1. tz
  2. München
  3. Region

Rosi Mittermaier: Bekannt für ihre „liebenswerte Penetranz“ – Weggefährten erinnern an unvergessliche Momente

Erstellt:

Von: Tanja Brinkmann

Kommentare

Vier Männer und eine Frau stehen an einer Kochstelle im Freien.
Da dampft die „Bud-Spencer-Suppe“: die Ski-WM-Maskottchen Ga und Pa mit (v. l.) Landrat Harald Kühn, Bürgermeister Thomas Schmid, Rosi Mittermaier, OK-Geschäftsführer Peter Fischer und Verleger Thomas Bauer im November 2010 bei der Präsentation des Kochbuchs, das zu der Großveranstaltung erschien. © Thomas Sehr

Sie hat Spuren hinterlassen – durch ihr Engagement für den Sport, rheumakranke Kinder, den Ort und das Museum Werdenfels. Vieles davon passierte im Verborgenen. Auf Rummel legte Rosi Mittermaier nie Wert. Das zeigen auch Begegnungen mit der verstorbenen Ski-Legende.

Garmisch-Partenkirchen – Dezember 2012. In der Zahnradbahn auf dem Weg zur Zugspitze, wo der neue Wetterwandecklift gleich eingeweiht wird. Ein 9,5-Millionen-Euro-Projekt, das Modernität in das Skigebiet bringen soll. Politiker und Bauherren in Feierlaune. Eine beliebte Gesprächspartnerin: Rosi Mittermaier. Stolz erzählt man ihr von gemeisterten technischen und logistischen Herausforderungen. Ihre einzige Frage: Ob denn jemandem etwas passiert sei während der Arbeiten. Nein? Sehr gut. Das ist doch das Wichtigste. Eine Momentaufnahme, die zeigt, wie sie war. Was den Ski-Star, der nach schwerer Krankheit im Alter von 72 Jahren gestorben ist, ausgemacht hat. Das große Interesse an den Mitmenschen, das Mitgefühl und die mitreißende Art der „Gold-Rosi“.

Mit ihrem Charme überzeugt Rosi Mittermaier alle

Mit ihrem Charme hat sie alle für sich eingenommen – etwa in Vilamoura im Süden Portugals. Mittermaier war im Mai 2006 Teil der Delegation, die dort die Garmisch-Partenkirchner Bewerbung um die Ski-Weltmeisterschaften 2011 präsentierte. Auf Englisch sollte sie verdeutlichen, welche Bedeutung dieses Großereignis gerade für den Nachwuchs hat. Nach wenigen Worten geriet sie aber ins Straucheln, lachte und fragte, ob sie auf Deutsch weitermachen kann. „Natürlich“, sagte FIS-Präsident Gian Franco Kasper. Und die Wahl-Werdenfelserin, deren Sohn Felix Neureuther selber zu den Startern bei der WM gehören sollte, fuhr in ihrer Muttersprache fort – und überzeugte. „Sie ist sicher mitverantwortlich, dass wir den Zuschlag bekommen haben“, betont Fritz Dopfer senior, Vizepräsident des Bayerischen Skiverbands. Ihre enorme Strahlkraft, ihre Verlässlichkeit und vor allem ihr Talent, anderen zuzuhören, wird er vermissen. Genau wie Mittermaiers positive Einstellung zum Leben und die Zufriedenheit, die sie stets ausstrahlte. Sie hat Spuren hinterlassen. Vor allem natürlich in der Sportwelt.

Eine Frau und Kinder mit hochgestreckten Armen.
Eine Welle der Begeisterung: Rosi Mittermaier und die Kinder des Skiclubs Garmisch nach dem WM-Zuschlag. © Schregle

Gern erinnert sich Dopfer daran, wie Rosi Mittermaier und ihr Mann Christian Neureuther nach dem Slalom bei Olympia 2014 im russischen Sotschi auf seinen Sohn zugegangen sind. Um fünf Hundertstel hatte Fritz Dopfer junior einen Stockerlplatz verpasst. „Wie ein Häufchen Elend stand er im Zielraum“, erzählt sein Vater. „Rosi und Christian sind gleich zu ihm hin, haben ihm zum vierten Platz gratuliert und ihn getröstet.“ Eine Geste, die Dopfer senior sehr berührte. „Es gab viele schöne Begegnungen, gerade als unsere Söhne, die miteinander groß geworden sind, aktiv waren.“

