Rätsel nach Jahrhunderten gelöst

Sensationsentdeckung unter Kirche in Fürstenfeldbruck

Mitgliedern des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck (HFV) ist eine kleine Sensation gelungen. Sie entdeckten in der Krypta der Klosterkirche den lange verschollenen Grabstein des Abtes.

Fürstenfeldbruck – Vor fast 300 Jahren starb der Fürstenfelder Abt Balduin Helm. Wo er beigesetzt wurde, war lange Zeit ein Rätsel – bis jetzt. 

Es ist eine Tradition: Alljährlich treffen sich die Mitglieder des Historischen Vereins Fürstenfeldbruck kurz vor Weihnachten in der Krypta zu einem Gottesdienst, dem sogenannten Rorate-Amt. Dabei hatten sie in all den Jahren die letzte Ruhestätte Balduin Helms buchstäblich vor ihrer Nase. Gemeinsam mit vier weiteren Äbten liegt er offenbar in der Gruft.

Spezialkamera macht Grabinschrift sichtbar

Doch die Aufschrift auf dem stark verwitterten Grabstein ist unleserlich. Erst jetzt gelang es mithilfe von geschickter Beleuchtung und einer Spezialkamera, dem Stein sein Geheimnis zu entlocken. Als Peter Wollein, Mitglied des HFV-Arbeitskreises Kloster, die Fotos vergrößert am Computer betrachtete, traute er seinen Augen nicht. Das Wort „Helm“ war deutlich zu erkennen. Mühsam gelang es, die gesamte lateinische Inschrift zu entziffern.

An einer exakten Übersetzung arbeitet derzeit noch Gerhard Schinkel, pensionierter Realschul-Konrektor, mit einem befreundeten Altphilologen. Es scheint aber ein Wortspiel mit dem Namen des Abtes zu sein, denn es ist von einem „abgeschnittenen Halm“ die Rede, der reif für die „himmlischen Scheunen“ sei. Dass der Tod metaphorisch als Ernte umschrieben wurde, war damals nicht ungewöhnlich.

Zu seinen Lebzeiten war Balduin Helm nicht unumstritten. Im Jahr 1703 legte man ihm sogar nahe, als Abt zurückzutreten. In den Augen seiner Kritiker gestaltete er den Kirchenneubau zu prächtig. Später wurde er rehabilitiert. Nun fügt sich manche scheinbare Ungereimtheit.

Im Gegensatz zu den anderen vier Grabplatten ragt Helms Stein aus der Wand der Krypta hervor – er war für die vorgesehene Grabnische offenbar zu groß geraten. Das spricht dafür, dass der Stein erst nachträglich eingesetzt worden ist.

Info-Tafel für Besucher der Krypta

Sicher ist: Als der Abt 1720 starb, war die Klosterkirche noch eine Baustelle. Geweiht wurde sie erst 21 Jahre später. Helm wurde wohl ursprünglich auf dem Friedhof beigesetzt, so die Vermutung. Was in einer alten Fürstenfelder Chronik behauptet wird – nämlich, dass Helm unter dem Fußboden des Kapitelsaals liegt – ist mittlerweile widerlegt. „Der Fußboden wurde mit polizeilichen Mitteln genauestens untersucht“, sagt Peter Wollein. Hinweise auf menschliche Überreste fanden sich nicht.

Ob Helms Leichnam – von wo auch immer – in die Krypta umgebettet oder der Grabstein nur zu seinem Gedenken angebracht wurde, ist ebenfalls noch unklar. Doch die HFV-Vorsitzende Anna Ulrike Bergheim zeigt sich optimistisch. „Da wollen wir im nächsten Jahr noch einiges herauskriegen.“ Im Rahmen des Rorate-Amts am Samstag soll zunächst eine Infotafel zu den fünf Abtsgräbern in der Krypta aufgestellt werden. (Ulrike Osman)

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