Mädchen wird seit Monaten verfolgt

Stalker schaltet Todesanzeige für 17-Jährige

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Schauderhaft: Mit dieser Todesanzeige hat ein Unbekannter das Mädchen und seine Familie in Angst und Schrecken versetzt.

Ismaning – Unvorstellbar: Ihre eigene Todesanzeige musste eine 17-Jährige aus dem Kreis München in der Zeitung lesen. Es ist der Höhepunkt einer monatelangen Verfolgung durch einen Unbekannten.

 „Unsere liebe Steffi hat uns heute für immer verlassen. Sie wurde heute viel zu früh aus ihrem jungen und erfüllten Leben gerissen.“ Diese schockierenden Zeilen über eine 17-jährige Sportlerin aus Ismaning (Kreis München) mussten am Donnerstag Freunde und Bekannte in einer von ihren Eltern unterzeichneten Todesanzeige in der „Süddeutschen Zeitung“ lesen. Doch das Mädchen, Steffi K., lebt. Die Todesanzeige ist das perfide Machwerk eines Stalkers, Steffi sein Opfer.

„Ein Mensch hat uns genommen, was uns der Herr gegeben hat.“ Mit diesen Worten beginnt der Text, neben der Todesanzeige stehen weitere. Eine Trauerbotschaft, wie sie völlig verzweifelte Eltern aufgeben würden. „Wer das Glück hatte, Steffi in ihrem Leben zu begegnen, der wird wissen welches Glück wir hatten. Wir werden dich nie vergessen. Dich Steffi, unseren kleinen Engel mit dem großen Herzen, der unser Leben so bereichert hat.“ Johannes Paul II. wird noch zitiert und das Todesdatum mit 14. August 2012 angegeben.

An diesem Abend vor Mariä Himmelfahrt waren ihre Eltern noch fröhlich im Biergarten gesehen worden, wunderten sich manche Ismaninger, als sie zwei Tage später die Anzeige sahen. War Steffi noch in der Nacht verunglückt? Wurde sie das Opfer eines Gewaltverbrechens? fragten sich entsetzte Bekannte und Mitbürger. Sogar in der Rathausverwaltung klingelten die Telefone Sturm – denn der Vater ist ein Vereinsvertreter, der weit über die Ismaninger Grenzen, im ganzen Landkreis München bekannt ist. Voller Bedauern und Mitgefühl dachten viele an die Eltern, doch niemand traute sich, sie anzurufen. Noch dazu stand in der Anzeige: „Die Beisetzung findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt. Zu einem späteren Zeitpunkt werden wir mit gesonderter Einladung den Ort und den Zeitpunkt eines gemeinsamen Abschiednehmens bekannt geben.“ Außerdem war noch zu lesen: „Ihren so lang herbei ersehnten 18. Geburtstag wird Steffi nun an einem anderen Ort feiern.“ Im September wird die junge Frau 18 Jahre alt.

Erst langsam sickerte dann über den Freundeskreis aus Steffis Sportverein durch, dass das junge Mädchen lebt – und die Todesanzeige gefälscht ist. Schließlich ging die Meldung über dieses ungeheuerliche Mobbing wie ein Lauffeuer durch den Ort: Große Abscheu ist die Reaktion auf das perfide Vorgehen.

Für die Familie ist der Druck enorm. „Wir sind alle mit den Nerven am Ende“, sagt Steffis Vater: „Dieses Stalking geht ja schon mehrere Wochen. Aber mit dieser Todesanzeige ist jetzt eine Grenze überschritten. Das lassen wir uns nicht mehr gefallen.“ Ob bei Facebook oder über gefälschte E-Mails – Steffi wusste in den letzten Wochen nie, wo oder wie der Stalker wieder zuschlägt. Auch Drohungen und Anspielungen auf andere Gewaltverbrechen, zum Beispiel die Entführung von Natascha Kampusch, gab es.

Den Freitag verbrachte die Familie beim zuständigen Kommissariat in München – der Täter soll nun endlich dingfest gemacht werden. Die Todesanzeige gab der Unbekannte unter einer falschen Adresse und unter Einbeziehung von Familiendaten auf: Es gibt zahlreiche Hinweise darauf, dass der Täter aus dem näheren Umfeld kommen könnte. Die Polizei will aus ermittlungstaktischen Gründen bisher aber keinerlei Angaben machen. Ermittelt wird wegen Verleumdung, Beleidigung und auch Bedrohung.

A. Ganssmüller-Maluche

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