Frau stirbt auf der A95

Raser-Unfall mit frisiertem Porsche ohne Betriebserlaubnis

+
Viel zu schnell: Der getunte Porsche hatte nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft wegen der Umbauten keine Betriebserlaubnis mehr. Der Fahrer soll nach dem tödlichen Unfall auf der A 95 eine Geldstrafe zahlen.

Starnberg – Fast 20 Monate nach einem tödlichen Raser-Unfall auf der A 95 bei Starnberg soll der Porsche-Fahrer eine Geldstrafe von 27.000 Euro bezahlen. Laut Gutachter war der 450-PS-Bolide so sehr frisiert, dass er auf der Straße nichts zu suchen hatte.

Hannelore G. hatte keine Chance. Am 3. August 2013, gegen 13.20 Uhr, fuhr die Weilheimerin mit ihrem Toyota gerade vom Zubringer aus Starnberg auf die A 95, als ein Geschoss ihren Wagen von hinten traf: ein ins Schleudern geratener Porsche. Nach umfangreichen Ermittlungen und vor allem Gutachten erließ das Amtsgericht auf Antrag der Staatsanwaltschaft gegen den heute 52-jährigen Porsche-Fahrer aus Leonberg (Baden-Württemberg) einen Strafbefehl wegen fahrlässiger Tötung und fahrlässiger Körperverletzung über 27 000 Euro.

Die Gutachter hatten mit dem Porsche 996 GT3 erhebliche Probleme – er war nur noch bedingt ein Porsche. Die Liste der Umbauten ist laut Staatsanwaltschaft lang: nicht serienmäßige Bremsscheiben, der Motor war von 380 auf mehr als 450 PS getunt, Teile der Karosserie wurden gegen leichte Kunststoffteile ausgetauscht. Einige Spoiler veränderten das aerodynamische Verhalten des Wagens bei hohen Geschwindigkeiten. Die Reifen, erklärte Staatsanwaltschaftssprecher Ken Heidenreich auf Anfrage, seien von Porsche für diesen Wagen nicht freigegeben gewesen. Die Felgen stammten aus dem Rennsport – insgesamt war der weiße Bolide eine Rennmaschine. Die Umbauten seien so reichhaltig gewesen, dass bei der Unfallfahrt die Betriebserlaubnis erloschen gewesen sei. Heißt: Der Porsche hätte nicht auf einer öffentlichen Straße bewegt werden dürfen – und schon gar nicht mit extremen Geschwindigkeiten.

Porsche-Fahrer verursacht schweren Unfall auf A95

Porsche-Fahrer verursacht schweren Unfall auf A95

Mindestens 255 km/h errechnete ein Gutachter als Tempo des Porsche, als er am Starnberger Dreieck Richtung München unterwegs war. Ein Tempolimit gibt es dort nicht. Nach Einschätzung der Staatsanwaltschaft führte eine falsche Reaktion auf einen technischen Defekt zu dem verheerenden Unfall, der leicht zu vermeiden gewesen wäre. Hinten links hatte sich wohl mit einem lauten Knall die Lauffläche des Reifens abgelöst, was nicht sofort zu einem Druckverlust geführt habe. Der Fahrer sei, erklärte Heidenreich, abrupt vom Gas gegangen. Bei diesem Tempo sorgt das für ein Ausbrechen des Wagens, er schleuderte von der A 95 und krachte voll in den Pkw der Weilheimerin. Beim Aufprall, schätzen Experten, war der Porsche noch 180 km/h schnell. Der Toyota fuhr etwa 108 km/h – und wurde durch den Aufprall wegkatapultiert und überschlug sich auf rund 100 Metern. Hannelore G. (67) wurde schwerst verletzt, die Bemühungen der Ärzte in einem Münchner Krankenhaus blieben jedoch vergebens – sie starb. Der Porsche-Fahrer und sein Beifahrer wurden nur leicht verletzt.

Der Strafbefehl, der Heidenreich zufolge auch ein dreimonatiges Fahrverbot vorsieht, ist noch nicht rechtskräftig. Der Leonberger kann Rechtsmittel einlegen.

Auch interessant

Meistgelesen

Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Bootsfahrt auf der Würm: Student rammt sich Holzstange in die Brust
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Auf der A9 im Kreis Freising: Sehr seltener Goldschakal überfahren
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
Pietätlose Beileidsbekundung: Ärger über anonymes Schreiben mit Flyer
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe
55-Jähriger stirbt nach plötzlichem Sturz von Laderampe

Kommentare

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken, um Missbrauch zu vermeiden.

Die Redaktion