Großes Interesse an den kleinen und großen Rheuma-Patienten

Menschlich und interessiert an anderen – das zeichnete Rosi Mittermaier aus. Auch in ihrem Engagement für die Rheumakinderklinik. 1999 sorgten sie und ihr Mann dafür, dass eine Stiftung gegründet wurde, die rheumakranke Kinder möglichst früh wieder eine normale Beweglichkeit und eine Rückkehr in den Sport ermöglichen wollte. „Für diese wegweisende Idee mussten zunächst einmal die Grundlagen erforscht und sportmedizinische Programme entwickelt werden“, erklärt der Ärztliche Direktor, Professor Dr. Johannes-Peter Haas. Auf Initiative der Sportler entstand an der Gehfeldstraße 2006 ein Bewegungslabor. Im Hof gibt es mittlerweile einen Bewegungspark, alles um die jungen Patienten wieder mobil zu machen. Mittermeier, die seit der Gründung der Stiftung als Schirmherrin fungierte, „tat das aus Überzeugung“. Ihr ging’s um die Sache und vor allem um die Kinder. „Wenn sie zu uns ins Haus kam, geriet der Zeitplan meist durcheinander“, verrät Haas. „Sie hat sich zu den Kindern gesetzt, mit ihnen geredet.“ Das war ihr wichtig.

Eine Frau und Kinder auf Rollern.
Beim 24-Stunden-Roller-Spendenlauf zum 60-Jährigen der Rheumakinderklinik ist auch die „Gold-Rosi“ am Start. © DZKJR

Die Neugierde, das ehrliche Interesse an anderen, ihr offenes Wesen – das hebt auch Gerd Rubenbauer hervor. „Ihr müsst’s reden mit de Leit“, war ihre Philosophie, die sie an ihre Kinder, Ameli und Felix Neureuther, weitergab. „Damit öffnete sie Menschen“, sagt der Sportreporter. „Das war eine ihrer großen Stärken.“ Vier bis fünf Minuten in ihrer Gegenwart reichten aus, um die schwierigste Persönlichkeit – „einen, der zum Lachen in den Keller geht“ – zu knacken. „Innerhalb einer Viertelstunde wusste sie alles über den Menschen.“ Mit der positiven Folge, dass die Spitzensportlerin über ein enormes Wissen verfügte. Im besten Sinne des Wortes habe sie traditionelle Werte vertreten.

„Gold-Rosis“ Maskottchen Ga und Pa verbinden die Ortsteile

Mit Nachdruck „und einer liebenswerten Penetranz“ kämpfte sie für ihre Überzeugungen. Das hat sich bei der Kinderrheumastiftung und insbesondere bei der Ski-WM gezeigt. Ein Ereignis, das für den ganzen Ort wichtig war, beide Ortsteile verbinden sollte. Davon inspiriert, kreierte Rosi Mittermaier die Maskottchen Ga und Pa: zwei Schneebälle, einer mit roter Mütze, der Farbe des Skiclubs Garmisch, der andere in Partenkirchner Blau. „Es war ihr ein Herzensanliegen, etwas Verbindendes zu schaffen“, erzählt Rubenbauer. Dabei sei Mittermaier sehr detailversessen gewesen, schließlich sollten die Figuren sich respektvoll und in freundschaftlicher Sympathie gegenüber stehen. Das war ein Beitrag zu dem Großereignis. Im Hintergrund passierte noch viel mehr. Auch ein Grund, warum sie und ihr Mann 2019 zu Ehrenbürgern der Marktgemeinde ernannt wurden.

„Rosi Mittermaier-Neureuther war für uns eine Institution, aber auch eine ganz nahbare Garmisch-Partenkirchnerin, die nie ein Aufheben um ihre Person gemacht hat“, sagt Bürgermeisterin Elisabeth Koch (CSU). Sie wusste die „einfachen Dinge“ des Lebens zu schätzen, wie zum Beispiel eine fangfrische Walchenseerenke oder ein selbst gemachtes Apfelgelee. Die Skilegende schätzte zudem „den Ort und seine wunderbare Umgebung“. Dem wollte sie etwas zurückgeben. Für den setzte sie sich ein.

Und das nicht unbedingt öffentlichkeitswirksam, sagt Landrat Anton Speer (Freie Wähler). Das Engagement fürs Museum Werdenfels passierte meist im Hintergrund. „Wir haben schon viele wertvolle Exponate von der Familie bekommen und auch die Neugestaltung des Maschkera-Raums war nur durch ihre großzügige Spende möglich“, berichtet der Behördenchef. Speer trauert, wie alle, die Rosi Mittermaier erlebt haben, um ein „liebenswerte Frau, die sehr bodenständig und sozial engagiert“ war. Und die Spuren hinterlassen hat.

Auch interessant

Kommentare