Fall vor Gericht

Prügelei mit Taxifahrer

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Dachau - Zwei Fahrgäste sollen in den frühen Morgenstunden des 12. Januars einen Taxifahrer um die Zeche geprellt und anschließend auf ihn eingeschlagen haben. Nun mussten sie sich vor Gericht verantworten.

Räuberische Erpressung in Tateinheit mit gefährlicher Körperverletzung und Betrug lautete die Anklage. Dank ihrer Spuren im Schnee, konnten der 46-Jährige Indersdorfer und sein 42 Jahre alter Verwandter aus dem Kreis Gütersloh von der Polizei ausfindig gemacht werden. Zur Verhandlung kamen die Männer in Hemd und Sakko, beide führen ein Familienunternehmen. Der Ältere der beiden, der in der Gemeinde Indersdorf zu Hause ist, begann, seine Version vom Vorfall zu schildern: „Wir waren in München und haben etwas getrunken und uns dann von einem Taxi abholen lassen“, begann die Version, die sich bis dahin mit der des Taxifahrers deckt. Allerdings nur bis dahin. Doch dann wird die Version des Unternehmers sehr lückenhaft. Er meinte sich zu erinnern, dass er mit dem Taxifahrer einen Festpreis ausgehandelt hat. Sein Verwandter, der auf dem Rücksitz des Taxis Platz nahm, sei schon kurz nach Beginn der Fahrt eingeschlafen. Die zwei Männer sollen sich zu einer angeblichen Pension in der Gemeinde Indersdorf fahren haben lassen.

Als sie dort aussteigen wollten, stand der Taxameter auf 73,30 Euro. Der 46-jährige Fahrgast soll aber nur 20 Euro in die Mittelkonsole geworfen haben. Dann soll er laut Taxifahrer gesagt haben: Und jetzt verschwinde, sonst kriegst Du Schläge“. Daraufhin seinen die beiden Männer in die Dunkelheit verschwunden. „Ich bin ihnen dann hinterher, ich wollte sehen, wo sie wohnen“, erzählte der Taxifahrer am Amtsgericht. Als er seine Fahrgäste vor einer Haustüre entdeckte, sei alles ganz schnell gegangen. „Der Kleinere hat mir einen Faustschlag gegeben, im gleichen Moment hat der andere von hinten auf mich eingeschlagen wie verrückt“, schildert der 57-Jährige die Situation. „Das war wie ein Albtraum.“ Der Taxifahrer ist nach der Auseinandersetzung geflüchtet, klingelte bei Anwohnern, die dann die Polizei verständigten. Als die Beamten kamen, waren die mutmaßlichen Täter verschwunden.

Die Polizisten folgten den Spuren im Schnee, die quer durch das Dorf führten. „Dann trafen wir die beiden in einem Haus an, das nur zehn Meter vom Tatort entfernt war“, sagte ein Polizist vor Gericht aus. „Sie sind einen massiven Umweg gegangen“. Die beiden Unternehmer haben die Schlägerei anders im Kopf. Vor Gericht sagten sie, dass sie zuerst vom Taxifahrer geschlagen wurden und sich dann wehrten. Tatsächlich trug der 46-Jährige einen Jochbeinbruch von der Auseinandersetzung davon. Weil vor Gericht nicht genau geklärt werden konnte, wie die Prügelei nun genau verlief, regte Richter Hohlstein an, das Verfahren einzustellen. Dem widersprach die Staatsanwaltschaft vehement: Das Verfahren wird ausgesetzt, als weitere Zeugen sollen jetzt die Anwohner befragt werden.

Christian Chymyn

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