zum Stachus, stieg dort in eine S-Bahn – und strandete um 1:39 Uhr in Grafing (Kreis Ebersberg), wo der Zug geteilt wurde.

Niemand war um diese Uhrzeit zu sehen. Also wartete Paul H. und glaubte, Grafing sei „von Muslimen ausgerottet worden“. Als ein Autozug einfuhr, wollte er sich selbst töten. Doch dann kippte seine Stimmung. Plötzlich wollte er „zum Islam konvertieren“, wie er sagt: „Es war ein Zeichen Allahs.“ Am Bahnsteig fing H. an zu beten. Seine wirre Denke: Islamisten würden ihn verfolgen, und er könne nur überleben, wenn Allah ein Menschenopfer bekomme. „Ich wollte so viele Ungläubige wie möglich töten!“

„Ich habe gebetet, war froh und erleichtert“

Manfred M. (56) sticht er in die Brust. Jens O. (44), der ihm auf dem Rad entgegenkam, in den Rücken – so wie kurz darauf auch Johannes B (59). Siegfried W. (56) versuchte zu schlichten – und zahlte mit seinem Leben dafür. Ihm stach der Mörder in Hals und Brust. Und richtete ein Blutbad in der S-Bahn an. Kurz darauf wurde Paul H. am Bahnsteig festgenommen.

„Das Messer habe ich vor mir auf den Boden gelegt. Ich habe gebetet, war froh und erleichtert. Dann kam die Polizei. Ich dachte, jetzt bringen sie mich ins gelobte Land.“ Stattdessen kam H. in die Psychiatrie. Ihm droht nun lebenslange Unterbringung. Jetzt sagt er: „Ich wünschte, ich wäre nie aus der Klinik geflohen.“

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