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Rollstuhlfahrer scheitern an E-Ladesäulen: R. Seifert mahnt Barrierefreiheit an und wendet sich an Bundesregierung

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Von: Christiane Mühlbauer

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Die E-Ladesäule am Tölzer Landratsamt beispielsweise ist nicht barrierefrei. Ralph Seifert kann mit seinem Rollstuhl die beiden Schwellen nicht überwinden.
Die E-Ladesäule am Tölzer Landratsamt beispielsweise ist nicht barrierefrei. Ralph Seifert kann mit seinem Rollstuhl die beiden Schwellen nicht überwinden. © Pröhl

An Elektro-Autos führt künftig kein Weg vorbei. Allerdings sind die Ladestationen selten barrierefrei. Darauf macht Ralph Seifert, der Behindertenbeauftragte des Landkreises, aufmerksam. Für Rollstuhlfahrer sei das Aufladen eines E-Autos oft nicht möglich.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Ab 2030 sollen in Europa nur noch Elektroautos verkauft werden. Dazu ist eine Infrastruktur mit E-Tankstellen erforderlich, die auch von Menschen mit Behinderungen benützt werden kann. Das ist zurzeit im Landkreis aber fast nicht möglich. Dieses Problem liegt derzeit Ralph Seifert, Behindertenbeauftragter des Landkreises, am Herzen. Um zu demonstrieren, vor welchen Herausforderungen Rollstuhlfahrer stehen, lädt er unsere Zeitung zur öffentlichen E-Ladesäule auf dem Parkplatz am Tölzer Landratsamt ein.

E-Ladesäulen barrierefrei? Tölzer legt Beschwerde ein

Zwei Schwellen müsste er überwinden, um zur Ladesäule zu kommen. Ohne fremde Hilfe könnte er das nicht. Auch die meisten anderen E-Ladesäulen im Landkreis seien nicht besser, sagt Seifert, und nennt als weitere Negativ-Beispiele die Ladesäule auf dem Parkplatz gegenüber vom Tölzer Gymnasium sowie jene an der Sparkasse in seinem Heimatort Benediktbeuern. Lobend erwähnt er die Ladestation der Tölzer Stadtwerke an der Osterleite sowie am Autohaus Rinner – diese könnte er bedienen. „Aber insgesamt sind zirka 70 Prozent der E-Tankstellen im Landkreis leider nicht barrierefrei“, sagt der Benediktbeurer.

Rollstuhlfahrer scheitern an E-Ladesäulen: R. Seifert wendet sich an Bundesregierung

Seifert fährt selbst noch kein E-Auto. Aber er weiß, dass es eines Tages kommen wird. Nicht nur Rollstuhlfahrer wie er, auch Rollatorfahrer und kleinwüchsige Menschen werden künftig im Alltag auf E-Ladesäulen angewiesen sein. Seifert verweist auf eine Initiative aus dem Landkreis Miesbach, die dort bereits für ein positives Echo gesorgt hat. Angestoßen hat sie Anton Grafwallner, der ehemalige Landkreis-Behindertenbeauftragter und wie Seifert ebenfalls Rollstuhlfahrer. Grafwallner hat vor einigen Monaten ein Schreiben verfasst, das nicht nur an Miesbacher Landkreis- und Lokalpolitiker ging, sondern auch an die Staats- sowie an die Bundesregierung.

Grafwallner warf den Verantwortlichen „Gedankenlosigkeit bei Projektierung, Genehmigung und Finanzierung“ vor. Zugleich unterbreitete er konstruktive Lösungsvorschläge. „Die Ladesäulen werden oft auf einen Sockel oder in die Pampa gestellt und Steckdosen sowie Kartenleser auf eine Höhe von 1,20 bis 1,30 Meter montiert“, kritisierte Grafwallner. Damit Rollstuhlfahrer nicht ausgegrenzt werden, sollten alle künftigen E-Tankstellen eine Stellplatzbreite von 3,50 Metern haben, die Steckdosen und Kartenleser auf einer Höhe von etwa 85 Zentimetern angebracht und von drei Seiten anfahrbar sein, ohne Schwellen und Stolperfallen. „Man benötigt dann auch keine Kennzeichnung für rollstuhlgerechte E-Tankstellen. Das ist echte Inklusion“, sagt Grafwallner. Das Gleiche gelte auch für die Projektierung neuer Wasserstoff-Tankstellen. Von der Staatsregierung bekam der Gmunder umgehend eine Reaktion: Man werde es im nächsten Förderprogramm berücksichtigen. Darüber freute sich Grafwallner sehr.

Seifert: „Thema stößt auf großes Verständnis“

Auch Ralph Seifert stellt fest, dass er im Landkreis bei diesem Thema auf viel Verständnis stößt. Vom Landratsamt wurde ihm zwischenzeitlich mitgeteilt, dass man die zweite E-Ladesäule ohne Stufe und Podest bauen werde. Das freut Seifert. „Das ist lobenswert. Aber es wäre halt schön, wenn von Anfang an daran gedacht werden könnte.“

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