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Fall am Dienstag bei „akte 20.18“

Erst Pillen, dann SEK: So spektakulär flog „Drogen-Therapie“ im TV auf

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Mit versteckter Kamera nahm die „akte 20.18“-Reporterin das Psycholyse-Seminar auf.

Eine „akte 20.18“-Reporterin schleuste sich im vergangenen Jahr in eine illegale Drogen-Therapie ein und löste anschließend eine Razzia dabei aus. Bei Sat.1 wurde der Fall nun mit allen Details ausgestrahlt.

Weßling - Bereits vor einigen Monaten hatte Nadja Pia Wagner, „akte 20.18“-Reporterin, mit den Recherchen über die sogenannte, sehr umstrittene Psycholyse-Therapie begonnen. Bei der suchen vor allem psychisch kranke Menschen Heilung durch Drogen, wie Ecstasy und LSD, sagt die Reporterin im Sat.1-Magazin „akte 20.18“ am Dienstagabend. „Das ist illegal und trotzdem finden solche Drogen-Therapien regelmäßig statt.“

In genau so ein Seminar hat sich die Reporterin in Weßling (Kreis Starnberg) eingeschleust, nachdem ihr Psycholyse-Opfer Sabine Bundschu in München mehr von der Drogen-Therapie erzählte. 20 Jahre lang hat diese an solchen Seminaren teilgenommen, bei denen Drogen verabreicht wurden. „Ich war in einer sehr schweren Lebenskrise“, sagt die 57-Jährige. Auf Empfehlung einer Freundin war sie dann zu dieser Form der Therapie gekommen. Somit landetet sie in der sektenartigen Gemeinschaft und in der Abhängigkeit - sowohl von den Drogen als auch dem Therapeuten. „Der hat einfach Leute angezogen, die Liebe wollten, die Erleuchtung wollten“, erklärt Bundschu im Sat.1-Magazin. Sogar von sexuellen Therapieinhalten sei die Rede gewesen. Nachdem Sabine Bundschu auf einer Sitzung in Amsterdam einen Schlaganfall und zwei Gehirnblutungen erlitt, bei der sie fast gestorben wäre, stieg sie aus der Gemeinschaft aus.

 

Um sich selbst von den umstrittenen Methoden zu überzeugen, wollte die Undercover-Reporterin selbst Teil des Seminars werden. Bei einem Arzt und Psychiater aus Berlin, der selbst Teil der Psycholyse-Gemeinschaft ist, gibt sie vor, selbst an Depressionen erkrankt zu sein. Sie erzählt im, schon viel über die Psycholyse gehört zu haben und wird prompt von dem Psychiater davon überzeugt, dass MDMA, auch bekannt als Ecstasy, durchaus einen Therapieerfolg bei ihrer angeblichen Depression erzielen könnte.

Der Therapeut verspricht ihr, ihren Kontakt an einen Bekannten weiterzuleiten, der die Psycholyse-Therapie anbietet. Und dann wird es ernst: Die Reporterin erhält klare Anweisungen über Stillschweigen. Auch am Telefon soll die „akte 20.18“-Reporterin keine Stichworte wie Drogen oder LSD verwenden, aus Schutz vor möglichen Telefonüberwachungen, wie es heißt. Das Codewort für die Therapie soll „Atemgruppe“ lauten.  

Schon nach kurzer Zeit wird Nadja Pia Wagner von dem vom Arzt vermittelten Kontaktmann angerufen und eingeladen. Er möchte sie kennenlernen. Hauptberuflich betreibt er eine Yoga-Schule in Berlin. Obwohl er die Reporterin freundlich begrüßt, kommen gleich zum Anfang Sicherheitsanweisungen. Auch ihr Handy muss sie abgeben. 

Beim ersten Gespräch kommt der Therapeut (81) schnell auf das Thema Drogen zu sprechen, die eigentliche Krankengeschichte der Undercover-Reporterin interessiert ihn dabei nicht. „Das ist ein sehr sehr schöner Weg“, sagt der Therapeut im nachgesprochenen Gedächtnisprotokoll. Vorsicht sei geboten, um nicht hängen zu bleiben. „Aber die Substanz macht ja nicht abhängig“, verspricht er. Genommen werden sollen die Amphetamine MDMA, MDE, MDA, Neokor sowie Pilze und LSD. Und damit erklärt er ihr auch den Ablauf des Seminars. Er spricht dabei nicht von einer Veranstaltung, sondern von einem „Treffen unter Freunden“. Wagner meldet sich zum nächsten Treffen an, 330 Euro muss sie dafür bezahlen. 

