70 Rechtsextreme halten Polizei auf Trab

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Zahlreiche Polizeibusse riegelten am Samstag die S-Bahnhöfe Erding und Altenerding ab.

Erding - Ein Polizei-Großaufgebot hat am Samstagabend in Erding einen Aufmarsch Rechtsextremer verhindert. Zwei Veranstaltungen konnte gerade noch verhindert werden.

60 bis 70 Rechtsextreme, unter ihnen der berüchtigte Neonazi-Rädelsführer Martin Wiese, haben am Samstagabend zahlreiche Polizisten auf Trab gehalten. Die Rechnung der Rechten ging aber nicht auf. Bereits vor ein paar Tagen hatten sie unter einem Vorwand Räumlichkeiten in einer Sportgaststätte in Erding angemietet. Dort sollte eine Marketingaktion für Sportbekleidung stattfinden. Kurz vor Veranstaltungsbeginn bemerkten die völlig ahnungslosen, weil getäuschten Wirtsleute, dass es um rechte Propaganda gehen sollte. Sie baten die Polizei um Hilfe.

Parallel dazu hatte die Polizei Kenntnis von insgesamt 150 Rechten, die nach Erding kommen wollten, um von dort mit Shuttlebussen weiter zu einem geheimen Veranstaltungsort zu fahren. Es sollte ein Treffen aller Gruppen aus dem Großraum München werden. So viele wurden es dann aber längst nicht.

Unter der Einsatzleitung von Polizeidirektor Thomas Zäpfel machten sich 150 Beamte aus Erding, Fürstenfeldbruck und vom Flughafen, die Bundespolizei sowie eine Hundertschaft der Bereitschaftspolizei auf den Weg in die Herzogstadt. Die Gaststätte sowie die S-Bahnhöfe Erding und Altenerding wurden in Erwartung der Extremisten abgeriegelt.

Gegen 18 Uhr trafen die ersten ein. Weit sind sie nicht gekommen“, berichtet Zäpfel. „Wir haben ihnen gleich nach der Ankunft mitgeteilt, dass ihnen kein Raum zur Verfügung steht.“ Kurz zuvor, so der Polizeidirektor, habe ein 37-Jähriger noch versucht, den Mietanspruch durchzudrücken.

Vor allem am Erdinger Bahnhof kam zu kleineren Scharmützeln, allerdings nur rein verbaler Natur. „Es gab keine Gewalt“, so Zäpfel. Dennoch seien einige Teilnehmer angezeigt worden - wegen Beleidigung und Tragens verbotener Symbole.

Das war nur die eine Front, an der das Großaufgebot kämpfen musste. „Auf der anderen Seite hatten sich rund 15 Leute aus der Antifa-Szene versammelt, um sich den Rechten in den Weg zu stellen“, berichtet Zäpfel. Eine direkte Konfrontation konnte durch das geballte Auftreten der Polizei verhindert werden. Gegen 21.30 Uhr war der Spuk vorbei. Die Gruppen fuhren nach München und Freising zurück.

In Erding gibt es keine eigene rechte Szene mehr. Die „Junge Offensive Herzogstadt“ ist auseinander gefallen. Erstmals seit Jahren taucht die Region nicht mehr im Verfassungsschutzbericht auf. Dennoch verfolgt die Abteilung Staatsschutz der Kripo Erding das Geschehen.

(Hans Moritz)

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