Hebamme (81) muss 100.000 Euro Strafe zahlen

Wolfratshausen/München - Bei der Geburt von Lukas im April 1997 in der Wolfratshauser Kreisklinik geschahen schwere Fehler. Der Bub wurde zum Pflegefall und starb mit nur elf Jahren.

Ob es der Fehler des Arztes war oder der der Hebamme, das ist heute, 14 Jahre später, nicht mehr feststellbar – weil sich die Aussagen widersprechen und Akten verschwunden sind. Trotzdem muss jetzt die heute 81-jährige Hebamme büßen und 100 000 Euro zahlen.

Bei der Verhandlung vor dem Oberlandesgericht München erklärte die Seniorin, dass sie eigentlich schon im Ruhestand war – damals, als die verhängnisvolle Geburt anstand. Aber da sie wegen ihrer Erfahrung und liebevollen Art bei den Patientinnen sehr beliebt war, rief sie damals der Arzt aus dem Kreißsaal an. Und Hilde B. (Name geändert) kam, „weil ich meine Arbeit immer gerne gemacht habe“ und obwohl sie nicht mehr berufshaftpflichtversichert war. Doch daran habe sie ­angesichts der Geburt nicht gedacht. „Ein großer Fehler“, sagt sie heute.

Denn bei der Geburt kam es zur Katastrophe: Die Herztöne des Kindes fielen ab, und der Kaiserschnitt kam viel zu spät. Wegen Sauerstoffmangels bleibt der Bub bis zu seinem Tod elf Jahre später ein Pflegefall. So pietätlos es klingt: Das kostete die Versicherung des beteiligten Arztes viel Geld. 240 000 Euro bezahlte sie an die Eltern von Lukas, weitere 600 000 Euro für die Pflege des Kindes. Dieses Geld wollte sich die Versicherung nun per Gericht zurückholen. Und zwar von der Hebamme.

Das Landgericht gab der Versicherung recht und verurteilte die Seniorin zu einem Schadensersatz von 840 000 Euro. Die Versicherung plante laut ihrem Anwalt, sich das Geld notfalls durch den Verkauf des Häuschens in Geretsried zu holen, das die ehemalige Hebamme ihrer Tochter geschenkt hatte.

So weit aber kam es nicht. Denn in der Berufungsverhandlung vor dem Oberlandesgericht machte die Richterin deutlich, dass „wohl Arzt und Hebamme Fehler gemacht haben“. Es kam zum Vergleich über 100 000 Euro. Hilde B. hat sich das Geld geliehen und ist erleichtert. Denn nun ist offenkundig, dass sie nicht allein an den schrecklichen Fehlern bei Lukas’ Geburt schuld ist.

S. Sasse

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