Rekord bei „Wer wird Millionär“

Moosburger bei Jauch: „So einen Klugscheißer hatten wir schon lang nicht mehr“

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Weil er sich nicht sicher war, ob vor 51 Jahren zum ersten Mal die Wetterkarte oder die Lottozahlen im TV zu sehen waren, beendete Heinrich Röhrl seinen Auftritt.

Sein Lebenstraum hat sich erfüllt: Heinrich Röhrl (68) aus Moosburg war als Kandidat bei „Wer wird Millionär“. Dort räumte er nicht nur 125.000 Euro ab, sondern auch einen Rekord.

Moosburg – Seine erste Bewerbung stammt noch aus dem vergangenen Jahrtausend. 1999 bewarb sich Heinrich Röhrl aus Moosburg erstmals für die Quiz-Sendung „Wer wird Millionär“ – einen Tag, nachdem er die Premierensendung auf RTL gesehen hat. Dass er Grips hat, war ihm klar. Was er damals allerdings noch nicht wusste: dass er auch einen langen Atem benötigen würde. Denn erst 18 Jahre später schaffte er es heuer tatsächlich Kandidat auf den Stuhl gegenüber von Moderator Günther Jauch – nach sage und schreibe 3899 Bewerbungen. Hat er selbst noch daran geglaubt? „Ja klar“, berichtet er im Gespräch mit dem FT. „Aufgeben gehört nicht zu meinem Vokabular.“ Und so ging der Lebenstraum des 68-Jährigen doch noch in Erfüllung. Im Juli wurde die Sendung mit ihm aufgezeichnet, am Montag lief sie auf RTL.

„Das ist für mich der absolute Rekord. Deswegen haben Sie es verdient, dass Sie zu uns kommen“, sprach ihn Moderator Günther Jauch in der ersten Folge der inzwischen schon 40. Staffel auf die vielen Bewerbungen an. „Auf welche Weise haben Sie das denn so gemacht?“ Röhrls schlagfertige Antwort: „Erst per Telefon, dann mit Briefen und lange Zeit online. Ich wollte auch schon mal trommeln, aber das hätten Sie nicht verstanden.“

Daumen hoch: Gewinner Heinrich Röhrl ist auch daheim ein begeisterter Rätselfuchs.

Von Nervosität keine Spur. Vielleicht lag es daran, dass Röhrl 2006 schon einmal zum Kandidatenkreis gehört hat, aber es nicht auf den Stuhl geschafft hat. „Damals konnte ich die Nächte zuvor maximal zwei Stunden schlafen“, berichtet er. Zu dem Zeitpunkt sei er der Herausforderung mental nicht gewachsen gewesen. „Dieses Mal habe ich mir gedacht: Ich fahre mit nichts hin, und wenn ich so wieder heimkomme, habe ich nichts verloren.“

„Ich hatte 18 Jahre, mich auf Jauch vorzubereiten.“

Und so konnte er die Sendung genießen. Immer wieder lieferte er sich mit Jauch kleine Wortduelle. „Ich wollte Spaß haben, ich selbst sein und authentisch rüberkommen. Ich bin eben selbstbewusst.“ Dafür musste er auch mal was einstecken. „So einen Klugscheißer hatten wir schon lang nicht mehr da“, frotzelte der Moderator. Für den Moosburger kein Problem: „Das war total okay. Ich hatte ja 18 Jahre lang Zeit, mich auf Jauch vorzubereiten.“

Froh war Röhrl, dass er in der Sendung nicht mit Musikfragen bombardiert wurde. „Da habe ich meine größte Lücke. Ich schaffe es gerade mal, Mozart von den Beatles zu unterscheiden.“ Sicherheit gaben dem Moosburger seine Telefonjoker, darunter ein quizbewährtes Ass: Professor Eckhard Freise, der in der Sendung einst als Allererster die Million abräumte – damals noch in D-Mark-Zeiten. „Ich habe den vor Jahren mal angerufen und gefragt, ob er mir als Telefonjoker zur Verfügung stehen würde, wenn ich mal in die Sendung komme“, erklärte Röhrl vor den Fernsehkameras. „Vorsorge ist besser als heulen.“ Die Ironie: Als der Joker tatsächlich zum Tragen kam, blieb das Telefon bei Freise still. Der Moosburger vertraute lieber auf einen alten Schulfreund.

Bis zur 250 000-Euro-Frage hatte Röhrl alle Joker verbraucht. Und weil er sich nicht sicher war, dass vor 51 Jahren zum ersten Mal die Wetterkarte auf dem Bildschirm zu sehen war und nicht etwa die Lottozahlen, beendete er seinen Auftritt.

Bei Jauch hat der Moosburger Eindruck hinterlassen

War es schwer aufzuhören und nicht alles zu riskieren? „Eigentlich bin ich ein grenzenloser Zocker“, verrät der 68-Jährige dem FT. Er habe sich aber vor der Sendung zehn Regeln gegeben, gegen die er nicht verstoßen wollte. Eine davon: „Dass ich ab 32 000 Euro nichts mehr riskiere, wenn ich mir bei der Antwort nicht hundertprozentig sicher bin.“

Dass seine Frau im Publikum saß, war allerdings ebenfalls hilfreich. „Die hätte mich gegeißelt, wenn ich die 125 000 Euro verspielt hätte.“ Seine Ziele hatte er da ohnehin schon erreicht: überhaupt auf den Stuhl zu kommen und dort auch eine Weile zu bleiben. Am Ende hat er bei Jauch einigen Eindruck hinterlassen: „Das war ein denkwürdiger Abend mit Ihnen.“

Was er mit dem Geld alles anstellen will, weiß Röhrl noch nicht. „Erstens bin ich ein Mensch, der darauf wartet, dass das Geld auf dem Konto ist, ehe er einen Euro ausgibt. Und zweitens habe ich keine großen Wünsche.“ Allerdings räumt er ein: „Wenn man von einem Tag auf den anderen einen sechsstelligen Betrag auf dem Konto hat, lebt es sich schon lockerer. Dann kann man sich auch mal eine teurere Hose kaufen, die man sich sonst nicht leisten könnte.“

Auch den großen Erfolg in der Sendung genoss der Moosburger bescheiden. Zur Feier ging es nicht etwa in ein Drei-Sterne-Restaurant. Viel lieber gönnte er sich und seiner Frau ein paar Bratwürstl am Kölner Hauptbahnhof. „Und wir waren beide begeistert.“

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