Scheungraber wird die Bürgermedaille aberkannt

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Josef Scheungraber

Ottobrunn - Nachdem Josef Scheungraber nun rechtskräftig als Kriegsverbrecher verurteilt wurde, reagiert jetzt der Ältestenrat Ottobrunn:

Zwar will der Ottobrunner Gemeinderat in der Sitzung am 24. November eine Entscheidung treffen, doch bereits jetzt zeichnet sich ab: Josef Scheungraber wird die Bürgermedaille wohl entzogen werden. Der 92-Jährige ehemalige Wehrmachtsoffizier war vergangene Woche wegen mehrfachen Mordes an italienischen Zivilisten im Juni 1944 endgültig zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden. Nachdem der Bundesgerichtshof in Karlsruhe die Revision abgewiesen hat, ist das Urteil jetzt rechtskräftig.

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Kriegsverbrecher Scheungraber (92) muss ins Gefängnis

Nach dem Ausgang des Revisionsverfahrens schlugen die Wellen sofort ins politische Ottobrunn hinüber, wo sich der Ältestenrat in einer eilig einberufenen Sitzung mit dem Fall befasste. Das Gremium "empfiehlt dem Gemeinderat Ottobrunn, Herrn Josef Scheungraber die ihm in der Gemeinderatssitzung am 1. April 2005 verliehene Bürgermedaille abzuerkennen", so heißt es in der von Bürgermeister Thomas Loderer (CSU) unterzeichneten Erklärung. Gegenüber dem Münchner Merkur bekräftigten die Mandatsträger die Entscheidung. "Klar muss das so sein, darüber besteht überhaupt kein Zweifel", erklärte Ruth Markwart Kunas. "Ich habe damals schon gesagt: Jeder muss für seine Taten gerade stehen." Zwar mache das Urteil "betroffen", doch überraschend komme es nicht: "Die Faktenlage stand ja schon nach dem Hauptverfahren fest und wurde jetzt in der Revision nur noch einmal rechtlich gewürdigt."

Auch für ihre Fraktionskollegin, die Dritte Bürgermeisterin Ariane Wißmeier- Unverricht, ist die Aberkennung der Bürgermedaille "die logische Konsequenz" aus den Taten, die Scheungraber zu verantworten habe.

Ähnlich denkt die Ottobrunner CSU, bei der die Stimmung allerdings einige Zeit lang alles andere als einhellig war. So hatte Loderer im Juni 2008 mitten im schwebenden Verfahren in einer "Ehrenerklärung" Position für Scheungraber bezogen. Er sei von dessen "persönlicher Integretität" überzeugt, hatte das Gemeindeoberhaupt damals erklärt, später aber die Darstellung bedauert und verworfen. Georg Weigert, CSU-Fraktionssprecher, bemühte sich jetzt darum, die Wogen zu glätten: "Ich denke, die Haltung in der CSU ist deckungsgleich mit der Pressemeldung des Ältestenrates."

Man habe das Urteil "zur Kenntnis genommen" und akzeptierte es als "rechtsstaatliche Position". Auch seine Fraktion werde der Beschlussempfehlung des Ältestenrates zustimmen. Weniger zögerlich geht die Freiwillige Feuerwehr vor: Nach dem Willen des Vorstands ist Scheungraber dort ab sofort kein Ehrenmitglied mehr. Bereits nach dem Urteil der Schwurgerichtskammer habe man einen "Vorratsbeschluss" gefasst, wie der Kommandant Eduard Klas erklärte: "Nach Bekanntwerden des Urteils stand fest: Wenn es bestätigt wird, dann entziehen wir Herrn Scheungraber die Ehrenmitgliedschaft."

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