Ein Augenzeuge berichtet

S-Bahn-Horror: "Der Unimog flog auf mich zu"

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Dramatische Rettung: 45 Feuerwehrleute waren aus Höhenkirchen und Brunnthal vor Ort.

München - Carsten Räbiger dankt seinem Schutzengel: Er fuhr in der S-Bahn, in die am Mittwochmorgen ein Unimog einschlug. Wie er das Unglück erlebte, bei dem mehrere Menschen schwer verletzt wurden.

Hunderte Holzscheite, tausende Glasscherben und mehrere Liter Öl verteilen sich im Gleisbett, drei Männer liegen schwer verwundet auf dem Boden. Es ist ein Bild der Verwüstung, das sich den Rettungskräften Mittwochmorgen an einem unbeschränkten Bahnübergang bei Dürrnhaar (Kreis München) bietet: Ein Unimog hatte eine S-Bahn aufgeschlitzt und die Scheibe aus Sicherheitsglas zerfetzt.

Gegen 9.15 Uhr fährt ein 79-Jähriger aus Aying im Unimog über den unbeschrankten Bahnübergang Faistenhaarer Weg an der Staatsstraße 2078. Doch dabei übersieht er die heranrauschende S-Bahn. Beim Zusammenprall reißt der mit Holzscheiten beladene Unimog die linke Seitenfront der S7 auf. Das Fenster zersplittert. Den Unimog und seine drei Insassen schleudert es neben das Gleisbett. Die Motorhaube und die Frontscheibe werden total zerquetscht. Obwohl der Lokführer sofort eine Notbremsung einleitet, kommt die S-Bahn erst nach 300 Metern zum Stehen.

Polizei, Feuerwehr, Bahn und Rettungsdienste sind kurz darauf vor Ort und kümmern sich um die 38 Fahrgäste in dem demolierten Zug. Mit Leitern hilft die Feuerwehr den geschockten Müttern, Kindern, Rentnern und Pendlern aus der S7. „Auf einmal war es dunkel und hat laut gekracht. Ich habe plötzlich nur noch Holzscheite durch die Luft fliegen sehen“, beschreibt ein Fahrgast den Moment des Unfalls gegenüber der tz. Das Innere des Unglückswaggons gleicht einem Meer aus Glassplittern.

Der schwer verletzte 79-jährige Ayinger wird mit einem Rettungshubschrauber ins Krankenhaus gebracht. Die verletzten Beifahrer (59 und 46 Jahre) und ein 68-jähriger Fahrgast, der unmittelbar hinter der Einschlagsstelle saß, kommen per Krankenwagen in eine Klinik.

Nach dem Unglück sperrt die Polizei die Staatsstraße zwischen Dürrnhaar und Höhenkirchen für zwei Stunden in beide Richtungen. Erst um 11.06 Uhr wird die erste Fahrspur wieder freigegeben. Auch der S-Bahn-Betrieb wird für mehrere Stunden eingestellt, hier geht es erst um 14 Uhr weiter.

„Unimog flog auf mich zu“

Carsten Räbiger war eigentlich auf Weg zu einem Termin nach München. Doch den musste der 41-Jährige verschieben …

Um 9.13 Uhr steigt er in Dürnharr in die S7 Richtung München. Nur zwei Minuten später schlägt der Unimog wenige Meter neben ihm im zweiten Waggon der S-Bahn ein. „Ich habe den Unimog auf mich zufliegen sehen. Es ging alles so schnell“, beschreibt der Hausmeister vom Gymnasium Neubiberg die Horror-Szene. Doch die S-Bahn fährt noch ein paar Meter weiter, bis der Unimog in die Seitenfront kracht. Der Waggon bebt! Räbiger wird kräftig durchgeschüttelt! Obwohl hunderte Glassplitter durch den Gang fliegen, bleibt Räbiger letztendlich unverletzt. „Gott sei Dank bin ich nicht im zweiten Waggon gestanden. Manchmal braucht man einen guten Schutzengel.“

Die Polizei brachte ihn nach dem Horror zum nächsten Bahnhof.

S-Bahn-Unfall bei Höhenkirchen-Siegertsbrunn: Bilder

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Manuel Bonke

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