Kurioser Prozess am Amtsgericht

Rentner will Jugendlichen „eins reinwürgen“

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Mit dem Gesetzt in Konflikt geraten ist ein Rentner, der sich zwei Buben geschlagen hat - und dann so getan hat, als wäre er geschlagen worden. 

Geretsried - Ein Rentner (76) ist vom Amtsgericht wegen falscher Verdächtigung verurteilt worden. Er hatte so getan, als wäre er von zwei Jugendlichen geschlagen worden. Dabei war das Gegenteil der Fall. 

Geretsried Ein Rentner erscheint mit einer leicht blutenden Wunde an der Stirn in der Polizeiinspektion Geretsried. Der Mann behauptet, von zwei Jugendlichen geschlagen worden zu sein. Er erstattet Anzeige. Der Polizeibeamte schickt den 76-Jährigen zur Untersuchung ins Krankenhaus und eine Streife auf die Suche nach den jungen Burschen. Ein halbes Jahr später steht der Rentner vor Gericht – angeklagt wegen vorsätzlicher Körperverletzung und falscher Verdächtigung.

Vor Gericht wiederholte der Mann seine Anschuldigungen. Demnach habe er am 27. Juli vorigen Jahres gegen 18.30 Uhr im Auto vor dem Haus auf seine Frau gewartet, als plötzlich die zwei Schüler, 14 und 15 Jahre alt, aufgetaucht seien. Weil es schon häufiger Ärger mit den beiden gegeben habe („Es wurde öfter etwas gegen unsere Fenster und Rollläden geworfen.“) und es so aussah, als habe einer der beiden gerade einen Stein vom Boden aufgehoben, sei er ausgestiegen, um die Burschen zur Rede zu stellen. Sofort habe der 15-Jährige ihm mit den Fäusten gegen die Brust getrommelt. „Ich habe die Hände hochgenommen, um mich zu schützen. In dem Moment bekam ich einen Schlag von der linken Seite“, sagte der Angeklagte.

Die Schüler schilderten die Situation anders. Der Senior habe sie in der Vergangenheit „häufig fotografiert und Bilder an die Hausverwaltung geschickt“. Deshalb hätten sie mit ihm reden wollen, erzählte der 14-Jährige. „Wir haben diskutiert. Irgendwann hat’s uns gereicht. Mein Freund sagte: Halt’s Maul“, räumte der Zeuge ein, dass sie mit ihrer Wortwahl nicht ganz unschuldig daran waren, dass die Situation eskalierte.

Der Mann wird zu 4000 Euro Geldstrafe verurteilt

Der Mann habe ausgeholt und mit dem rechten Handrücken zugeschlagen. Er selbst habe nur einen Wischer abgekommen, sein Freund jedoch die volle Hand. „Eine klassische Rückhandwatsche“ stellte der Staatsanwalt fest, nachdem der Schüler die Szene vor dem Richtertisch nachgespielt hatte. „Wir haben nicht geschlagen“, beteuerten die zwei Freunde. „Es war komplett umgekehrt.“

Davon waren auch Staatsanwalt und Richter überzeugt. Letzte Zweifel hatte ein Sachverständiger beseitigt. „Ganz klar nein. Die Wunde passt mit der Aussage nicht zusammen“, antwortete der Rechtsmediziner auf die Frage, ob die Verletzung des 76-Jährigen von einem Faustschlag stammen könne. „Sehr erstaunlich und bemerkenswert“ fand der Gutachter zudem, dass der Arzt bei der Untersuchung im Krankenhaus seinerzeit keine Blutung festgestellt hatte. Das lasse darauf schließen, dass die Wunde älteren Datums war.

„Sie sind nicht der typische Straftäter, das ist wohl allen klar“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. „Aber sie haben die Situation zum Anlass genommen, um den beiden eins reinzuwürgen.“ Drastischer formulierte es Richter Urs Wäckerlin: „Sie haben wohlüberlegt entschieden, Staatsanwaltschaft und Gerichte vor ihren Karren zu spannen. Sie wollten mit dem Schwert des Strafrechts den Anwohnern zeigen, wie das Verhalten in der Wohnanlage zu sein hat.“ Wäckerlin verurteilte den Rentner zu einer Geldstrafe von 80 Tagessätzen zu je 50 Euro (insgesamt 4000 Euro) und betonte in seiner Urteilsbegründung: „Solche haltlosen Strafanzeigen können nicht hingenommen werden.“ Rudi Stallein 

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