Pflegedrama in Englschalking

Rudolf K. ertränkt seine Mutter (85)

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In Handschellen wurde Rudolf K. (59) in den Gerichtssaal geführt.

Englschalking - Jahrelang kümmerte sich Rudolf K. um seine leicht demente Mutter. Als ein Streit eskaliert, bringt er die 85-Jährige in der Badewanne um. Vor Gericht gesteht er die Tat.

Weil er als Baby so viel schrie, sagte Karolina B. einst zu ihrem Sohn: „Es wäre besser gewesen, ich hätte dich im Badewasser ertränkt.“ Jahre später, als sie schon ein Pflegefall ist, kommt die Seniorin in Englschalking selbst auf diese Weise ums Leben. Ihr einziger Sohn Rudolf K. (59) hat sie in der Badewanne getötet! „Wir haben uns immer geliebt. Ich schäme mich und bin entsetzt, was ich getan habe“ – mit diesen Worten gestand der arbeitslose Techniker gestern die Vorwürfe der Mord-Anklage vor dem Landgericht.

Das Opfer: Karolina B. (85).

Es ist die Geschichte eines Pflegedramas, das außer Kontrolle geriet. Jahrelang kümmerte sich Rudolf K. um seine leicht demente Mutter, half ihr im Haushalt und bei der Körperpflege. „Sie hatte sich das so gewünscht“, sagt er. Schon früher galt die Seniorin aber als herrisch. Seit Mai 2013 wurde der Umgang mit ihr schwierig – sie litt unter dem Tod ihres zweiten Ehemannes und wurde öfter aggressiv gegen ihren Sohn, der mit seiner Frau und drei Kindern zuletzt in Rottenburg (Niederbayern) lebte. Am 29. Oktober 2013 eskalierte die Situation!

„Ich war nicht gut beieinander, weil ich dachte, dass sich meine Frau

In ihrem Reihenhaus in der Stolzingstraße (links) wurde die 85-Jährige in der Badewanne ertränkt.

trennen will. Trotzdem fuhr ich nach Englschalking. Morgens wollte ich meine Mutter gegen neun Uhr im ersten Stock baden. Aber sie war schlecht gelaunt. Auch zum Friseur wollte sie nicht“, schildert Rudolf K. den Tattag. „Als ich das Wasser aber einließ, stieg Mutter auch hinein. Denn sie wollte es nicht unnütz vergeuden.“ Ihre Haare ließ sich die Seniorin aber nicht waschen – darüber entbrannte ein heftiger Streit. „Sie schlug nach mir und schrie, ich sei ein Taugenichts“, sagt K. „Da war’s aus bei mir. Ich konnte das nicht mehr hören.“ In der Badewanne drehte er seine Mutter auf den Bauch, „denn ich wollte ihr nicht in die Augen sehen. An den Schultern habe ich sie fest unter Wasser gedrückt.“

Nur einmal schaffte es die 85-Jährige, ihren Kopf zu heben. „Sie schrie. Es war fürchterlich. Ich hielt ihr Mund und Nase zu, drückte sie wieder runter und ließ mehr Wasser ein.“

Als sich Karolina B. nach Minuten nicht mehr rührte, griff er ihr unter die Arme, hob sie rücklings aus der Wanne und schleifte ihre Leiche ins Wohnzimmer. „Ich habe sie auf ein Handtuch gelegt und mit anderen Tüchern zugedeckt.“ Richter Norbert Riedmann: „Ich hatte den Eindruck, sie haben ihre Mutter aufgebahrt.“

Im Erdgeschoss schrieb K. seiner Frau eine Notiz: „Geh nicht rauf. Ruf die Polizei. Gott sei ihrer Seele gnädig. Dein Rudi“. Danach versuchte er sich die Pulsadern aufzuschneiden – schafft es aber nicht und schlief ein. Morgens beichtete er seiner Frau die Tat. Sie rief sofort die Polizei. Festnahme!

Rudolf K. droht nun Lebenslang. Verteidigerin Birgit Schwerdt schließt niedrige Beweggründe aber aus und will auf Totschlag hinaus. „Mein Mandant war mit sich, seinen Eheproblemen und der Pflege überfordert. Es bleibt zu klären, ob eine psychische Erkrankung vorliegt.“ Das Urteil fällt am 29. Oktober.

Andreas Thieme

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