Dachauer Mordprozess: Richter erinnert sich

"Die Bilder sind immer wieder da"

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11. Januar 2012: Rudolf U. wird nach der Wahnsinnstat abgeführt.

Dachau - Als der Todesschütze am Dachauer Amtsgericht um sich schoss, kauerte er sich unter den Tisch. Jetzt beschreibt der Richter die dramatischen Szenen vor Gericht.

Als Richter am Amtsgericht Dachau hat es Lukas N. (36) öfter mit schwierigen Angeklagten zu tun. Doch was er am 11. Januar erlebte, war der Horror schlechthin: Während der Urteilsverkündung zog der Angeklagte Rudolf U. (55) plötzlich eine Pistole, erschoss Staatsanwalt Tilman T. (31) und feuerte dann auf den Richter! „Ich habe mich sofort unter den Richtertisch geschmissen“, schilderte Lukas N. a Mittwoch die dramatischsten Sekunden seines Lebens als Zeuge vor dem Schwurgericht.

Todesschütze Rudolf U., der als Spediteur damals wegen Veruntreuung von Arbeitsentgelt angeklagt war, war im ganzen Prozess uneinsichtig gewesen. „Die Sachlage hat er nicht bestritten“, so der Amtsrichter. „Aber er mokierte sich darüber, dass er angeklagt ist und nicht die anderen Transportunternehmer.“ Der Angeklagte sei ihm und dem Staatsanwalt oft ins Wort gefallen. „Wir konnten ihn aber immer wieder beruhigen.“

Als Richter Lukas B. das Urteil verkündete – ein Jahr Haft auf Bewährung – knallte es plötzlich! Noch ahnte der Richter nicht, dass der 31-jährige Staatsanwalt tödlich getroffen war. Unterm Richtertisch hatte sich auch der Protollführer verkrochen, gerade noch reichtzeitig: Weitere Schüsse fielen!

Bluttat in Dachau: Staatsanwalt (31) stirbt

„Plötzlich hat es gerumpelt“, so Lukas B. weiter. Jemand habe gerufen: „Wir haben ihn!“ Einem anwesenden Beamten vom Münchner Hauptzollamt war es mit einem weiteren Zeugen gelungen, Rudolf U. zu überwältigen.

Erst nachdem er die Polizei alarmiert habe und dann Staatsanwalt Tilman T. mit Schussverletzungen am Boden sah, so der Richter weiter, „habe ich realisiert, was passiert ist“. Dieses Verbrechen beschäftige ihn wohl ein Leben lang: „Diese Bilder verschwinden nicht aus dem Kopf.“

Wie tickt Todesschütze Rudolf U., dem während der Haft beide Füße amputiert werden mussten? Der psychiatrische Sachverständige Prof. Henning Saß bezeichnete den Angeklagten zwar als starrsinnig und uneinsichtig. Er kam aber zu einem klaren Schluss: „Es bestehen keine Zweifel an seiner Schuldfähigkeit.“

Ebu

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