Schäftlarnerin auf besonderer Expedition

Abgeseilt! 600 Meter tief im brodelnden Vulkankrater

Wie ein Astronaut sieht Lohmann aus. Der Anzug schützt vor der Hitze.
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Wie ein Astronaut sieht Lohmann aus. Der Anzug schützt vor der Hitze.
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Ulla Lohmann mit ihrem Erfolgsbuch „Ich mach das jetzt!“
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Ulla Lohmann mit ihrem Erfolgsbuch „Ich mach das jetzt!“

Ulla Lohmann hing wenige hundert Meter über kochend heißer Lava am Seil: Die Schäftlarnerin begab sich auf eine sehr spezielle Expedition in der Südsee.

Hohenschäftlarn – Mit dem Buch „Ich mach das jetzt! – Meine Reise zum Mittelpunkt der Erde“ gelang Ulla Lohmann (40) aus Hohenschäftlarn auf Anhieb ein Bestseller. Im Interview spricht sie über die Expedition, ein weltweit einzigartiges Foto, gelebte Träume und was der Freitod ihres Vaters mit ihr gemacht hat.

Frau Lohmann, hatten Sie keine Angst, als Sie, Ihr Ehemann Sebastian Hofmann und der Vulkanforscher Thomas Boyer sich in einen Vulkankrater in der Südsee abseilten?

Ulla Lohmann: Angst weniger. Dazu war ich viel zu neugierig auf das, was uns dort unten erwartet. Aber Respekt muss man haben – das ist ein Teil der Lebensversicherung. Zudem: Das meiste ist planbar, das Risiko kalkulierbar. Gefährlicher sind die Menschen. Da steckt man nicht drin, die kann man nicht berechnen. Hier in Deutschland habe ich zum Beispiel Angst, in der Nacht allein zur S-Bahn zu gehen. Bei den Expeditionen passt mein Mann auf mich auf. Er ist eher der Vorsichtigere, der Abwägende, ich will möglichst gleich los. Wir sind ein bisschen wie Gaspedal und Bremse.

Es hat von Ihrer ersten Besteigung des Benbow bis zu der Erfüllung Ihres Traumes, ganz nah am Lavasee zu stehen, fast 20 Jahre gedauert. Woher kommt dieses Durchhaltevermögen?

Lohmann: Vielleicht hat der Freitod meines Vaters damit zu tun. Geprägt hat mich das mit Sicherheit. Er hat uns immer Geschichten vorgelesen, worin die Helden trotz aller Widrigkeiten zum Ziel kommen. Mein Vater hat den einfacheren Weg gewählt: Er ist einfach gegangen, ohne sich der Herausforderung zu stellen. Vielleicht kommt mein Drang, nicht aufzugeben, daher. Wenn man einen Traum hat, sollte man alles dran setzten, ihn auch zu leben.

Was hat die Exkursion zum Lavasee gebracht?

Lohmann: Mit unserer Hilfe konnte Thomas Boyer viele wertvolle Messungen durchführen. Zusammen mit den Aufzeichnungen des vulkanologischen Observatoriums in Port Vila werden sie helfen, Ausbrüche eher vorauszusagen. So kann man die Bevölkerung von Ambrym rechtzeitig warnen. Zudem hat Thomas ein Vulkan-Museum eröffnet, bei dem wir auch mitgewirkt haben. Dort wird eine 360-Grad-Aufnahme von uns aus dem Inneren des Kraters gezeigt – übrigens die weltweit erste dieser Art. So sollen auch das Bewusstsein und das Verständnis der Bevölkerung für ihren Vulkan sensibilisiert werden. Ein Vulkan ist nicht nur durch Mythologie, sondern auch durch Wissenschaft erklärbar.

Was steht als nächstes auf der Agenda?

Lohmann: (lacht) Da gibt es noch eine ganze Menge. Die Erforschung weiterer aktiver Vulkane wie den Mount Erebus in der Antarktis, oder des Mount St. Helens im US-Bundesstaat Washington. Für nächstes Jahr haben Basti und ich ein Projekt in der europäischen Heimat geplant: Wir wollen in 470 Tagen in 47 Länder den jeweils höchsten Berg besteigen, also 47 Berge.

Ihr Buch über die Reise zum Mittelpunkt der Erde war ein absoluter Erfolg. Hätten Sie damit gerechnet?

Lohmann: Ich bin vor allem überrascht, wie viele sich für mein Buch interessieren und wo überall darüber berichtet wird. Ich selbst werde andauernd zu Talkshows und Radiointerviews eingeladen. Kürzlich war ich bei Markus Lanz.

Und wie hat Ihre Familie auf das Buch reagiert?

Lohmann: Vor allem meine Mutter hat sich gefreut. „Weißt du, Ulla“, hat sie am Telefon gesagt, „jetzt bin ich beruhigt. Jetzt weiß ich, was du machen kannst, wenn du alt bist. Du kannst dich an den Ofen setzen und schreiben – vielleicht auch mal was harmloses wie Kinderbücher“.

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