Rabiate Hausfrau muss hinter Gitter

Dorfen - Die Liste ihrer Vergehen ist ebenso lang wie kurios. Warum eine schlag- und wurfkräftige Hausfrau aus Dorfen jetzt für fünf Monate hinter Gitter muss:

Die Berufungskammer des Landshuter Landgerichts nahme zwar eine Reihe von Vorwürfen gegen die 37-jährige Hausfrau aus Dorfen zurück, das Gefängnis bleibt ihr dennoch nicht erspart. Vom Amtsgericht Erding war die 37-Jährige noch wegen einer ganzen Latte von Straftaten zu einer Freiheitsstrafe von 16 Monaten verurteilt worden: Auf falsche Verdächtigung, gefährliche Körperverletzung in zwei Fällen, versuchte gefährliche Körperverletzung und Sozialbetrug lautete der Urteilstenor.

So hatte die Dorfenerin 2008 beim Jobcenter ARUSO Erding einen Antrag auf „Stütze“ gestellt und dabei angegeben, dass in ihrem Haushalt auch noch ihre Tochter lebe. Doch die war tatsächlich stationär in einem Heim untergebracht. Der Schaden hielt sich mit 136 Euro in Grenzen, für den Betrugsvorwurf reichte er.

Eine eher süffisante Episode lag der Verurteilung wegen falscher Verdächtigung zugrunde: Im Februar 2010 hatte die Hausfrau ihren damaligen Ehemann, der sich von ihr getrennt hatte, wegen Beleidigung und Verleumdung angezeigt, weil er angeblich eine Seite ins Internet gestellt hatte, auf der sie als „Chantal 58“ Sexdienste anbot. Wie sich später herausstellte, hatte die Hausfrau, die damals bei einem „Eskortdienst“ arbeitete, in Koproduktion mit einer Nachbarin die Seite auf deren Computer selbst „gebastelt“ und dann später am eigenen Computer noch ein Foto der Tochter hochgeladen.

Weniger amüsant war dann ein Vorfall im Mai 2010. Die Angeklagte schnappte sich einen Ball, mit dem Nachbarskinder vor ihrem damals gemieteten Haus spielten. Die Kinder „rächten“ sich, indem sie Steine in ihre Richtung warfen. Die hob sie auf und warf sie zurück. Beim Amtsgericht Erding war man noch davon ausgegangen, dass sie einen Nachbarsbuben getroffen und ihm eine Gehirnerschütterung zugefügt hatte.

Zuletzt gab es im Juni Zoff und eine handgreifliche Auseinandersetzung mit dem Noch-Ehemann, der bereits 2009 ausgezogen war. Er hatte den Verdacht, dass die 37-Jährige aus seiner neuen Unterkunft Papiere und aus seinem Auto Geld entwendet hatte. Als er sie aufsuchte und zur Rede stellte, schenkte man sich nichts: Der Ehemann ging der 37-Jährigen an den Kragen, die wiederum biss ihn in den Unterarm. Dann kam auch noch die Tochter dazu, versetzte dem Vater einen Tritt zwischen die Beine, der revanchierte sich mit einem Bauchtritt. Dafür fing er sich Schläge mit einer Krücke ein, die seine Noch-Ehefrau inzwischen zu fassen gekriegt hatte.

Gegen das Erdinger Urteil hatten sowohl die 37-Jährige , die inzwischen wieder in ihre thüringische Heimat zurückgekehrt ist, als auch die Staatsanwaltschaft Berufung eingelegt. Vorsitzender Richter Eugen Larasser machte gleich zu Beginn der Berufungsverhandlung deutlich, dass er den schwerwiegendsten Vorwurf, die gefährliche Körperverletzung durch den Einsatz der Krücke gegen den Ehemann anders sehe: Bei der Auseinandersetzung, bei der sie zunächst am Hals gepackt worden sei, könne man der 37-Jährigen durchaus Notwehr zubilligen. Sein Vorschlag, das Verfahren in diesem Punkt einzustellen, stimmten die übrigen Prozessbeteiligten zu. Ebenso der Einstellung des Vorwurfs der falschen Verdächtigung: Auf der Internetseite, so argumentierte der Richter, sei nur ein Pseudonym genannt worden. Damit sei niemand konkret beleidigt worden.

Was die Steinwurf-Aktionen mit den Kinder betraf, gab es dann widersprüchliche Aussagen: Der verletzte Bub hatte sich angeblich hinter einem Sichtschutz aufgehalten und konnte von der 37-Jährigen nicht getroffen werden. Wie er letztlich zu der Kopfverletzung und Gehirnerschütterung kam, ließ sich nicht mehr feststellen.

So blieben noch der Sozialbetrug und eine versuchte Körperverletzung – weil die Hausfrau Steine in Richtung der anderen Kinder warf – übrig. Dafür verhängte die Berufungskammer eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten, setzte sie aber nicht zur Bewährung aus. Die Angeklagte hatte nämlich wegen Diebstahls und Körperverletzungsdelikten zur Tatzeit bereits unter zweifacher offener Bewährung gestanden. Mit der neuerlichen Verurteilung ist der Bewährungswiderruf so gut wie sicher. Das bedeutet für die 37-Jährige, dass sie auch die zwölf Monate aus den Vorverurteilungen noch absitzen muss.

Walter Schöttl

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