Frau hängt Flugblätter an der Schule auf

Rentnerin hetzt gegen zehnjähriges Mädchen

Dachau - Zu unglaublichen Mitteln hat eine Rentnerin (66) gegriffen. In aller Öffentlichkeit stellte sie ein zehnjähriges Mädchen bloß - weil sie glaubte, das Kind hätte ihre Jacke gestohlen.

Wegen übler Nachrede musste die Frau jetzt vor Gericht.

Ein elfjähriges Mädchen sitzt im Gerichtssaal und kämpft mit den Tränen. Noch einmal muss sich die kleine Lena Müller (Namen geändert) anhören, was ihr eine 66-jährige Rentnerin angetan hat. Die Frau hat auf dem Schulweg und an der Schule der damals Zehnjährigen Zettel aufgehängt, auf denen stand: „Lena Müller ist eine Diebin und Lügnerin!!!“

Wegen übler Nachrede bekam die Rentnerin einen Strafbefehl. Weil sie dagegen Einspruch einlegte, kam es zur Gerichtsverhandlung am Dachauer Amtsgericht. Die 66-jährige Frau hatte das Mädchen im Juni auf der Straße angesprochen. Sie wohnen im selben Ort. Die Rentnerin stellte die Schülerin zur Rede, weil sie der Meinung war, die Schülerin würde ihre Jacke tragen. Sie forderte Lena auf, die Jacke auszuziehen. Das Mädchen rannte daraufhin weg.

„Diese Jacke gibt es nur dreimal in unserem Dorf“, sagte die Rentnerin jetzt vor Gericht. Es sei einer besonders ausgefallene Jacke, sagte sie, und breitete gleichzeitig mehrere Exemplare davon vor sich aus: helle Sommerjacken mit dünnen Streifen und dunklen Ärmeln. Sie habe eine der Jacken ihrer Tochter geschenkt, die in der selben Dorffeuerwehr wie Lenas Mutter sei, dort müsse diese die Jacke mitgenommen haben.

„Hören Sie auf mit diesen Unterstellungen“, sagte Lenas Mutter vor Gericht zu der angeklagten Rentnerin. „Das ist eine bodenlose Frechheit. Was denken Sie sich eigentlich dabei, solche Zettel aufzuhängen? Wissen Sie, was ein Kind da durchmacht?“

Sie versicherte, die Jacke schon vor Jahren für 20 Euro auf einem Markt in Italien gekauft zu haben. „Die Jacke wird’s nicht nur dreimal auf der Welt geben“, sagte die 34-jährige Mutter. Vor Gericht schilderte sie, wie es ihrer Tochter nach der Zettel-Aktion ging: „Lena kam völlig aufgelöst nach Hause. Mitschüler und Lehrer haben sie angesprochen, sie hatte Angst, in die Schule zu gehen.“ Das Mädchen und ihre Mutter gingen zur Schulpsychologin.

Weil die Rentnerin, die selbst mehrfache Mutter und Großmutter ist, ihre Anschuldigungen nicht beweisen kann, verzichtete Richter Lars Hohlstein darauf, die elfjährige Lena in den Zeugenstand zu holen.

„Die Polizei wäre Ihr richtiger Ansprechpartner gewesen“, sagte der Richter zur Angeklagten. Er warf ihr ein Verhalten mit „verächtlicher und öffentlicher Prangerwirkung“ vor.

Die Rentnerin sah vor Gericht zwar ein, dass ihre Aktion nicht in Ordnung war. Ihre Aussage, dass sie das gemacht habe, um das Mädchen nicht mit der Polizei in Verbindung zu bringen, ließ Hohlstein aber nicht gelten. „Sie haben ihr den Gerichtssaal zugemutet. Durch Ihren Einspruch haben Sie es noch schlimmer gemacht“, sagte er und verurteilte die Frau zu 30 Tagessätzen á 15 Euro. (cc)

Rubriklistenbild: © Symbolbild: dpa

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