"Ein richtiger Schlag ins Gesicht"

Einbrecher räumen Boutique in Pullach aus

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Pullach – Gerade einmal vier Wochen hielt der große Traum von David Urban und Freundin Maximiliane: Eine eigene Boutique zu besitzen. Doch jetzt stehen die beiden vor einem Scherbenhaufen.

Sechs Monate dauerte es, bis sie alle Stücke für den Verkauf zusammen hatten. Jeans, Shirts, Jacken aus hochwertigem Leder. Sie fuhren auf Messen, verhandelten mit Agenturen. Für ihren ersten Laden sollte alles exklusiv sein. „Wir haben uns ein Bein ausgerissen für die Boutique“, sagt David Urban (24). Jetzt, vier Wochen nach der Eröffnung, stehen er und seine Freundin Maximiliane (21) vor fast leeren Regalen. Unbekannte haben das „Maxim“ in Pullach (Kreis München) ausgeräumt. Waren im Wert von 20 000 Euro – einfach weg.

Was genau in der Nacht zum Freitag passierte, weiß Urban nicht. Als er am nächsten Morgen vor seinem Laden in der Pullacher Ortsmitte stand, suchten Beamte des Kriminaldauerdienstes schon nach Beweisen. Ein Nachbar hatte die Polizei informiert. Und der junge Unternehmer konnte es einfach nicht fassen. Die Einbrecher hatten eine Scheibe im Hinterhof eingeschlagen – „nachts ist da ein toter Winkel“, sagt der 24-Jährige. Dann räumten sie das Sortiment leer, ganz gezielt, vor allem die hochwertigen Stücke.

Ausgeräumt: Maximiliane van Scoonhoven und ihr Freund David Urban nach dem E inbruch in ihrem Laden.

Für das junge Paar, verlobt, eine kleine Tochter, ist die Situation besonders bitter. Um die Boutique mit dem Namen „Maxim“ eröffnen zu können, kündigten beide ihre festen Jobs. Um die Stücke für die ersten Kollektionen zu zahlen, liehen sie sich Geld bei ihren Eltern. Der Gedanke an Selbstständigkeit, an eine ungebundene Existenz trieb sie an. „Es ist ein richtiger Schlag in die Fresse“, sagt Urban. „Da hat einer nicht nur unsere Ware genommen, sondern auch die Möglichkeit, weiter Geld zu verdienen. Das ist es, was mich so verdammt wütend macht.“

Ob das gezielte Vorgehen auf eine organisierte Bande hindeutet, konnte die Polizei am Freitag nicht beantworten. Urban jedenfalls glaubt nicht daran, dass die Täter unerfahren waren. „Ich weiß nicht, ob wir vielleicht ausgespäht wurden“, sagt er. Aber im reichen Pullach?

Die Beamten, die den Fall am Freitag aufnahmen, machten dem jungen Paar wenig Hoffnung darauf, ihre Sachen wiederzubekommen. Kameras waren noch nicht eingebaut, Videobeweise gibt es also nicht. Die Chancen, dass die Versicherung für den entstandenen Schaden aufkommt, stünden zur Zeit 50:50, sagt Urban.

Ermutigend ist das nicht gerade. Aber die beiden jungen Pullacher Geschäftsleute wollen den Kopf deswegen nicht in den Sand stecken. In der Not finden sie sogar etwas Positives an ihrer Situation: Wäre das Ganze nämlich einen Monat später passiert, wäre die neue Winterkollektion gleich mit futsch gewesen. Ein kleiner Trost.

Ein oder zwei Wochen soll der Laden geschlossen bleiben. In dieser Zeit will Urban einen Teil der Ware nachbestellen, sofern das geht. „Die sollen nicht denken, dass sie uns kaputt gemacht hätten“, sagt er. Den Laden will er mit Sicherheitstechnik nachrüsten und einfach weitermachen. „Genau so soll das Statement sein“, sagt er. „Es soll stark sein.“

M. Mäckler

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