Opa Richard (88) mäht alles nieder

Feuerwehrleute schieben den Mercedes von Richard V. (88) aus dem Gartengrundstück. Foto:dul

Markt Schwaben - Erst verwechselte er den Rückwärts- mit dem Vorwärtsgang. Dann das Brems- mit dem Gaspedal. Und dann machte Richard V.*, 88, seine Siedlung unsicher. Deswegen landete er vor dem Ebersberger Amtsgericht.

Beinahe wäre er nicht gekommen. „Aber ich habe gestern Abend extra noch zwei Aspirin genommen“, flüsterte Richard V.*, 88, dem Richter Peter Hayler zu, als er mit einem Spazierstock in den Sitzungssaal des Ebersberger Amtsgerichts stolzierte.

„Es geht heute um Ihren Führerschein“, klärte Richter Peter Hayler den Angeklagten aus Markt Schwaben auf. „Führerschein?“, wunderte sich der alte Mann, beiger Mantel, beiges Franzosenkäppi.

Ja, es ging tatsächlich um die Frage, ob dem Angeklagten wegen Gefährdung des Straßenverkehrs der Führerschein entzogen werden soll.

Und das hatte Gründe: 9. April 2010 - Richard V. will mit dem Rückwärtsgang aus seinem Grundstück in Markt Schwaben fahren. Den verwechselt er aber mit dem zweiten Gang. „Daher hatte ich die doppelte Geschwindigkeit und habe eine größere Wegstrecke zurück gelegt“, erinnerte er sich vor Gericht.

Stimmt: Denn dann brettert er in seinen eigenen Garten, brettert durch die hölzerne Trennwand zum Nachbargrundstück, brettert voll durch den gemeinsamen Maschendrahtzaun. Ein paar Tontöpfe klirren und endlich findet sein Fuß das richtige Pedal: das Bremspedal.

Die Nachbarn hatten die Terrasse glücklicherweise kurz davor verlassen. Es ist noch einmal gut ausgegangen.

„Sehen Sie selber ein, dass es für Sie zu gefährlich ist, zu fahren?“, wandte sich Richter Hayler an den Angeklagten. Der schüttelte erst einmal den Kopf.

„Durch seine außerordentliche Intelligenz konnte er bislang seine Gedächtnisschwierigkeiten überspielen“, hieß es im Gutachten. Der ehemalige Physiker neige zu Selbstüberschätzung, wollte selbst im hohen Alter noch publizieren. Schon zuvor war ihm einmal der Führerschein entzogen worden.

Richter Hayler nahm dem Angeklagten den Führerschein weg und schob ihm einen Riegel für eine Neubeantragung vor. Das Urteil trug der 88-Jährige zunächst mit Fassung: „Kein Widerspruch“, sagt er. Kurz darauf überlegte er es sich aber anders: „Ich bin am Überlegen, ob mein Zustand nicht durch eine medizinische Behandlung besser würde.“ Und dann könnte er doch, so in ein oder zwei Jahren, wieder Auto fahren.

*Name geändert

Von Marlene Kadach

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