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„Elizabeth thronte über allem“: Experte erklärt Faszination von Boulevardpresse an der Queen

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Von: Dieter Dorby

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Über vier Jahrzehnte gehörte das englische Königshaus zum Beruf von Art Director Jörg Wedekind. Den Tod der Queen erlebt er nun im Ruhestand.
Über vier Jahrzehnte gehörte das englische Königshaus zum Beruf von Art Director Jörg Wedekind. Den Tod der Queen erlebt er nun im Ruhestand. © wed/Archiv

Über Jahrzehnte hat Queen Elizabeth die Schlagzeilen in den Boulevardblättern weltweit geprägt. Mit ihrem Tod schaltet die gesamte Regenbogenpresse für mehrere Wochen in den Turbo-Gang.

Holzkirchen - Einer, der dieses Geschäft aus über 40 Jahren Berufserfahrung kennt, ist Jörg Wedekind, Sportreferent der Gemeinde Holzkirchen. Wir baten den ehemaligen Art Director der Illustrierten die aktuelle um einen Blick hinter die Kulissen.

Herr Wedekind, die Queen ist tot. Was löst das in den Redaktionen der Yellow Press aus

Das bedeutet jetzt Hochbetrieb. Wobei man bei der Queen nicht bei null startet. Für die ganz großen Persönlichkeiten ist vieles bereits für ein Ableben vorbereitet, vor allem die Fotos. Das war bei ihrem Gemahl Prinz Philip ähnlich. So gesehen ist dieser in den Redaktionen zehn Jahre lang gestorben.

Nach Tod der Queen: „Das bedeutet jetzt Hochbetrieb für Boulevardpresse“

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Wie überraschend war Elisabeths Tod für Sie?

Ich denke, man konnte es erahnen. Man hat es gespürt. Da unterscheidet sich die Queen nicht so sehr von Lieschen Müller im Holzkirchner Seniorenheim. Wenn der Ehepartner stirbt, folgt der andere oft kurz darauf nach. Und Elizabeth war über 70 Jahre lang mit Philip verheiratet.

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Dazu der Stress mit der Familie, der extrem medial ausgetragen wird.

Klar. Aber man muss auch sagen, dass das englische Königshaus nie gegen die Presse geklagt hat. Andere Häuser gehen da juristisch vor – aber nicht England. Da konntest du schreiben, was du wolltest.

Queen Elizabeth tot: „Sie thronte über allem. Sie war die Übermutter aller Royals in Europa“

Gibt es noch mehr Prominenz als die Queen?

Nein. In England ist sie noch mal eine ganz andere Institution als bei uns. Für die meisten war sie die wichtigste Frau im Land. Sie hat 17 Premierminister vereidigt. Der Erste war Winston Churchill – das ist Historie pur. Dazu die Geschichten um Charles, Diana, die Kinder, die Enkelkinder. Aber sie thronte über allem. Sie war die Übermutter aller Royals in Europa. Mich fasziniert, wie eine Person alles unter Kontrolle halten kann. Mit ihrer Art hat sie fest geführt und ihre Pflichten bis zuletzt zu 100 Prozent erfüllt. Aber dennoch konnte sie die Fehltritte von Charles und den anderen nicht verhindern. Vielleicht gab es diese auch gerade deshalb, weil die Mutter in ihrer Lebensführung so konsequent war.

Wie wird das Leben jetzt ohne die Queen?

Ich denke, die Familie wird an Wert verlieren. Sie wird jedenfalls nicht mehr das sein, was sie mal war. Charles wird seiner Mutter nicht das Wasser reichen können.

Was sagen Sie als Boulevard-Profi über Elizabeth?

Das Schöne war, dass man über sie immer eine Geschichte machen konnte. Allein schon von ihrem Styling her. Da war sie sehr mutig.

Nach Tod von Queen: „Denke, die Familie wird an Wert verlieren“

Ihr Tod wird nun über Wochen das bestimmende Thema sein.

Ganz sicher. So ehrlich muss man sein: Hochzeiten und Todesfälle bei Promis sind aus meiner professionellen Sicht die absoluten journalistischen Höhepunkte. Da steht jeder unter Strom. Da arbeitet jeder gern. Das liest jeder gerne, man schaut die alten Bilder gern an. In 43 Berufsjahren habe ich auch nur ein solches Highlight verpasst, und das war der Tod von Diana. Damals war ich im Urlaub in New York. Ich wollte sogar zurückfliegen, aber es hätte zeitlich nicht mehr gereicht. Aber ich durfte dann das Sonderheft über sie machen.

Was bedeutet nun King Charles für die Royals?

Ich glaube, dass es ein Fehler ist, dass Charles auf die Krone besteht. Wenn er den Sinn und Zweck respektiert, würde er William den Weg freimachen, damit eine neue Ära entstehen kann. Aber es heißt nicht umsonst: Der König ist tot – es lebe der König. Es braucht Mut zurückzutreten oder abzudanken. Andererseits hat Charles sich sein Leben lang auf den Thron vorbereitet – darauf will er nicht verzichten. Spannender finde ich ja die Rolle von Camilla – ob sie sich ebenso zurücknimmt wie einst Philip? Und ich bin gespannt, wie das Volk hinter dem Königshaus stehen wird.

ddy

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