Schwerwiegende Folgen

Skurril: Junge Männer kündigen Raubüberfall auf Rewe-Getränkemarkt an - dann schlagen sie tatsächlich zu

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Den Überfall auf den Rewe-Getränkemarkt an der Freisinger Straße in Erding am Abend des 26. März 2018 hatten die Täter ihrem späteren Opfer kurz zuvor persönlich angekündigt.

Skurriler Vorfall: Zwei junge Männer kündigen dem Kassierer einen Raubüberfall an und wollen ihn sogar zum Mitmachen animieren. Wenig später schlagen sie tatsächlich zu.

Erding/Landshut Einen derart skurrilen Fall erlebt man selten vor Gericht: Den Überfall auf den Rewe-Getränkemarkt an der Freisinger Straße in Erding am Abend des 26. März 2018 hatten die Täter ihrem späteren Opfer kurz zuvor persönlich angekündigt. Dennoch wurden sie am Dienstag vom Landgericht Landshut zu mehrjährigen Haftstrafen verurteilt.

Die Angeklagten aus Erding, ein 23-jähriger Lagerarbeiter und ein gleichaltriger Einzelhandelskaufmann, kannten ihr späteres Opfer aus der Drogenszene. An besagtem Tag erschienen sie gegen 19.30 Uhr im Getränkemarkt und wollten das spätere Opfer zum Mitmachen animieren. Doch der Kassierer lehnte das strikt ab.

Rewe-Getränkemarkt: Kurz vor 20 Uhr schlugen die Männer zu

Kurz vor 20 Uhr kehrte das Duo tatsächlich zurück, diesmal maskiert. Sie bedrohten ihn mit einem Schlagstock und entkamen mit knapp 1100 Euro. Am 3. April wurden sie festgenommen. Der Angestellte, der sich in den polizeilichen Vernehmungen in Falschaussagen verstrickt hatte, gab preis, dass es sich bei den Räubern um gute Bekannte handle.

Im Prozess zeigten sich die jungen Männer geständig. Beide berichteten, sich bereits seit der Schulzeit zu kennen, zur Tatzeit arbeitslos gewesen zu sein, Schulden aus Drogengeschäften gehabt und Geld für Nachschub benötigt zu haben.

Sie schilderten den Ablauf als „sehr entspannt“. Die Schlagstock-Drohung habe man „nur für die Überwachungskamera inszeniert“. Wenn der Kassierer jetzt behaupte, er habe Angst gehabt, sei das Schwachsinn: „Er hätte ja genug Zeit gehabt, den angekündigten Überfall bei der Polizei zu melden.“

Ein Ermittler der Erdinger Kripo berichtete, dass der Kassierer erst bei einer seiner späteren Vernehmungen eingeräumt habe, die beiden Räuber zu kennen und von ihren Plänen gewusst zu haben. Er selbst blieb allerdings der Verhandlung fern, mailte lediglich am zweiten Verhandlungstag, dass er erkrankt sei und ein Attest nachreichen werde.

Aufschlussreich waren die Vorstrafenlisten der beiden in problematischen familiären Verhältnissen aufgewachsenen jungen Männer. So war der Lagerist der Erdinger Polizei bereits in seiner frühesten Jugend als Intensivtäter bekannt. Im strafmündigen Alter hat er nicht weniger als sechs Jahre unter anderem wegen Körperverletzung, räuberischen Diebstahls und Drogendelikten hinter Gittern verbracht.

Überfall auf REWE: Viele Vorstrafen der Täter

Auch der Kaufmann hat ein halbes Dutzend Verurteilungen, beispielsweise wegen Körperverletzung, Unterschlagung und Drogengeschäften sogar mit Minderjährigen, auf dem Kerbholz. Zuletzt war gegen ihn eine Gesamtfreiheitsstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verhängt worden, die er derzeit verbüßt.

Die psychiatrischen Sachverständigen Dr. Susanne Lausch und Dr. Verena Klein bescheinigten dem Duo „eine massive Suchtmittelabhängigkeit“. Das habe allerdings auf ihre Einsichts- und Steuerungsfähigkeit zur Tatzeit keinen Einfluss gehabt. Sie seien voll schuldfähig. Beide seien inzwischen auch krankheitseinsichtig und therapiemotiviert, sodass die Unterbringung in einer Entziehungsanstalt, die bis zu zwei Jahre dauern dürfte, durchaus erfolgversprechend sei.

Im Prozessverlauf nahm die Kammer telefonischen Kontakt mit dem Kassierer auf. Der teilte mit, von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch zu machen. Deshalb lautete der Schuldspruch dann auch für beide Angeklagten „nur“ auf Diebstahl mit Waffen.

Gegen den Lageristen verhängte die Kammer eine Freiheitsstrafe von vier Jahren, gegen den Kaufmann drei Jahre und acht Monate. Allerdings wurde auch die Unterbringung angeordnet. Der Lagerist muss sofort, der Kaufmann in wenigen Monaten nach Verbüßung der Halbstrafe in eine Suchtklinik.

Richter Ralph Reiter machte ihnen klar, dass sie eine Zäsur selbst in der Hand hätten. Die Therapie gebe ihnen eine Perspektive. Schlage sie fehl, müssten sie die Gesamtstrafe absitzen. Im Übrigen sei die Kammer nicht von einer „Theaterveranstaltung“ ausgegangen. Der Kassierer habe sehr wohl Angst gehabt.

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VON WALTER SCHÖTTL

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