Prozess am Amtsgericht Wolfratshausen 

Richter mahnt: „Man nimmt nicht einfach eine Ente mit“

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Einfach mitgenommen hat ein Wolfratshauser eine Ente. Sie saß am Isarufer. 

Ein Wolfratshauser (45) packt einfach eine Wildente in sein Auto und macht sich aus dem Staub. Doch ein Zeuge verfolgt ihn und alarmiert die Polizei. Beim Prozess zaubert der Angeklagte eine überraschende Begründung hervor.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Der Wolfratshauser verfrachtete in Oberfischbach eine Wildente in sein Auto und nahm sie nach Geretsried mit. 

Am 6. März dieses Jahres gegen 15.20 Uhr hatte ein Zeuge beobachtet, wie der Angeklagte die Ente in der Nähe eines Geschäftsparkplatzes am Isarufer in Bad Tölz ergriff, sie unter seine Jacke steckte und in seinen Ford Focus packte, in dem noch eine Frau und ein Kind saßen. „Ich habe so getan, als hätte ich nichts gesehen“, schilderte ein Zeuge, der dem 45-Jährigen mit seinem Auto gefolgt war. „Sehr weiter hinter ihm, damit er mich nicht bemerkt.“ Die Fahrt führte von Bad Tölz nach Königsdorf. Die inzwischen informierte Polizei sei währenddessen via Handykontakt bereits mit von der Partie gewesen und habe ihn aufgefordert, dranzubleiben. Kurz hinter Königsdorf habe der Mann mit der Ente im Auto seinen Verfolger wohl bemerkt. „Dann gab er Gas und ist die erste Abfahrt nach Geretsried rein“, so der Zeuge.

„Es stimmt, ich habe die Ente genommen“, räumte der Beschuldigte vor Gericht ein. Es seien mehrere Tiere am Isarufer gesessen, die anderen seien davongeflogen. „Diese lag da, hatte eine Angelschnur um die Beine. Deshalb habe ich sie mitgenommen. Ich wollte sie von der Angelschnur befreien“, behauptete der Mann. „Aber ich hatte kein Messer dabei.“ In Geretsried angekommen, habe er die Frau und das Kind bei seiner Mutter abgesetzt, eine Schere mitgenommen und sei zur Isarbrücke an der Tattenkofener Straße gefahren. „Da habe ich sie ins Wasser gesetzt, die Ente ist geschwommen“, beteuerte er.

Dem Staatsanwalt kam das „sehr, sehr komisch“ vor. Zumal es naheliegend gewesen wäre, wenn der Mann sich vor Ort in Bad Tölz an Passanten oder die umliegenden Geschäfte hätte wenden können. „Sie waren ja nicht in der Wildnis“, stellte der Anklagevertreter fest. „Sie haben schon Recht“, entgegnete der Angeklagte. Aber ich habe auch nicht daran gedacht, dass ich mich strafbar mache.“ Als Richter Helmut Berger ihm zum letzten Mal das Wort erteilte, beteuerte der Mann: „Ich gebe ihnen mein Ehrenwort: Ich habe die Ente freigelassen. Ich habe nicht vorgehabt, sie zu schlachten.“ Berger mahnte: „Man nimmt keine Enten mit. Damit maßt man sich eine Eigentümer ähnliche Stellung an.“

Der Richter verurteilte den 45-Jährigen zu einer Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu je 15 Euro. „Zum Verhängnis werden ihnen die vielen Vorstrafen“, begründete Berger die hohe Anzahl Tagessätze. Zehn Vorstrafen listet das Bundeszentralregister für den Wolfratshauser auf, darunter einige Haftstrafen – unter anderem wegen exhibitionistischer Handlungen.  rst

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