Reporterin schaltet Landeskriminalamt ein

Bevor die Psycholyse-Therapie stattfindet, schaltet sie nach dem ersten Treffen mit dem Therapeuten das Landeskriminalamt ein. Dieses stattet sie mit einem geheimen Alarmsystem aus, um nach einem Signal der Reporterin das Haus zu stürmen. 

In Weßling befindet sich der Seminarraum in einem abgelegenen Haus im Keller. Statt mit Möbeln ist dieser mit Decken und Kissen ausgelegt. Ein Dutzend Seminar-Teilnehmer sind beim Eintreffen der Reporterin bereits da. 

Der Abend beginnt mit einer Meditation zu esoterischen Klängen. Die Teilnehmer sind zwischen Mitte 20 und über 80 Jahre alt. „Um ihre psychischen Probleme zu beheben“, sind alle Teilnehmer gewillt, gleich zu Beginn des Seminars harte Drogen zu nehmen, wie die Reporterin erzählt. Und so beginnt der Seminarleiter MDMA-Kapseln auszuteilen. Jeder soll davon 150 mg einnehmen. „Wer mehr möchte, kann gerne mehr haben“, sagt der Therapeut im nachgesprochenen Gedächtnisprotokoll vom Sat.1-Magazin „akte 20.18“. „Ich bin da nicht geizig.“ Allerdings verlangt der Leiter, dass ihm alle Teilnehmer versprechen, über die Drogen zu schweigen und während der Meditation im Raum zu bleiben. Wer auf die Toilette geht, soll ein Zeichen geben. „Wenn hier einer ungefragt abhaut, war das mein letztes Seminar“, droht der Therapeut. Nadja Pia Wagner ist sich sicher, dass sich der Therapeut über seine illegalen Handlungen bewusst ist. 

Unterstützungskommando stürmt Keller

Nach einer Stunde Meditation wird eine kurze Pause eingelegt. Der Seminarleiter stellt zwei Schälchen mit bunten Kapseln bereit. Nadja Pia Wagner sieht ihre Zeit, den Alarmknopf zu betätigen. Dazu verschwindet sie auf der Toilette, ehe alles rasch seinen Lauf nimmt: Ein lauter Schlag an der Eingangstür kündigt das Unterstützungskommando der Polizei an, ehe sie schon in den Keller marschieren. Sie geben allen die Anweisung, sich nicht zu bewegen, die Handflächen müssen offen gelegt werden. Die Teilnehmer werden aufgeklärt, dass Drogen im Haus sein sollen. Damit ihre Identität erhalten bleibt, wird die Reporterin vorerst wie jeder andere Seminar-Teilnehmer behandelt. 

Sichtlich erleichtert ist ist Nadja Pia Wagner dann, als sie aus dem Haus herauskommt. „Ich bin froh, dass alles geklappt hat und wir zusammen mit der Polizei möglicherweise Schlimmeres verhindern konnten“, sagt sie im Sat.1-Magazin. Schockiert war sie davon, dass die Seminar-Teilnehmer nicht den Eindruck gemacht haben, als würden sie harte Drogen wie LSD und Ecstasy nehmen. „Die waren so eigentlich alle ganz normal“, sagt sie. „Aber man merkte doch, dass jeder sehr sentimental war.“ Dies zeigte sich in Freude, Angst und auch Depressionen.

Seminarleiter wieder auf freiem Fuß

Die Kriminalpolizei Fürstenfeldbruck hatte bei der Razzia verschiedene Drogen und 3000 Euro sichergestellt.

Sichergestellt wurden in dem Haus LSD, flüssiges Ecstasy, 500 Kapseln Amphetamine und 3000 Euro Bargeld. Der Seminarleiter wurde festgenommen, aber aufgrund seines hohen Alters noch in der gleichen Nacht wieder freigelassen. Hans-Peter Kammerer, Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern, spricht im Sat.1-Magazin davon, nun die sichergestellten Drogen auszuwerten, um dann zu bewerten, um welches Vergehen bzw. Verbrechen es sich handelt. Gegen den Seminarleiter wird nun wegen Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz ermittelt. Je nach dem Ergebnis der toxikologischen Untersuchung wird die Anzeige um Körperverletzung erweitert.

So viel Glück, wie die Seminarteilnehmer in Oberbayern hatten die Teilnehmer einer solchen Drogen-Therapie in der Nähe von Hamburg im vergangenen Jahr nicht. Alle 27 mussten ins Krankenhaus eingeliefert werden. Einige von ihnen schwebten sogar in Lebensgefahr. Im Jahr 2009 endete die umstrittene Methode, um psychische Erkrankungen zu lösen, tödlich. Zwei Seminarteilnehmer starben hier an einer Überdosis während einer Psycholyse-Sitzung. 

tas, Video: Glomex

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