Was hinter dieser Traueranzeige steckt

Das ist die in der tz erschienene Traueranzeige.

Unterhaching - Rudi Beyerer hat die zwei wichtigsten Menschen in seinem Leben verloren: Vor 30 Jahren wurde seine Tochter ermordet, seine Frau starb vor fünf Jahren an gebrochenem Herzen. Doch der 75-Jährige kämpft - auch für andere Menschen. 

An Weihnachten ist es besonders schlimm. Oder am 5. Januar 2012, wenn sich der Tag zum 30. Mal jährt, an dem das Leben von Rudi Beyerer (75) den Sinn verloren hat. In der Nacht auf dem Dreikönigstag 1982 wurde seine Tochter Erika im Alter von 21 Jahren auf bestialische Weise umgebracht – von ihrem eigenen Freund. „Zeit heilt keine seelischen Wunden“, hat ihr Vater auf eine Gedenkanzeige geschrieben.

Rudi Beyerer am Grab von Tochter und Ehefrau. Vor 30 Jahren wurde Erika umgebracht, Gattin Doris starb 2007.

Auf dieser ist nicht nur die hübsche Erika abgebildet, sondern auch seine Frau Doris. Sie ist mittlerweile ebenfalls tot. „Sie ist an gebrochenem Herzen gestorben“, wie Rudi Beyerer traurig sagt. 25 Jahre lebte das Ehepaar seit dem Blutbad in der Unterhachinger Wohnung ihrer Tochter Seite an Seite. Sie ertrugen ihr Schicksal, gewöhnten sich an den Schmerz in ihrer Seele, der nie vergeht. „Meine Frau ist dadurch krank geworden“, klagt Beyerer. Das Herz, die Nerven, hinzu kamen epileptische Anfälle.

Traueranzeigen aus der Region

„Vor fünf Jahren hat sie sich dann das Sprunggelenk gebrochen“, erzählt er. Sie kam ist Krankenhaus, die 57-Jährige musste mehrmals operiert werden. Die Verletzung wollte nicht heilen. Ihr Körper war zu schwach. „Ich bin die letzten Stunden an ihrem Bett gesessen, bis sie eingeschlafen ist“, erinnert sich Beyerer. Seit 8. Februar 2007 ist der gelernte Malermeister aus Taufkirchen ganz allein. „Ich muss damit fertig werden“, sagt er gefasst. „Auch wenn es schwer fällt, aber es muss ja weitergehen, irgendwie.“

So berichtete die tz vor 30 Jahren

Auch wenn ihn immer wieder die Bilder dieses schrecklichen Verbrechens vor exakt 30 Jahren einholen. Erika wollte sich damals von ihrem Freund Harald S. trennen, wollte eine neue Arbeitsstelle antreten. Harald S. bekam sein Leben nicht in den Griff, verzockte Geld, machte Schulden. In der Nacht zum 6. Januar 1982 die Katastrophe: Nach einem gemeinsamen Essen mit Freunden in München erschlug er sie im Schlaf mit einem Reifenmontier-Eisen. Er drosch mehrmals auf ihren Kopf ein. Weil sie sich noch bewegte, drückte er ihr den Hals zu, bis sie tot war.

Bevor er floh, wollte er noch die Wohnung mit einer Kerze in Brand setzen. Die Feuerwehr fand die Frau schließlich in ihrem Bett. Als die Zeitungen das Fahndungsfoto von Harald S. druckten, stellte er sich drei Tage später der Polizei. Er gab an, aus rasender Eifersucht und im Alkoholrausch zugeschlagen zu haben. Er sagte aus, dass seine Noch-Freundin nachts mehrere Stunden weg gewesen sei. „Das glaube ich nicht, niemand hat sie gesehen“, widerspricht ihr Vater. „Das war ein eiskalter Mord!“

Erika Beyerer.

Das Schwurgericht sah dies anders. Harald S. wurde wegen Totschlags und Brandstiftung verurteilt: elf Jahre Haft, nach acht Jahren wurde er entlassen. „Ich habe von ihm bis heute nichts gehört, es gab keine Entschuldigung, nichts“, klagt Beyerer. Er selbst engagiert sich heute bei der Opferorganisation Weißer Ring. Er will Menschen helfen, die ihre Kinder durch sinnlose Gewalt verloren haben: „Ich weiß, was das bedeutet. Ich kann mich ja nicht einsperren. Und ich weiß, wie gut es tut, wenn man mit jemanden darüber reden kann. Doch fertig werden muss mit diesem Schicksal jeder selbst.“

Oft geht er zum Grab der beiden Menschen, die ihm alles bedeutet haben. Die Erinnerung, die Bilder in der Wohnung, geben ihm die Kraft, den Alltag zu meistern. „Ihr seid von mir gegangen, doch aus meinem Herzen nicht“, schreibt er in der Gedenkanzeige. An Weihnachten oder am Jahrestag sind sie ihm die beiden ganz nah. Und doch so unerreichbar fern.

Stefan Dorner

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