Aus dem Gericht 

Waffenhandel auf dem Kundenparkplatz

Mit den aufmerksamen Kunden eines Gartencenters in Sauerlach, die ein Gewehr sehr wohl von einer Heckenschere unterscheiden können, hatte ein Rentner (64) aus München wohl nicht gerechnet. 

Sauerlach/München –  Als der Mann im Januar 2016 auf dem Parkplatz eine Waffe an einen Bekannten übergab, wurde er beobachtet. Nur wenige Stunden später stand die Polizei bei ihm vor der Tür. Jetzt verurteilte ihn das Amtsgericht zu einer einjährigen Bewährungsstrafe. Die Auflage zugunsten der Staatskasse betrug 600 Euro.

Käufer und Verkäufer hatten sich auf dem Flohmarkt kennengelernt. Ihr Augenmerk galt alten Waffen. Liebend gerne hätte der Bekannte ein Gewehr besessen. Weil er selber keines fand, wandte er sich an den Angeklagten. „Wir kamen zum Reden“, erinnerte sich der Bekannte als Zeuge vor dem Amtsgericht, „er wollte sich umhören und meinte, vielleicht hätte er da was.“ Schließlich vereinbarten die beiden Männer einen Termin in Sauerlach. Der 64-Jährige brachte ein Gewehr der Marke Zavasta mit. 230 Euro wollte er für die Schusswaffe haben. Am Ende zahlte der Bekannte aber nur 70 Euro. Einen Waffenschein besaß er nicht.

Am selben Tag wurde die Wohnung des Rentners in München von der Polizei durchsucht. Dabei fanden die Beamten zwei halbautomatische Selbstladepistolen, einen Revolver und Patronen. „Diese Waffen, die bei ihm gefunden wurden, stammen von Flohmärkten und haben sich im Lauf der Jahre angesammelt. Die Waffen waren mehr Klump, teilweise verdreckt und verrostet“, erklärte Verteidiger Georg Karl für seinen Mandanten vor Gericht. 

Die Polizei entdeckte in der Wohnung des Rentners allerdings auch noch etwas anderes: einen italienischen Reisepass mit einem Bild von ihm und falschen Personalien. Der 64-Jährige wusste, dass der Ausweis nicht von einer Behörde ausgestellt worden war. Eigenen Angaben zufolge besaß er ihn schon seit den 90er-Jahren, hatte ihn aber nie verwendet und seitdem auch schlichtweg vergessen. Das stimmte nicht so ganz. Denn der Angeklagte erinnerte sich dann doch, dass der „Pass“ 2008 abgelaufen war. Unterschrieben hatte er die Fälschung allerdings nie. Er sei Nachtportier gewesen, berichtete er, als ein Italiener ihm gegenüber geprahlt hätte, dass er Fälschungen herstellen könne.

Das Amtsgericht sprach den Mann des vorsätzlichen unerlaubten Besitzes einer Schusswaffe und des Überlassens einer erlaubnispflichtigen Schusswaffe an einen Nichtberechtigten sowie des Besitzes zweier halbautomatischer Kurzwaffen schuldig Zudem lastete es ihm das Verschaffen von falschen amtlichen Ausweisen an. Bei der Höhe der Strafe berücksichtigte das Gericht, dass alle Waffen schon alt und der Revolver nur eingeschränkt funktionsfähig gewesen sei. 

Rubriklistenbild: © dpa

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