Landgericht lässt Milde walten

Schläger müssen doch nicht in Haft

Dachau - Das Amtsgericht Dachau hatte genug und griff hart durch: Wegen übler Attacken auf dem Parkplatz eines Schnell-Restaurants in Dachau verurteilte es die zwei vorbestraften Angreifer zu Haftstrafen, die es nicht mehr zur Bewährung aussetzte. Das Landgericht München II ließ nun Milde walten.

Ein 23 Jahre alter Verkäufer-Azubi sollte wegen gefährlicher Körperverletzung für zwei Jahre ins Gefängnis, ein gleichaltriger Elektroniker für ein Jahr und zwei Monate. Doch die beiden wollten nicht ins Gefängnis. Deshalb zogen sie in die nächste Instanz vor das Landgericht München II und baten dort noch einmal um Bewährung. Eine schwierige Entscheidung.

Die Vorsitzende Richterin machte keinen Hehl aus ihrer ursprünglichen Einschätzung. Als sie die Berufungen der Dachauer auf den Tisch bekam, da habe sie gedacht: „Was wollen die mit ihrer Berufung?“ Doch dann kam es am Dienstag zur Hauptverhandlung in München.

Über die Tat an sich herrschte weitgehend Einigkeit. Die zwei geschädigten jungen Männer (20 und 21) schilderten auch selbst noch einmal die Attacken. Zusammen waren sie beim Go-Kart-Fahren, danach ging’s ins Schnell-Restaurant. Dort kehrten auch die Angeklagten ein, die angetrunken von einer Hochzeit kamen. Sie pöbelten die beiden Studenten an, warfen mit Holzstäbchen. Der 20- und der 21-Jährige verließen das Lokal. Doch die 23-Jährigen folgten ihnen auf den Parkplatz.

Dort ging die Attacke richtig los. Der Azubi und der Elektroniker schlugen auf die Studenten ein. Der schlimmste Angriff: Der Elektroniker donnerte dem 20-Jährigen die Faust mitten ins Gesicht. Dabei schlug er ihm den rechten Schneidezahn komplett aus. Seitdem musste sich der Informatik-Student 15 Prozeduren beim Zahnarzt unterziehen. Der Schneidezahn war unwiederbringlich verloren, er trägt nun ein Implantat. Sein Spezl kam glimpflicher davon. Auch er wurde ins Gesicht geschlagen, trug jedoch keine bleibenden Schäden davon.

Die Angeklagten taten alles, um die Haft noch einmal abzuwenden. Sie bereuten, entschuldigten sich, zahlten Schmerzensgeld. Außerdem ist ihr Leben inzwischen sozial gefestigter, beide stehen auf eigenen Beinen. So hatten ihre Berufungen am Ende Erfolg. Die Haftstrafen wurden zur Bewährung ausgesetzt. Die Auflage: jeweils ein Anti-Aggressionstraining.

Nina Gut

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