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Bayerischer Wirt verlangt einen Energie-Euro extra – und hofft auf Nachahmer

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Um steigende Energiekosten abzufedern, greift Wirt Josef Wolfgang Bogner zu einer ungewöhnlichen Maßnahme. Seine Gäste müssen einen Euro extra zahlen.

Rottach-Egern – Die Preise auf der Speisekarte anheben oder aber eine Gebühr von einem Euro pro Kopf verlangen. Vor dieser Frage stand die Wirtsfamilie Bogner vom Voitlhof in Rottach-Egern. Denn die enorm steigenden Lebenshaltungskosten in Folge des Kriegs in der Ukraine belasten auch die Gastronomie, zumal sie auch immer noch mit den Auswirkungen der Corona-Pandemie zu kämpfen hat.

Um die steigenden Kosten für Energie und Lebensmittel überhaupt noch deckeln zu können, sehen sich viele Wirtsleute gezwungen, die Preise auf ihrer Speisekarte zu erhöhen. Doch statt dieser preislichen Anpassung entschied sich Josef Wolfgang Bogner quasi für ein Eintrittsgeld. Mit pinker Kreide steht es auf einem Schild an der Eingangstür: Einen Euro muss jeder Gast bezahlen.

Rottach-Egern: Voitlhof-Wirt nimmt einen Euro Energieaufschlag von seinen Gästen

Wirt Bogner hält dies für eine gerechte Lösung. „Wer viel bei uns konsumiert, wäre deutlicher im Nachteil mit gestiegenen Verzehrkosten gegenüber einem Gast, der auch eine warme Stube möchte, aber weniger verzehrt. Wir standen vor der Frage, was gerechter ist. Wir haben uns für den Energieaufschlag von einem Euro pro Kopf entschieden“, erklärt Bogner. Eine Maßnahme, die der Unternehmer, der unter anderem auch Siebenhütten in Wildbad Kreuth betreibt, gerne vermieden hätte. Doch aufgrund der massiven Preisexplosionen sei ihm keine andere Wahl geblieben.

Auf einer Tafel vor seinem Gasthaus weist Voitlhof-Wirt Josef Wolfgang Bogner die Gäste auf den Extra-Euro hin
Auf einer Tafel vor seinem Gasthaus weist Voitlhof-Wirt Josef Wolfgang Bogner die Gäste auf den Extra-Euro hin. © Klaus Wiendl

„Momentan explodieren alle Preise“, sagt Bogner. Bei der Energie seien es zwischen 50 und 100 Prozent an Mehrkosten. „Wir sehen das schon an den deutlich gestiegenen Abschlagszahlungen des E-Werks und des Gaslieferanten. Wenn das so ist, haben wir uns gesagt, dann müssen wir entweder die Preise massiv erhöhen oder Eintrittsgeld verlangen.“ Denn wer jetzt nicht reagiere und knapp kalkuliere, ist sich Bogner sicher, „für den kommt im Winter das böse Erwachen“.

Dehoga: Viele Hotels und Gaststätten in Existenz bedroht

Viele bayerische Hotels und Gaststätten könnten dann nach Angaben ihres Verbandes Dehoga Bayern durch die Inflation wieder in Existenznot geraten, wie Dehoga-Präsidentin Angela Inselkammer gewarnt hat. Das Gastgewerbe als Dienstleistungsbranche sei nicht nur personal-, sondern auch enorm energieintensiv. Doch könnten die aktuellen Kostensteigerungen nicht mehr aufgefangen oder gar als Preis am Markt durchgesetzt werden. Wenn die Politik nichts tue, „werden Bayerns Gastgeber wissend und damit hochgradig fahrlässig in den Abgrund geschickt“.

Um nicht in diesen Abgrund zu geraten, hatte sich bereits im Mai ein Gastwirt in Nordrhein-Westfalen für eine Eintrittsgebühr in sein Restaurant entschieden. Horst Ingedorn in Ratingen zog „die Reißleine“, wie er es nennt. Obwohl er sogar drei Euro Eintritt verlange, hätten die Gäste Verständnis gezeigt. Ingedorn sagt: „Ich denke, dass diese Offenheit, das so rüberzubringen, eigentlich ganz gut ankommt.“

Voitlhof-Wirt: Reaktionen der Gäste „absolut positiv“

Ähnliches berichtet Bogner. Die Reaktion auf die Einführung des „Ein-Euro-Energiebeitrags“ vor einer Woche sei „absolut positiv“ gewesen. Mit einer Ausnahme habe sich kein Gast beschwert. Bogner wisse von etlichen Gastronomen am See, die Ähnliches vorhätten.

Deshalb mache er nun als Erster den Schritt und hoffe auf Nachahmer. Der Aufschlag pro Person erfolgt auf der Rechnung und ist inklusive der Mehrwertsteuer. „Wir machen es jetzt mal so, bis wir endgültig wissen, was im März an Kosten auf uns zukommt“. (Klaus Wiendl)

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