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Bei Schnee und Eis: 20-Jähriger läuft oberkörperfrei durch die Isarauen

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Von: Patrik Stäbler

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„Irgendwann nimmt man die Kälte nicht mehr so wahr.“ Stefan Kiesel aus Puchheim bestreitet das 13,5 Kilometer-Rennen halbnackt
„Irgendwann nimmt man die Kälte nicht mehr so wahr.“ Stefan Kiesel aus Puchheim bestreitet das 13,5 Kilometer-Rennen halbnackt © Dieter Michalek

Inmitten bibbernder Läuferinnen und zitternder Läufer sticht Stefan Kiesel an diesem Vormittag hervor – hier im Ismaninger Sportpark, kurz vor Startschuss zum ersten Rennen der Ismaninger Winterlaufserie.

Ismaning – Er folge der Methode des Holländers Wim Hof alias „The Iceman“, erklärt der Puchheimer lächelnd. Diese sehe unter anderem eine eiskalte Dusche am Morgen sowie Eisbaden im Winter vor. „Und irgendwann“, so Kiesel, „nimmt man die Kälte nicht mehr so wahr.“ Sagt’s, und verabschiedet sich dann auf die 13,5 Kilometer lange Strecke, die er – halbnackig bis ins Ziel – in einer sehr respektablen Zeit von 1:04:52 Stunden zurücklegen wird.

20-Jähriger joggt halbnackt durch die Isarauen – 41-Jähriger siegt beim Winterlauf

Noch etwas schneller ist einer, der es beim Laufen ebenfalls gerne eisig hat. „Je kälter, desto besser“, sagt Matthias Ewender von der LG Region Landshut, ein Stammgast bei der Ismaninger Winterlaufserie und eine Art ewiger Zweiter bei dieser Traditionsveranstaltung. Denn obschon der 41-Jährige mehrfach am Gesamtsieg schnuppern durfte, kam er bislang in der Gesamtwertung nie über Rang zwei hinaus. Diesmal jedoch lässt er die gesammelte Konkurrenz hinter sich: In 44:42 Minuten sichert sich Ewender den Tagessieg – deutlich vor Johann Ioannou-Nikolaides (45:28) und Stefano de Nicola (46:47).

Zweitschnellste Frau: Charlotte Veitner kommt nach Thea Heim ins Ziel.
Zweitschnellste Frau: Charlotte Veitner kommt nach Thea Heim ins Ziel. © Dieter Michalek

„Ich bin konstant mein Tempo durchgelaufen“, erzählt der Sieger hinterher, der im Schnitt 3:20 Minuten je Kilometer braucht. Nach knapp der Hälfte der Strecke, die durch die verschneiten Isarauen führt, habe er sich absetzen können, berichtet Ewender hinterher. Fortan läuft Matthias Ewender dann einsam und allein voraus – bis er auf der Zielgeraden im Sportpark den Zeigefinger als Zeichen des Triumphs nach oben reckt. Worauf er sich nach dem Rennen durch Eis und Schnee freue? „Auf den Lebkuchen im Ziel“, sagt Ewender und lacht. Und dann sei da noch das Schönste nach solche einem Rennen: „Heute Abend werde ich futtern, was ich will, und mich danach mit einem Glas Wein auf die Couch setzen.“

Konstantes Tempo: Sieger und Winterlaufstammgast Matthias Ewender.
Konstantes Tempo: Sieger und Winterlaufstammgast Matthias Ewender. © Dieter Michalek

„An manchen Stellen bisschen rutschig, aber insgesamt gut zu laufen“

Ebenfalls Grund zum Feiern hat Thea Heim. Die 30-Jährige von der LG Telis Finanz Regensburg holt sich in einer Zeit von 50:47 Minuten den Tagessieg bei den Frauen. „Es war an manchen Stellen ein bisschen rutschig, aber insgesamt gut zu laufen“, sagt die Münchnerin im Ziel. Allerdings habe sie es ihren Beinen noch angemerkt, dass sie vergangene Woche einen Marathon (in Valencia; 2:33 Stunden; d. Red.) gelaufen sei. Was sie in Ismaning freilich nicht davon abhalten kann, die zweitschnellste Frau, Charlotte Veitner, um mehr als eine Minute zu distanzieren.

Mützenparade: Rund 800 Teilnehmer sind beim Auftakt der Ismaninger Winterlaufserie am Start. 	Fotos: Dieter Michalek
Mützenparade: Rund 800 Teilnehmer sind beim Auftakt der Ismaninger Winterlaufserie am Start. ©  Dieter Michalek

Einen starken vierten Platz bei den Männern erzielt unterdessen Lokalmatador Tim Koniarski vom SV Solidarität Ismaning, der die 13,5 Kilometer in 46:49 Minuten zurücklegt. Exakt 105 Sekunden langsamer ist Piernicolo Bilato vom gastgebenden TSV Ismaning, der als Achter die Ziellinie überquert. Seine Klubkollegin Leonie Steyer schrammt beim Schülerlauf über 1000 Meter derweil knapp am Sieg vorbei und wird in 3:45 Minuten Zweite hinter Anita Blersch vom TSV Brannenburg. Bei den Buben holt sich Benedikt Fels aus Wolfratshausen den Tagessieg; bester Landkreis-Athlet ist Xaver Unterlechner vom TSV Ismaning als Neunter.

Insgesamt nehmen an diesem Tag 72 Schülerinnen und Schüler sowie circa 800 Erwachsene am Ismaninger Winterlauf teil. „Ganz zufrieden“ sei er mit diesen Zahlen, sagt Chef-Organisator Florian Steyer. „Allerdings hätten es gerne auch noch 200 mehr sein können.“ Sein Team von circa 50 Helferinnen und Helfern blickt nun schon auf den 15. Januar voraus, wenn das zweite Rennen der Serie über 17 Kilometer ansteht. Ob er dann wieder auf Schnee und eisige Temperaturen hoffe? „Na logisch“, sagt Steyer und grinst. „Das gehört doch zu einer Winterlaufserie dazu.“ (Patrik Stäbler)

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