Am Ligeterberg

Rodung in Volkmannsdorf erzürnt Naturfreunde - Behörden kontern Kritik

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„Unumgänglich“: Im Landratsamt und beim Staatlichen Bauamt Freising sieht man keine Alternative zu den Fäll- und Rückschnittsarbeiten am absturzgefährdeten Hang.

Findet am Ligeterberg in Volkmannsdorf eine illegale Abholzung mit Segen des Landratsamts statt? Die Behörden widersprechen – und verweisen auf Gefahr im Verzug.

Volkmannsdorf – Der Ligeterberg in Volkmannsdorf bei Wang bleibt ein Quell des Unmuts: Erst wurde den Anwohnern kurz vor Weihnachten und über Nacht die Staatsstraße 2045 vor der Nase gesperrt, nun herrscht Ärger über die Böschungssanierung, die seit einigen Tagen entlang des maroden Hangs läuft. Zwei Grünen-Politiker, MdL Christian Magerl und Bezirksrat Johannes Becher, sowie Wolfgang Willner vom Bund Naturschutz werfen den Behörden dabei ein planloses und gar illegales Handeln vor.

Das Trio kreidet den Verantwortlichen einen überhasteten „Kahlschlag“ an. „Seit zehn Jahren senkt sich der Gehweg an der Stelle und plötzlich bricht beim Straßenbauamt der große Aktionismus aus“, kritisiert Magerl das Verfahren. Üblicherweise werde bei einer Straßenbaumaßnahme geplant und untersucht, bevor die Baustelle beginne. „Es gibt noch keine Entscheidung, mit welcher Technik und in welcher Variante hier gearbeitet wird, aber es wird mit freundlicher Genehmigung der Unteren Naturschutzbehörde schon mal fleißig abgeholzt – trotz der gesetzlichen Schonzeit.“

Ärger über „mangelnde Untersuchungen“

Magerl verweist dabei auf einen Passus des Paragraphen 39 Bundesnaturschutzgesetz, wonach es verboten ist, Bäume außerhalb von Wäldern zwischen 1. März und 30. September abzuschneiden oder zu beseitigen. Der Moosburger Ortsvorsitzende des Bund Naturschutz, Wolfgang Willner, war vor Ort und ärgert sich über mangelnde naturschutzfachliche Untersuchungen: „Bei der Fläche handelt es sich um ein amtlich kartiertes Biotop, das unmittelbar an das FFH-Gebiet Isarauen grenzt und eine ökologisch herausragende Lage besitzt. Es ist deshalb zwingend davon auszugehen, dass streng geschützte Arten an dem Hang und in den Eichen leben.“

Zwischen Bahntrasse und Staatsstraße liegt die betroffene Böschung.

Bezirksrat Johannes Becher, der nach eigener Aussage von mehreren Anwohnern kontaktiert wurde, moniert zudem die Informationspolitik des Straßenbauamts: „Es gibt viele offene Fragen, etwa welche Bauvariante durchgeführt wird oder welche Auswirkungen es auf die Nachbarhäuser hat, wenn hier tatsächlich eine Spundwand in den Berg gerammt werden sollte.“ Die Behörde sei in der Pflicht, vollumfassend zu informieren, fordert Becher. „Und zwar direkt vor Ort bei einer Infoveranstaltung“. Insgesamt sei für ihn ohnehin zweifelhaft, ob die Straße zwischen Wang, Isareck und Volkmannsdorf „überhaupt geeignet ist, dass hier 40-Tonnen-Lkw fahren,“ so Becher.

Landratsamt kontert: „Gefahr im Verzug“

Konfrontiert mit den Vorwürfen sieht man sich im Landratsamt keiner Schuld bewusst. „Die Untere Naturschutzbehörde ist nicht glücklich mit der Entwicklung am Ligeterberg“, betont Sprecher Robert Stangl. Doch die Maßnahme sei unaufschiebbar. Das Staatliche Bauamt Freising habe nachdrücklich darauf hingewiesen, dass die Gefahr eines Abrutschens des Hangs und damit der Straße bestehe. „Wenn Gefahr im Verzug ist, es also um die Sicherheit für Leib und Leben geht, dann tritt das Naturschutzrecht in den Hintergrund“, sagt Stangl. Das Bauamt habe zugesichert, dass die Maßnahme zur Hangstabilisierung in diesem Sommer durchgeführt werden soll. „Um die Arbeiten zu ermöglichen, müssen leider die vorhandenen Gehölze am Hang weichen.“

Der Genehmigungsbescheid zur Entnahme der Bäume erfolgte laut Stangl am 2. März. „Auch Herr Becher wurde informiert.“ Folgende Auflagen seien im Bescheid enthalten: 1. Die Entnahme muss auf das absolut notwendige Maß begrenzt werden. 2. Die Arbeiten sollen schnellstmöglich abgeschlossen sein, da aktuell noch Frost im Boden und damit noch wenig Brutaktivität vorhanden ist. 3. Der Hang muss im Anschluss an die Sanierung neu bepflanzt werden. Die Alternative zur Abholz-Genehmigung sei laut Stangl gewesen, „die Straße auf nicht absehbare Zeit zu sperren“.

Staatliches Bauamt: „Großteil des Bewuchses bleibt erhalten“

Involviert in die Maßnahme sind auch die Gemeinde Wang (Eigentümerin Gehweg) und die Deutsche Bahn (Eigentümerin Böschung zwischen Gleise und Staatsstraße). Sylvia Pfister vom federführenden Staatlichen Bauamt sieht – wie Robert Stangl – keinen Anlass für Kritik an der Vorgehensweise: „Wir nehmen unsere Pflicht der Verkehrssicherung wahr, um die Leute zu schützen.“ Es werde dabei ein minimal bemessener Streifen der Böschungsoberkante von rund fünf Metern Breite von Bewuchs freigelegt sowie Buschwerk entfernt, um Arbeitsraum zu schaffen. „Die Wurzelstöcke bleiben im Boden und der Großteil des Bewuchses bleibt erhalten.“ Wegen des Naturschutzes sei die Rodung unabhängig vom letztlich gewählten Verfahren notwendig gewesen.

Begleitend zur Planung für die langfristige Sicherung des Hangs finde laut Pfister eine ständige Beobachtung der rutschgefährdeten Bereiche zusammen mit einem Gutachter statt. Pfister: „Zu gegebener Zeit führen wir selbstverständlich eine Bürgerveranstaltung für die Maßnahme der Sanierung in Volkmannsdorf durch, in der über Bauzeiten, -abschnitte, Zuwegungen und Weiteres informiert wird. Aktuell ist die Planung noch in Bearbeitung.“

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