Wird jetzt Brigittes Tod gesühnt?

Revision gegen Freispruch des Frauenarztes eingereicht

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Michael B. bei seinem Freispruch im Januar 2015.

Erding - Es war ein aufsehenerregender Schwurgerichtsprozess, den der Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. im Januar als freier Mann verließ. Die Revision  liegt jetzt bei der Landshuter Kammer.

Es war ein aufsehenerregender Schwurgerichtsprozess, den der Erdinger Frauenarzt Prof. Dr. Michael B. am 19. Januar 2015 als freier Mann verließ. Die Staatsanwaltschaft Landshut hatte dem 55-Jährigen vorgeworfen, seine Gattin Brigitte B. (60) am 4. Dezember 2013 im Bad getötet zu haben.

Die Kammer unter der Leitung von Gisela Geppert war in dem Prozess zu dem Schluss gekommen, dass vieles gegen den Angeklagten spreche, ihm das Verbrechen aber nicht zweifelsfrei nachzuweisen sei.

Die Staatsanwaltschaft hatte sofort nach dem Urteil angekündigt, in Revision zu gehen (tz berichtete). Das ist nun geschehen, berichtet Behördensprecherin Hildegard Bäumler-Hösl auf Anfrage des Erdinger Anzeigers „Wir rügen nichts Formales, wohl aber rechtliche Fehler in der Beweisführung.“ Umgekehrt bedeutet das: Wären die Indizien anders bewertet worden, hätte das Gericht zu dem Schluss kommen müssen, dass Michael B. doch der Täter war.

Dafür nennt Bäumler-Hösl zwei Beispiele: Erstens das von der Verteidigung ins Feld geführte Treffen der Eheleute am Tattag auf dem Schrannenplatz. Die Staatsanwaltschaft meint, dass die Frau den Termin im genannten Zeitraum niemals hätte einhalten können. Das Zeitfenster sei zu klein gewesen. Falsch gedeutet worden sei zweitens die Einlassung des Arztes, er habe den Tatort trotz seines Ekels vor Blut mit seinen Fahrradhandschuhen gereinigt und diese dann aufs Rad gelegt. An dem war Blut gefunden worden. Später will B. mit dem Rad nach Erding gefahren sein. Die Handschuhe wurden aber nicht dort, sondern in einem Mülleimer gefunden worden.

Die Revision – eine zweite dürfte von der Nebenklage, den Kindern der Getöteten, kommen – liegt jetzt bei der Landshuter Kammer. Von dort geht sie über den Generalstaatsanwalt an die Staatsanwaltschaft beim Bundesgerichtshof in Karlsruhe. Wann und wie der BGH entscheidet, ist offen.

Der freigesprochene Arzt lebt übrigens nicht mehr in Erding, sondern nach Informationen des Erdinger Anzeigers in Bad Iburg, einer 10 000-Einwohner-Stadt im Kreis Osnabrück. Dort lebten bis zu ihrem Tod auch seine Eltern. In Bad Iburg legte B. 1978 sein Abitur ab. Am Marienhospital in Osnabrück war er Chefarzt, ehe er 2012 in Erding eine Praxis eröffnete und in das gemietete Reihenhaus in Pretzen zog. Nach Prozessende war B. dorthin aber nicht zurückgekehrt.

Hans Moritz

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