S-Bahn München

Schwarzfahrerin geht auf Kontrolleure los - sie war völlig verzweifelt

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Ein Kontrolleur der Deutschen Bahn geriet mit einer verzweifelten Schwarzfahrerin aneinander.

Weil sie schnell zu ihrer Tochter wollte, ist eine Frau aus Olching schwarz gefahren - und erwischt worden. Die Kontrolleure brachten die Frau zum Ausrasten. Jetzt stand sie vor Gericht.

  • Eine Olchingerin wurde beim Schwarzfahren erwischt.
  • Sie hatte schnell zu ihrer Tochter gewollt, die alleine zu Hause war.
  • Das aggressive Verhalten der Kontrolleure brachte sie zum Ausrasten.

Olching –  In Panik war eine Olchingerin geraten, als sie in der S-Bahn zwischen Gröbenzell und Olching ohne Fahrkarte erwischt wurde. Die 45-Jährige rastete völlig aus, schlug und trat um sich und beleidigte die Kontrolleure. Das ganze passierte bereits vor einem Jahr. Am Brucker Amtsgericht kam sie jetzt mit einem blauen Auge davon. Sie muss innerhalb von drei Monaten 40 Stunden soziale Dienste leisten. Danach wird ihr Verfahren wegen Körperverletzung, Sachbeschädigung, Beleidigung und Schwarzfahrens eingestellt.

Mit dem Rad nach Olching, mit der S-Bahn zurück - ohne Geld

Total aufgeregt hat sich die 45-Jährige an einem frühen Oktoberabend 2018 bereits, als sie in Gröbenzell bemerkte, dass ihr Fahrrad einen Platten hatte. Sie war mit dem Drahtesel von Olching in die Nachbargemeinde zu einer Ergotherapeutin geradelt. Geld, um die Heimfahrt mit der S-Bahn zu bezahlen, hatte sie nicht dabei. Zu Hause aber wartete die elfjährige Tochter auf ihre Rückkehr.

Tochter wartete auf Rückkehr - Mutter beim Schwarzfahren erwischt

Erreichen konnte die 45-Jährige das Mädchen nicht, die Elfjährige hatte kein Handy, und in der Wohnung gab es keinen Festnetzanschluss. Also stieg die Frau kurzerhand ohne Fahrkarte in die S-Bahn – und wurde prompt erwischt. Als sie mit den Kontrolleuren in Olching die S-Bahn verließ, hatten die Männer das Gefühl, sie wolle flüchten und verhinderten dies.

Einer der Kontrolleure habe sie dabei gegen eine Wand gedrückt, erinnerte sich die Olchingerin in der Verhandlung. Er habe dabei so nah vor ihr gestanden dass sie seinen Atem gespürt habe. „Ich habe geweint und geschrien, ich bekomme keine Luft“, so ihre Schilderung.

Video: Münchner Schwarzfahrer wird rabiat aus Zug geholt

Wegen Fluchtgefahr: Kontrolleur wird körperlich - Situation eskaliert

Die Schwarzfahrerin wehrte sich. Daran erinnerten sich die Kontrolleure. Dem Mann, der sie festhielt, schlug sie demnach ins Gesicht, kratzte ihn, drehte ihm die Hand um, schlug gegen seinen Oberkörper, trat ihm auf den Fuß und warf seine Brille zu Boden. Auch die Brille eines Kollegen ging zu Bruch. „Ich war überfordert mit der Situation, völlig fertig mit der Welt“, sagte die 45-Jährige zum Richter.

Wegen Geldmangel: Sozialstunden statt Strafzahlung

Einer der Kontrolleure hatte damals den Eindruck, die Olchingerin habe psychische Probleme. Dies bestätigte sich in der Verhandlung. Die Angeklagte berichtete, sie leide unter Depressionen, ADHS und einer Borderline-Störung. Ihre Therapeutin bestätigte das. „Sie war in einer Krisensituation“, durch die Trennung von ihrem Lebenspartner, ergänzte die Ärztin.

Der Rechtsanwalt der Olchingerin schlug vor, das Verfahren gegen seine Mandantin einzustellen, wozu die Staatsanwältin gegen Auflage auch bereit war. Sie schlug vor, die Frau solle 1000 Euro bezahlen.

Doch die 45-Jährige hat wenig Geld. Neben einem Minijob bekommt sie Hartz IV. Daher einigten sich Richter, Staatsanwältin und Verteidiger darauf, dass ihr Sozialstunden auferlegt werden. (sus)

Lesen Sie außerdem: Auf Bus- und S-Bahnnutzer rollt die größte Änderung seit 20 Jahren zu: Die MVV-Tarifreform tritt am 15. Dezember in Kraft. Dann ist beim MVV vielleicht nicht alles, aber vieles neu. Störungen wird es aber auch sicher weiterhin geben. Wozu das führen kann zeigt das Beispiel von Sieglinde Scafuro. Sie brauchte knapp zwei Stunden vom Isartor nach Türkenfeld.

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