Abstimmung am Sonntag

Umkämpfte Umgehung für Schäftlarn: Ergebnis ist nicht absehbar

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Es ist eng: Die Ortsdurchgangsstraße von Hohenschäftlarn soll entlastet werden.

Am Sonntag wird über eine Umfahrung für Schäftlarn (Kreis München) abgestimmt. Um sie wird mit harten Bandagen gerungen. Kein Einzelfall: Ortsumgehungen spalten in Oberbayern ganze Dörfer und Städte.

Schäftlarn/München „Sagen wir es mal so“, erklärt Hans Jörg Oehlschlegel vom Staatlichen Bauamt Freising nur halb im Spaß. „Die Altvorderen haben die leichteren Projekte gebaut und uns die schwereren hinterlassen.“ Die Zeiten, da eine Gemeinde wie eine Eins hinter einem Straßenprojekt stand, sind vorbei. Wer heute eine Ortsumgehung fordert, muss sich auf eine lange Auseinandersetzung gefasst machen. Es wird gestritten, manchmal auch geklagt. Über zwei Dutzend Straßen im westlichen Oberbayern stehen im Feuer, im östlichen Teil sind es weitere. Prominentester Streitfall ist die B 15 neu, die einmal von Rosenheim bis Landshut führen soll. Eine komplette Neubautrasse ist unrealistisch, das bayerische Kabinett hat 2015 entschieden, auch den Ausbau der Bestandstraße B15 alt mit Ortsumfahrungen zu verfolgen.

Die Projekte von Oehlschlegels Behörde sind kleiner, zum Teil aber nicht minder hart umkämpft: Sieben Umfahrungen hat das Bauamt Freising, zuständig für fünf Landkreise in West-Oberbayern, konkret in Planung. Gleich zwei sind für Dachau vorgesehen, eine schon seit Jahrzehnten diskutierte für Olching (Kreis Fürstenfeldbruck). Das Projekt bei Schäftlarn ist in einer Hinsicht untypisch: Die Gemeinde will die Straße als kommunale Sonderbaulast selbst planen und (mit staatlichem Zuschuss) bauen – erst danach soll die Umgehung dem Straßenbauamt übertragen werden. Am Sonntag wird aber zunächst einmal über die Variante abgestimmt. Dass eine Umgehung kommen soll, scheint unstrittig, das Wo hingegen ist es nicht. Bisher müssen Autofahrer durch Hohenschäftlarn, um von der Garmischer Autobahn A 95 zur B 11 zu kommen – oder umgekehrt. Die Ortsstraße ist eng und kurvig. Während der Gemeinderat eine Umfahrung Hohenschäftlarns am Waldrand entlang befürwortet, kämpft eine Bürgerinitiative für eine längere Route, die teils aber bestehende Straßen nutzen würde.

Die Fronten sind verhärtet, zuletzt präsentierte die Bürgerinitiative die Computersimulation einer sechs Meter hohen Aufschüttung, die für die Trasse der Gemeinde angeblich notwendig sei – was bestritten wird. Das Ergebnis am Sonntag: nicht absehbar.

Streit und Hader – ein Projekt wie die Ortsumgehung Pfaffenhofen/Glonn (Kreis Dachau) ist Oehlschlegel da entschieden lieber. Es ist aber die Ausnahme. Dort entstanden in drei Jahren Bauzeit zweieinhalb Kilometer Straße, die 2015 eingeweiht werden konnten – „mit sehr breiter Unterstützung vor Ort“, wie Oehlschlegel betont. Er kennt es auch anders: Bei der Nordost-Umgehung Freising, derzeit im Bau, gab es seit den 1990er-Jahren 24 Varianten, viele Einwendungen und schließlich einen Bürgerentscheid. Ende 2020 soll die Straße nun aber fertig sein.

„Bauvolumen von deutlich über einer halben Milliarde Euro“

Auch Uwe Fritsch, Leiter des Staatlichen Bauamts Weilheim mit Zuständigkeit von Starnberg bis Garmisch-Partenkirchen, hatte einen Härtefall: die Umgehung Starnberg. Jahrzehntelang war umstritten, ob es einen Tunnel oder eine Umfahrung geben soll. Jetzt ist klar: Es soll ein Tunnel unter die B2. Das Straßenbauamt Weilheim hat derzeit Projekte in Bau oder Planung, die ein „Bauvolumen von deutlich über einer halben Milliarde Euro“ umfassen, wie Fritsch sagt. Insgesamt ein gutes Dutzend Straßen. Die meisten sind im Raum Garmisch-Partenkirchen, etwa der Kramer-Tunnel als Umgehung von Garmisch oder die Umfahrung Murnau. Der härteste Streitfall ist jedoch Weilheim. Dort ist der Verlauf einer Ortsumgehung ein Politikum. Problem: Statt zwei mögliche Trassen vorzustellen, kam das Straßenbauamt gleich auf mögliche fünf Varianten, die im April 600 Bürgern in einer Versammlung vorgestellt wurden. Über fünf Straßen könne aber unmöglich abgestimmt werden, meinte der Bürgermeister. Jetzt soll es eine Bürgerbefragung geben. Fritsch schwant: „Das wird die Kunst sein, da auf einen gemeinsamen Nenner zu kommen.“

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