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Gemeinde legt bei Telekom Veto ein

Darum hängen die Sauerlacher so sehr an ihren Telefonzellen

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Die Möglichkeit, zu telefonieren, sollte es immer geben, auch wenn das Handy mal nicht funktioniert, findet Bürgermeisterin Barbara Bogner.

Sie sind die letzten ihrer Gattung und sollen schon bald von der Bildfläche verschwinden: die drei öffentlichen Telefone in Sauerlach. Sie fallen der Rationalisierung zum Opfer, wie derzeit viele Artgenossen landkreisweit. Die Gemeinde Sauerlach wehrt sich dagegen und legte beim Anbieter Telekom Veto ein.

Sauerlach Wie der Münchner Merkur in seiner Ausgabe für den Landkreis München berichtet, votierten die Mitglieder des Bauausschusses geschlossen und machten aus der Missbilligung keinen Hehl. Lediglich Markus Hoffmann (CSU) erhob die Hand gegen den Verbleib der Zellen. Im Zeitalter von Handy und Smartphone bräuchte doch eigentlich niemand mehr ein öffentliches Telefon, so die Argumentation.

Auch ein Handy-Akku ist mal leer

Bürgermeisterin Barbara Bogner (UBV) zeigte einerseits Verständnis für das Vorhaben der Telekom, sieht aber die Rechte der Bürger auf Sicherheit privilegiert. Etwa bei der Nutzung des öffentlichen Nahverkehrs. Die Gemeinde hat zwölf auseinander liegende Ortsteile, der Bahnhof ist in Sauerlach, so der Hintergrund. „Wenn hier jemand spät mit der S-Bahn ankommt, sollte es immer die Möglichkeit geben, dass er jemanden anrufen kann, der ihn abholt“, sagt die Rathauschefin. Auch ein Handy-Akku sei einmal leer. Selbst die bahnhofsnahe Tankstelle hätte ab 22 Uhr geschlossen. „Eine telefonische Grundversorgung muss auf jeden Fall gegeben sein“, findet Bogner. Die Telekom als Netzbetreiber sei gesetzlich zur Aufrechterhaltung von öffentlichen Kommunikationsstellen verpflichtet.

Nicht rentabel genug sind die Telefonzellen, entgegnet hingegen die Telekom auf Anfrage des Münchner Merkur. Es geht um die Telefonzellen am Rudolf-Diesel-Ring, vor dem Rathaus sowie an der Tegernseer Landstraße in Höhe Tengelmann. Aus wirtschaftlicher Sicht muss ein Telefonstandort etwa 50 Euro Umsatz im Monat bringen, um sich zu tragen, sagt Markus Jodl, Sprecher der Deutschen Telekom. Die Sauerlacher Geräte kämen jeweils gerade auf 15 Euro.

Bundesweit gibt es noch an die 20 000 Telefonzellen, in der Blütezeit waren es gut 160 000. Statistisch gesehen habe jeder Deutsche heute mindestens ein Handy und einen Hausanschluss. Strom, Standortmiete, Wartung, Vandalismus – öffentliche Telefone kosten. Mit der Bundesvereinigung der kommunalen Spitzenverbände gäbe es deshalb eine Vereinbarung: So dürfe die Telekom Städte und Gemeinden wegen eines Abbaus ansprechen, „wenn auf deren Gebiet extrem unwirtschaftliche öffentliche Fernsprecher stehen“, so der Telekom-Sprecher. Der Umsatz sei ein klares Indiz dafür, dass der Wunsch nach einer Grundversorgung an dieser Stelle offensichtlich nicht mehr besteht. Der Kunde sei der Architekt des Telefonzellen-Netzes.

Basistelefon als Kompromiss

„Wenn die Gemeinde trotzdem an einem Standort festhalten möchte, sprechen wir über eine kostengünstige Alternative wie etwa ein Basistelefon“, so Jodl. Das sei nach dem Veto im Bauausschuss nun geschehen, bestätigte Bauamtsleiter Hubert Zellner. Die Lösung des Problems ein Kompromiss: Künftig soll es an den drei Standorten nur noch Basistelefone für die Grundversorgung gebe. Um telefonieren zu können, braucht es eine Calling-Card, Notrufe und Telefonate zu 0800-Nummern seien kostenfrei, R-Gespräche möglich.

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